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schwabissimo - Die schwäbischen Momente im Netz - Schwaben, schwäbischer Dialekt, Humor und Geschichte(n)

 

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Der Bundestag verabschiedete im April 1951 das 'Zweite Neugliederungsgesetz': Der Südweststaat sollte danach dann gebildet werden, wenn in drei von den vier Abstimmungsbezirken eine Mehrheit für den Zusammenschluss der Länder stimmte. 
Leo Wohleb protestierte heftig
und versuchte zunächst über den Bundesrat und dann über das eben erst konstituierte Bundesverfassungsgericht eine Aufhebung des Neugliederungsgesetzes zu erreichen. Er gewann Zeit, scheiterte jedoch letztendlich. Am 23. Oktober 1951 bestätigte das Gericht das Zweite Neugliederungsgesetz in allen wesentlichen Teilen. 

In Südwürttemberg wollte man den Südweststaat, weil man darin die Wiedervereinigung mit Nordwürttemberg sah sowie den Zusammenschluss mit den benachbarten hohenzollerischen und badischen Gebieten, mit denen man sich verbunden fühlte. 
Die Nordwürttemberger wollten die Vereinigung mit dem südlichen Landesteil und waren geneigt, die Verbindung mit Baden aufrechtzuerhalten. Sie begehrten den Südweststaat jedoch nicht als dringendes inneres Anliegen. 
In Baden sah es anders aus: Die badische Bevölkerung lehnte zur guten Hälfte den Südweststaat leidenschaftlich ab. Es gab aber auch eine ganze Reihe von Gebieten, die den Anschluss an ihre Nachbarn suchten. Zwischen den Altbadenern und den Südweststaatanhängern entbrannte ein Kampf um jede einzelne Stimme. 

Die wichtigsten Argumente für den Südweststaat waren: 

Die moderne Wirtschaft brauche große Räume, mit einer Vereinigung des Südwestraums könne die Wirtschaftskraft wesentlich gestärkt werden; 
Der Südweststaat würde eine wesentliche Verwaltungsvereinfachung bedeuten, weil dann nicht mehr wie bisher drei Landtage, drei Regierungen und ein dreifacher Verwaltungsapparat nötig seien. 
Reinhold Maier brachte noch ein weiteres Argument in die Diskussion: den mangelnden Einfluss dreier kleiner Länder auf Bundesebene. In einer Wahlkampfrede sagte er: »Im Verband der deutschen Bundesrepublik haben wir so, wie die Dinge heute geregelt sind, also mit den drei Ländern, nichts zu sagen. Auch mit den wiederhergestellten zwei alten Ländern Württemberg und Baden hätten wir kaum etwas zu sagen (...). Nordrhein-Westfalen und Bayern haben die Bundesrepublik in der Hand. Alle übrigen Länder teilen sich die Brocken, welche von dieser beiden Herren Tische fallen.

Auch die Frage, wie das neue südwestdeutsche Bundesland denn nun heißen solle, beschäftigte die Bevölkerung mehrere Monate. Zahlreiche Vorschläge wurden gemacht, Zeitungen veranstalteten Umfragen, honorige Professoren wurden zu Rate gezogen und Bürger schrieben Leserbriefe.

Neben vielen humorvollen und skurrilen Vorschlägen (Albwalden, Ale-Schwaben,Bawüholand, Christlicher `Volksstaat, Deutsch-Südwest, Freiland, Humanien, Humanitas, Nordbodensee- Land, Rhedonien, Schwabbaden, Stauffenberg, Vierland, Wühoba, Vorderösterreich, Zähriunger-Staufer-Land usw.) wurden die historisch begründeten Namensformen »Baden-Württemberg«, »Schwaben«, »Staufen « »Rheinschwaben« und »Alemannien« am höchsten gehandelt. 

Doch gegen jeden dieser Namen gab es Gegenargumente: Staufen war vielen allzu romantisch, Alemannien gefiel schon besser, doch dazu zählten weder Karlsruhe noch Schwetzingen, weder Mannheim noch Heidelberg, nicht Heilbronn und nicht Crailsheim. Rheinschwaben wurde vor allem von den Schwaben in Baden abgelehnt, und Schwaben wiederum widerstrebte den Franken und Pfälzern heftig. 

Der Name, den die Verfassunggebende Landesversammlung provisorisch und dann unmittelbar vor der Verabschiedung der Verfassung am 11. November 1953 endgültig angenommen hatte, stieß auf Protest. Baden-Württemberg, das empfanden viele als fantasielos und der geschichtlichen Bedeutung des Ereignisses nicht gerecht. 

