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schwabissimo - Die schwäbischen Momente im Netz - Schwaben, schwäbischer Dialekt, Humor und Geschichte(n)

 

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Die Geschichte von Württemberg bis 1500

Der älteste Menschenfund Europas stammt aus Württemberg. Ein Unterkieferknochen, 1907 in der Nähe von Heidelberg gefunden, datiert diesen frühen Landsmann in die Zeit um das Jahr 500.000 v.Chr
In der Jungsteinzeit, etwa ab dem zweiten/dritten vorchristlichen Jahrtausend, werden in rascher Folge eine Vielzahl verschiedener Kulturen im Land ansässig: Schnurkeramiker, Urnenfelderkultur, Glockenbecherkultur, Hallstattkultur, etc. 

Griechische Schriftsteller bezeichnen die im fünften Jahrhundert v.Chr. in Südwestdeutschland lebende Bevölkerung als Kelten. Verschiedene germanische Stämme ziehen ins Land. So die Kimbern, Teutonen und Sueben (daher: Schwaben). Für die zur Zeit von Jesus Christus und Kaiser Augustus im Land lebende Bevölkerung taucht schließlich der Name Alamannen (Alemannen) auf. Erstmals verbürgt ist der Begriff aber für den Feldzug des römischen Kaisers Caracalla gegen eben diesen Germanenstamm im Jahre 213. 

Noch heute wird weltweit (vor allem in der spanisch und portugiesisch sprechenden Welt) der Begriff Alemania mit Deutschland gleichgesetzt oder assoziiert. Man wagt es kaum zu sagen, aber Schweizer, Badener und Schwaben, die heutzutage ihre Animositäten pflegen, stammen von ein und demselben Volk ab, den Alemannen. (Auf diesen Passus bekomme ich immer vergnügliche eMails aus Baden, vielen Dank!)

Ursprünglich waren der Rhein und die Donau die Grenzen des Römischen Reiches. Deshalb lagen die großen Legionslager fast alle außerhalb des jetzigen Baden-Württemberg: Straßburg (Argentorate), Windisch (Vindonissa),  Augsburg (Augusta Vindelicorum) und Regensburg (Castra Regina). Im Interesse einer besseren Verbindung zwischen dem Rhein- und Donaugebiet rückten die Römer im 1. und 2. Jahrhundert weiter vor und errichteten neue Befestigungen. 

Um das Jahr 50 n.Chr. wurden Kastelle entlang der Donau (Donaulimes) gebaut. Um das Jahr 80 entstand eine weitere Befestigungslinie am Nordrand der Schwäbischen Alb von Ebingen über Heidenheim bis Oberdorf am Ipf (Alblimes). Etwa gleichzeitig wurden entlang dem Neckar und bis in den Odenwald hinein ebenfalls Kastelle errichtet (Neckar-Odenwald-Limes). 

Ab 150 n.Chr. wurde die Neckar-Odenwald-Grenze 20-30 km nach Osten vorgeschoben. Von Miltenberg am Main bis Lorch und dann, nach Nordosten abbiegend, bis an die Donau bei Regensburg erstreckte sich die Grenzbefestigung, die als "der Limes" bekannt ist. 180 von 500 Kilometern liegen in Baden-Württemberg. 
Bei Lorch (hier finden Sie heute den Nachbau eines römischen Wachturmes) lag die Grenze zwischen der Provinz Obergermanien und der Provinz Rätien. Der obergermanische Limes bestand aus einem Palisadenzaun mit vielen Wachttürmen, der rätische Limes wurde anfangs des 3. Jahrhunderts durch eine Steinmauer verstärkt. 

Jeweils hinter den Grenzbefestigungen konnten sich Zivilsiedlungen entwickeln, die auch von Einheimischen bewohnt wurden, von Kelten und Germanen, die in römischen Diensten standen. Es waren Städte wie Ladenburg. Baden-Baden (Aquae = Wässer), Rottweil (Arae Flaviae = Flavische Altäre) und Rottenburg (Sumelocenna).

Unter den Kaisern Augustus, Claudius, Vespasian und Domitian dringen die Römer immer wieder tief in germanisch-alemannisches Siedlungsgebiet vor und hinterlassen ihre Spuren. Als die Alemannen im Jahr 259/260 n.Chr. den Limes überrennen und bis nach Oberitalien vordringen geht die Zeit römischer Herrschaft zwischen Rhein, Neckar und Bodensee ihrem Ende entgegen.

