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Zukunfts-Schwäbisch?
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Wie jeder Dialekt, ist auch das Schwäbische einem gewissen Wandel
unterworfen. Was mein Großvater noch verstand, versteht mein Vater nur
noch mit Mühe, und was ihm geläufig war, macht mir schon
Schwierigkeiten. Leider dreht sich das Rad immer schneller und so ist
folgende Glosse aus der F.A.Z., 12.01.2006, Nr. 10 / Seite 33 ziemlich
realitätsnah:
Ha now!
Treffen sich zwei Schwaben, die sich seit ewigen Zeiten nicht mehr gesehen haben. Murmelt der eine völlig begeistert: "Yes what! Yes what! Well, you lovely little God from Biberach, now I can not more!" (übersetzt: "Ja was! Ja was! Du liab's Hergöttle von Biabarach, ja jetz ko e gar nemme!")
Bricht der andere in fassungsloses Freudenbrummen aus: "Yes, now let me yet go!" (Ja, jetz laß me no ao ganga!) Erwidert der eine, stammelnd in namenlosem Entzücken: "Yes, now kiss me yet my backside!" (Ja, jetz leck me no am Arsch)
Handelt es sich hierbei um Feierabendschwaben? Oder um Schaffensschwaben? Um letztere. Denn nur noch die Feierabendschwaben dürfen die obigen Texte in ihrer Mutter- beziehungsweise Großmuttersprache sprechen. Die Schaffensschwaben dagegen müssen sich in Zukunft des Englischen bedienen.
Das hat der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger verfügt: in einem Film von Harald Wötzel, für den Oettinger interviewt wurde. Titel des Films: "Wer rettet die deutsche Sprache?" Oettinger nicht. Der Mann, der sich in einer Sprache, die weder Deutsch noch Schwäbisch ist, sondern eine Art Stuttgarter Vorstadt-Schleiflack-Idiom darstellt, so lang in sein neues Amt geschwätzt hat, bis das Amt gar nicht mehr anders konnte, als auf Oettinger zuzufallen (und da liegt es jetzt rum und weiß nicht weiter), findet laut Interview-Text: "Deutsch bleibt die Sprache der Familie, der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest, aber Englisch wird die Arbeitssprache."
Und: "Das wird die entscheidende kommunikative Aufgabe der nächsten Jahre sein." Da es aber in Württemberg bekanntlich keine Freizeit (das Wort "Gruaba" fürs Ausruhen erinnert nicht von ungefähr an die Grube und ans Grab), sondern ausschließlich Arbeit gibt - wird das Schwäbische in Schwaben aussterben. Vom Deutschen, einer literarisch nicht weiter ins Gewicht fallenden dialektalen Unterart des Schwäbischen, ganz zu schweigen.
Und die paar übriggebliebenen, sich dunkel wütend an ihren Hochkultur-Dialekt erinnernden Ur-Einwohner werden in sauberstem Arbeitsenglisch replizieren: "Ha now!" Die ganz Wütenden mit: "This dackel!" oder schärfer noch "This half-dackel!", am schärfsten mit: "This grass-dackel!"
Man erinnere sich an die Imidsch-Kampagne, die Oettingers Vorgänger, der große Erwin Teufel, auf den Weg brachte. Da prangte von allen Plakaten der Stolz aufs genial Eingemachte: "Wir können alles außer Hochdeutsch." Little Prime Minister Oettinger dagegen wird nun umplakatieren lassen müssen, damit ihn die globale Arbeitswelt auch versteht: "We understand all except High German."
Oder wie Oettingers weiland sauerländischer, immerhin zum Bundespräsidenten aufgestiegener kommunikativer Schaffensgeistesbruder Heinrich Lübke gesagt haben würde: "He have not all his teatasses in the
cupboard."
Was soll ich dazu sagen ? "The writer has so right !"
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