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Was ist eigentlich 'Schwäbisch'
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Erkannt man eigentlich echtes Schwäbisch?
Wo liegt ein Debbich?
Als ich vor Jahren auf Urlaubsreisen
in einem norddeutschen Hotel wohnte, war das Zimmer sehr kalt und ich rief an der Rezeption an und fragte,
"ob ich noch einen Deppich bekommen könne?."
Betretenes Schweigen am anderen Ende der Leitung, dann "Ich glaube, ich komme besser bei Ihnen vorbei und schaue, was Sie möchten." - Gleich drauf klopfte es an der Türe und eine misstrauische Wirtin beäugte den
Teppichboden und überlegte ganz offensichtlich, was ich damit angestellt hätte.
Dabei ist für einen Schwaben ein Teppich (an Debbich) halt die Bezeichnung für eine Decke.
An Deppich legt mr also höchstens bei einem Picknick auf die Erde, also
"aufan Boda".
Bei einer Veranstaltung erfuhr ich noch so eine Geschichte:
Schwaben mit Kindern bei Freunden in Norddeutschland - damit die Eltern auch mal einen Tag in Ruhe etwas für sich unternehmen können, waren die Freunde gerne bereit auf die Kinder
aufzupassen, für alle Fälle wurden noch die Handynummern ausgetauscht.
Schon nach kurzer Zeit kam der Notruf: "Du, Dein Kind möchte etwas
machen, aber wir verstehen nicht genau was! Es will zum Spielplatz
oder in eine Turnhalle oder so was..."
"Ja was sagte denn mein Kind?" -"Es will eine
Rolle machen." - Lautes Gelächter!
Denn "ein Rolle machen" sagen kleine Schwabenkinder - wenn sie
mal Pipi müssen ....
Egal, ob Sie das Schwäbische für den Dialekt eines etwas
beschränkten Volksstammes im deutschen Südwesten halten oder für
die Sprache der wichtigsten Investoren unser Zeit, es lohnt sich,
diese Mundart näher unter die Lupe zu nehmen!
Ich habe im folgenden die schwäbischen
Besonderheiten an Worten und Grammatik aufgelistet, ganz sicher noch
nicht vollständig, aber ich hoffe, wenigstens in einer
populärwissenschaftlichen (also verständlichen) Form.
Zum
einstimmen einfach mal ein paar schwäbische Zeilen:
I han
amôl oin kennd khedd,
der
hôdd oine kennd.
Dui
hôdd a Kend khedd,
dees
hôdd se abbr edd vo sällam khedd.
Där hot
nemmlich nemme kennd khedd,
se hôdd
abbr nô an andara kennd khedd.
Där
hôdd nô kennd khedd.
Ond
wenns se deen nedd khennd hedd,
nô hedd
se koi Kend khedd.
Übersetzung:
Ich
kannte einmal einen, der kannte eine.
Die hatte ein Kind,
das hatte sie aber nicht von jenem.
Der konnte nämlich nicht mehr.
Sie kannte aber noch einen Anderen,
der konnte noch!
Und wenn Sie den nicht gekannt hätte,
dann hätte Sie auch kein Kind bekommen.
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Wie der unbedarfte Nichtschwabe sofort
erkennt, hat das Schwäbische so seine Tücken. Ungewohnte
Nasallaute, falsche Betonungen, merkwürdige Verwendung von
Konsonanten, Verkürzungen, unverständliche Worte.
Aber keine Sorge, im Folgenden möchte
ich einige Regeln aufzeigen und Ihnen einen kleinen Leitfaden des
schwäbischen Dialekts an die Hand geben.
Aber woran erkennt man eigentlich echtes Schwäbisch?
Sie alle kennen das Lied von der
schwäbischen Eisenbahn, mit der Zeile:
Auf de schwäbische
Eisebahna wollt amol a Bäuerle fahra.
Das ist nicht Schwäbisch !
Es gibt kein Imperfekt hierzulande,
richtig wäre:
Auf de schwäbische Eisebahna hodd amol a Bäuerle fahra wella.
Und weil es gar so falsch war, gleich ein
zweites, wohlbekanntes Beispiel deutschen Liedgutes:
Muss i denn zum Städtele hinaus.
Auch
das ist nicht Schwäbisch !
Denn erstens sagt der Schwabe muass und
zweitens ist das Städtele ein Städtle, ond sonschd nex ! Wir
erkennen, wo Schwäbisch draufsteht, muss nicht Schwäbisch drin
sein.
Schwäbisch entsteht auch nicht, indem
man einfach an jedes hochdeutsche Wort ein -le anhängt. Fritz
Rahn gibt dazu in seinem Buch 'Der schwäbische Mensch und seine
Mundart' folgendes Beispiel:
"Der Schurke setzte sich nah zu mir
hin und sog ab und zu bescheiden an seiner Pfeife, dann stieß er
mich heimlich an und sagte mir etwas in Ohr."
Diesen Satz würde ein Schwabe so sagen:
"Dear Siach isch bhäb zua mr naghoggd ond hot iebott
ganz degamäßig an seim Kloba zoga; noa hot'r me hehlenga gstupft
ond mr ebbes ens Aohr gsait."
Wir
erkennen, Schwäbisch scheint eine eigene Sprache zu sein !
Wenn Sie auf der Strasse jemanden sagen
hören, dr Lährer gehd, dann ist er mit großer
Wahrscheinlichkeit evangelisch, sagt er stattdessen dr Lehrer
gähd, dann ist er ziemlich sicher katholisch. Sagt er dr
Vaddr oder Seele dann ist er katholisch, sagt er 'dr
Vaadr' oder Sähle ist wohl evangelisch.
Wir
erkennen, Schwäbisch scheint gar kein einheitlicher Dialekt und
sogar konfessionsabhängig zu sein !
Schwäbischexperten können die Herkunft einer Person von der schwäbischen
Alb dank ihres Dialekts überraschend zuverlässig genau einem Ort (schwäbisch
Flegga) zuordnen. Dabei spielt u.a. die Aussprache von
"nicht" als "nedd", "nedda", "edd",
"edda", "nitt", "idd", "idda", "itt"
oder "itta" eine Rolle. Leider verschwinden diese Feinheiten der
Sprachkultur in den jüngeren Generationen immer mehr, das gilt auch für
meine Familie.
Wir
erkennen, Schwäbisch scheint sogar von einer regionalen
Zugehörigkeit abhängig zu sein !
Also müssen wir wohl tiefer in die schwäbische
Sprache einsteigen:
Ein schwäbischer Geschäftsmann, der in einer norddeutschen Großstadt zu tun hatte, wurde darauf angesprochen, ob er ein Schwabe sei. Nicht wenig überrascht, entgegnet er:
'Ha freile, do hend Se’s guad troffa! Aber saget Se bloß, an was hend Se jeddz
dees gmergd?'
Hinweis in eigene Sache:
Die Schreibweise aller
schwäbischen Begriffe erfolgt rein gefühlsmäßig in der mir
eigenen Mischung aus rauer Ostalb (da in Schwäbisch Gmünd
aufgewachsen) und Honoratiorenschwäbisch (da in Stuttgart
lebend). Weil Schwäbisch aber in vielen Varianten gesprochen
wird, bitte ich alle um Nachsicht, die das eine oder andere Wort
anders aussprechen oder anders verwenden oder anders kennen.
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