Zurückgebliebene Siedler römischer Herkunft, die die Kriegsereignisse überlebten, gelangten in die Abhängigkeit der Eroberer. In der Mitte des 5. Jahrhunderts legten die Alamannen mehr und mehr in der Nähe ihrer Siedlungen Friedhöfe an. Sie benutzten sie über mehrere Generationen; daraus lässt sich die Beständigkeit ihrer Siedlungen ablesen. Da sie die Toten in Reihen bestatteten, heißen die Anlagen auch Reihengräberfriedhöfe

Das Siedlungsgebiet der Alamannen reichte um 450 n.Chr. vom Oberrhein bis zur Iller im Osten und vom Hochrhein bis zum Main im Norden. Im Norden kamen sie mit den Franken, einem weiteren germanischen Stammesverband, in Berührung. Die Franken hatten am Mittel- und Niederrhein die Oberherrschaft erlangt und auch im Westen das Erbe römischer Macht angetreten. 
In einer wichtigen Schlacht 496/497 n.Chr. bei Zülpich, unweit von Bonn, wurden alamannische Truppen von fränkischen unter König Chlodwig besiegt. Fränkische Familien wanderten danach ins bislang alamannische Siedlungsgebiet ein. Mit Ausnahme einiger Beutezüge überschritten Alamannen den Hochrhein erst um 530 n. Chr. In der Folge erwies sich die heutige Nordschweiz als jenes Siedlungsgebiet für die Alamannen, in dem sie sich ungehindert ausbreiten konnten. 

Die Siedlungstätigkeit der Alamannen in Südwestdeutschland kann auch anhand von Ortsnamen abgelesen werden:

Zwei oder drei Gehöfte standen anfänglich beieinander. Ihrer Siedlung gaben sie gern den Namen eines wichtigen Sippenmitglieds. Sie sagten dann: "Wir wohnen bei den Leuten des...", wobei sie den Namen einsetzten. Daraus entstanden die sogenannten "-ingen-Orte". Älteste alamannische Siedlungen mit der Endung "-ingen" finden sich vor allem im Markgräferland, im Breisgau, im Hegau, auf den Gäuplätzen von Klettgau im Süden bis zum Südrand des Kraichgau, im Norden um Pforzheim, im Albvorland von der Baar bis zum Ries, zum Teil auf der Alb selbst, ferner entlang der Donau, der Iller und dem Lech. Neben den Ortsnamen mit der Endung "-ingen" hängten Alamannen wie die Franken auch die Nachsilbe "-heim" an einen Personennamen. 

Das Herzogtum Schwaben ist weithin mit dem Siedlungsgebiet der Alamannen gleichzusetzen. Zu dem im 3. Jahrhundert neugebildeten Stamm der Alamannen gehörten auch die Sueben. Von ihnen kann also der Name "Schwaben" abgeleitet werden. An die Stelle der Gebietsbezeichnung "Alamannien" trat vom 9. Jahrhundert an der Name "Schwaben".

Württemberg entstand als politische Größe aus den Besitzungen der (1081 erstmals genannten) Herren (seit 1135 Grafen) von Wirdeberch im mittleren Neckar- und Remstal.

Drei Familien unter dem Hochadel des Südwestens erlangten eine besondere Bedeutung: 

Am erfolgreichsten erscheinen aus damaliger Sicht die Staufer, die als Herzöge von Schwaben seit 1079 und als deutsche Könige und Kaiser von 1138 bis 1268 in Schwaben den größten Einfluss erreichten. Ihr Untergang im 13. Jahrhundert war ein tiefer Einschnitt in der deutschen Geschichte. aber auch in der Geschichte des Herzogtums Schwaben. 

Sie stammen im übrigen nicht von der Burg Hohenstaufen. Erst um 1070 kamen sie in diese Gegend als Grafen aus dem Riesgau, vielleicht sogar aus Österreich. Alten Familienbesitz hatten sie außerdem im Elsass. Trotzdem wurde das obere Remstal für sie ein Mittelpunkt, weil sie dort das Kloster Lorch als Familiengrablege gründeten. Ihre Besitzungen zogen sich neckarabwärts (Wimpfen) bis zum Rhein hin. 

Die Welfen stammten ursprünglich aus der Gegend von Metz. Sie hatten im Kloster Weingarten bei Ravensburg ihre Grablege. Die Verlegung des Benediktinerklosters von Altomünster nach Weingarten zeigt, dass die Welfen in mehreren Landschaften ansässig waren. Die Welfen mussten in Oberschwaben 1191 den Staufern weichen, doch lag ihr Schwerpunkt mehr in Bayern und fortdauernd in Norddeutschland. Im Kampf um die Königskrone waren sie gegenüber den Staufern nur kurze Zeit erfolgreich (Kaiser Otto IV., 1208-1218). Die Welfen gehören zu den Ahnen des heutigen englischen Königshauses. 

Auch die Zähringer waren mächtige Konkurrenten der Staufer im Kampf um das Herzogtum Schwaben. Ihr Anspruch gründete sich auf großen Besitz und auf die Verwandtschaft mit früheren Herzögen.

Nach ihrem Aussterben 1218 fiel ihr Besitz um Offenburg an die Staufer, der größte Teil jedoch vererbte sich über die Töchter des letzten Zähringers weiter. Den Besitz links des Rheins erhielten die Grafen von Kyburg, den rechts des Rheins die Grafen von Freiburg und die Grafen von Fürstenberg, die als Fürsten von Fürstenberg heute in Donaueschingen leben. Abgezweigt von den Zähringern hatten sich die Markgrafen von Baden. 

Eine weitere Seitenlinie der Zähringer waren die Herzöge von Teck, die 1381 ihren Besitz an die Grafen von Württemberg verkauften. Der Titel Herzog von Teck war dann 1495 die Grundlage für die Erhebung der Grafschaft Württemberg zum Herzogtum. Über eine württembergische Nebenlinie gelangte der Titel Herzog von Teck später in das englische Königshaus. 

Die drei herausragenden Adelsfamilien standen in heftigem Wettstreit untereinander, obwohl sie durch Verwandtschaft miteinander verknüpft waren. Die Mutter des Stauferkönigs Friedrich Barbarossa war die Welfin Judith. Sowohl die Staufer wie auch die Zähringer leiteten ihre Herrschaftsansprüche aus Verbindungen mit der Familie der deutschen Könige aus dem Haus der Salier ab.

1092 ist zum ersten mal ein Konrad von Wirtemberg urkundlich erwähnt. Er nennt sich nach seiner Burg auf dem Rotenberg bei Cannstatt. Hier stand die Stammburg der Wirtemberger wohl seit 1080. Die neue Burg Wirtemberg (Burgkapelle 1083 erwähnt) wurde Mittelpunkt einer Herrschaft, die sich vom Neckar- und Remstal aus im Laufe der Jahrhunderte nach allen Richtungen ausbreitete.

Bald beerben sie die Herren von Beutelsbach und führen um 1136 den Grafentitel. Großen Besitz und große Bedeutung hatte der Graf von Wirtemberg zunächst nicht. Eine Urkunde von 1297 gibt einen Hinweis auf die Verflechtung zwischen den Württembergern und den Badenern:

Graf Eberhard von Wirtemberg (1279-1325) und seine Gemahlin Irmengard, Tochter des Markgrafen Rudolf von Baden, erklären, dass durch die Abtretung der Burg Reichenberg ihre Ansprüche an das Haus Baden befriedigt sind. Die Burg Reichenberg liegt 6 km nordöstlich von Backnang, und die Stadt Backnang war ein Teil der Herrschaft Reichenberg. Der Inhalt der Urkunde besagt, dass Graf Eberhard von Wirtemberg die Herrschaft Reichenberg als Heiratsgut seiner Gemahlin aus dem Hause Baden erworben hatte. 

Noch interessanter ist es, dass unter den neckarschwäbischen Besitzungen der Markgrafen auch Stuttgart zu finden ist und dass Stuttgart als Stadt um 1220 von Markgraf Hermann V. gegründet wurde. 

Während die Württemberger aus dem Niedergang der Staufer nach 1246 Gewinn zogen, erhielten die Markgrafen schon 1219 von den Staufern durch Tausch (mit Erbschaften in Norddeutschland) einige wichtige Städte: Durlach, Eppingen, Ettlingen und Pforzheim; nicht auf Dauer Lauffen (1219-1346) und Sinsheim (1219-1345). Schon länger gehörte ihnen Besigheim (1153-1595).

Auf dem gleichen Weg wie Backnang verloren die Markgrafen auch Stuttgart. Denn Graf Ulrich der Stifter heiratete um 1245 Mathilde, die Tochter des Markgrafen von Baden. Sie brachte als Heiratsgut die noch nicht lange zuvor gegründete Stadt Stuttgart in die Ehe. 

Stuttgart war nicht sofort die Hauptstadt der Grafschaft Württemberg. Waiblingen war mindestens ebenso wichtig. Erst die Verlegung des Erbbegräbnisses von Beutelsbach nach Stuttgart (1321, oder schon nach 1309) deutet die Entscheidung für Stuttgart als Hauptstadt an, beweist aber zugleich, dass Stuttgart nicht der ursprüngliche Mittelpunkt des Besitzes der Württemberger war.

Der Aufstieg der Wirtemberger erfolgte durch zielstrebige Territorialpolitik. Sie vergrößerten ihr Territorium durch Erbe, Heirat, Kauf, Eroberungen und Schaukelpolitik:

Graf Ulrich I. von Wirtemberg (reg. 1241 - 1265) gilt als Begründer der Macht der Wirtemberger. Er macht sich zum Vorreiter der Staufischen Opposition, verrät 1246 die Staufer, und nützt später, nach dem Ende der Staufer, die königslose Zeit zur Vergrößerung seines Gebiets. Er befestigt die Stadt Stuttgart. Er gründet ab 1249 die Städte Leonberg, Waiblingen, Schorndorf. Er erwirbt von den Grafen von Urach die Herrschaft über Urach, Münsingen, Nürtingen, Pfullingen. 

Graf Eberhard I. ("der Erlauchte" reg. 1265 - 1325) kämpft vor allem mit den Habsburgern um das Reichsgut in Schwaben, verliert mehrmals und muss - nach der Zerstörung seiner Stammburg - sein Land unter Esslingens Verwaltung stellen. Nach 1313 gewinnt Eberhard seine Grafschaft wieder und erwirbt neue Gebiete dazu: Backnang, Neuffen und Hohenneuffen, den Hohenasperg, Göppingen und den Hohenstaufen. 1321, nach der Zerstörung des Stifts Beutelsbach, verlegt er die wirtembergische Grablege von Beutelsbach nach Stuttgart und macht Stuttgart zum Regierungssitz. Er beginnt mit dem Bau des Alten Schlosses in Stuttgart und dem Chor der Stiftskirche. 

Ulrich III. (reg. 1325 - 1344) gewinnt u.a. Wimpfen, die Herrschaft der Teck, Vaihingen/Enz, Reichenweiher (Riquewihr) im Elsaß. 1324 erwirbt er von den Pfalzgrafen von Tübingen die Stadt und Herrschaft Tübingen für Wirtemberg. 1336 gelingt es Ulrich III., die Stadt Markgröningen zu kaufen und damit auch das Lehen der Reichssturmfahne. 

Graf Eberhard II. ("der Greiner" reg. 1344 - 1392) erwirbt in seiner Regierungszeit weitere Gebiete, u.a. Böblingen, Sindelfingen, Herrenberg, Lorch. 1376 wird der Schwäbische Städtebund gegründet. 1388 wehrt er die Bedrohung durch die Reichsstädte ab und schlägt im Sieg bei Döffingen die Reichsstädte. Dabei fällt allerdings sein Sohn Ulrich. 1389 wird ein allgemeiner Landfriede geschlossen und damit das Ende des Städtekrieges besiegelt.

1392 - 1417 regiert Graf Eberhard III. ("der Milde") in Wirtemberg. 1397 verlobt sich sein Sohne mit Henriette von Mömpelgard. 1395 siegt er über den Ritterbund der Schlegler bei Heimsheim und ist 1400 nach der Absetzung von König Wetzel ein Kandidat für den deutschen Thron.

1409 heiratet Eberhard IV. die Gräfin Henriette von Mömpelgard. Dadurch kommt die Grafschaft Mömpelgard (Montbéliard in Burgund in Frankreich) zu Wirtemberg. Mömpelgard bleibt ein wichtiger Teil Württembergs bis 1793. Das zeigt sich auch im Herzogwappen ab 1495. Dort finden sich neben den Hirschstangen Wirtembergs, den Rauten der Teck, der Reichssturmfahne auch die Fische von Mömpelgard. 

 
 

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