Andere argumentierten, damit würde verewigt, was eigentlich überwunden werden sollte: die Dissonanzen und Differenzen, die bei der Bildung des Landes aufgetreten waren. Andere Namensgegner sahen den Doppelnamen gar als schlechtes Omen: Österreich-Ungarn sei schließlich auch auseinandergefallen, Schleswig-Holstein erinnere mit seinem Namen die Dänen dauernd an ihre historischen Ansprüche auf Schleswig, bei Rheinland-Pfalz erhebe Bayern immer wieder Ansprüche auf die Pfalz.

Am 25. April 1952 wurde das Land Baden-Württemberg aus der Taufe gehoben. Eines jedoch konnten ihm seine Paten nicht mit auf den Weg geben: einen Namen. Noch 1953 wurde heftig darüber gestritten, wie das neue Kind heißen soll. Erst am 11. November 1953, als die "Verfassung des Landes Baden-Württemberg" in Kraft trat, konnte das Land schließlich seinen Namenstag feiern. Damit hatte der Südweststaat endlich seine offizielle Bezeichnung gefunden: Baden-Württemberg.

Bis es aber so weit war, bot die Namensfrage wochenlang Gesprächsstoff für Parlament und Öffentlichkeit. Zeitungen veranstalteten Umfragen, Hochschullehrer wurden um ihr Votum gebeten, Bürger machten in Leserbriefen Namensvorschläge, die Landesregierung veranstaltete einen Bürgerwettbewerb. Vorgeschlagen wurden beispielsweise "Alemannien", "Musterland" oder "Oberrheinische Republik". "Das war eine hartnäckige Auseinandersetzung, es gab sehr viele Namensvorschläge", erinnert sich die 92-jährige Emmy Diemer-Nicolaus. Die ehemalige FDP-Politikerin ist die einzige noch lebende Zeitzeugin unter den insgesamt 121 Abgeordneten, die den Zusammenschluss der drei Landesteile besiegelten.

Ungeachtet des Namenstreits nahm die erste Landesregierung unter Führung von Ministerpräsident Reinhold Maier (FDP) im Frühjahr 1952 ihre Arbeit auf. In den Ernennungsurkunden der Minister hieß es schlicht: "Südwestdeutsches Bundesland". Offiziell wurde vom "Südweststaat" gesprochen. Die Verfassunggebende Versammlung einigte sich dann - allerdings nur vorläufig - auf den Namen "Baden-Württemberg".

Bei einer Umfrage, die das Allensbacher Institut für Demoskopie im Juni 1953 erstellte, sprachen sich 32 Prozent der 1500 Befragten für Baden-Württemberg aus. Die umgekehrte Reihenfolge, "Württemberg-Baden", favorisierten nur 19 Prozent, für den Namen "Schwaben" stimmten 15 Prozent. 22 Prozent der Befragten machte keine Aussage. Erst unmittelbar vor der Verabschiedung der künftigen Landesverfassung am 11. November 1953 stimmte die Verfassunggebende Versammlung dann endgültig für den Namen "Baden-Württemberg".

Der Zusammenschluss des einstigen Großherzogtums Baden und des Königreichs Württemberg wurde damit auch sprachlich vollzogen: Bei der Reihenfolge der Namensteile Baden und Württemberg erhielten die Badener den Vortritt - vielleicht, um diejenigen versöhnlich zu stimmen, die sich mit der Länderfusion so schwer getan hatten. Vielleicht aber auch nur deshalb, weil Baden im Alphabet vor Württemberg kommt, wie seinerzeit ein Abgeordneter argumentierte.

Nach einem heftigen Abstimmungskampf, in dem es nicht an kräftigen Worten fehlte, fiel dann endlich am 9. Dezember 1951 die Entscheidung. Nach Festlegung des Abstimmungsmodus konnten die Südweststaat- Freunde praktisch nur noch gewinnen: In den drei Abstimmungsbezirken Nord- und Südwürttemberg sowie Nordbaden stimmte dann auch die Mehrheit für den Südweststaat
Nur in Südbaden votierte die Mehrheit für die alten Länder. Eine Auszählung nach den alten Ländern, entsprechend dem Antrag Wohlebs, hätte in Nord- und Südbaden zusammen eine Mehrheit für das alte Baden ergeben. Von Bedeutung war sicherlich auch, dass die Heimatvertriebenen meist für die größere Lösung stimmten.

Franz Gurk, damaliger Vorsitzender der CDU-Fraktion, kündigte in einer mehrfach von Zwischenrufen unterbrochenen Rede dem neuen Ministerpräsidenten und der von diesem 'man dürfe wohl sagen widerrechtlich' gebildeten Regierung schärfste Opposition an. 

Reinhold Maiers 'Taschenspielertrick' war jedoch nur von kurzer Dauer. 1953, nach der Bundestagswahl, räumte er seinen Sessel in der Villa Reitzenstein für seinen CDU-Kontrahenten. Gebhard Müller bildete eine Allparteienkoalition zur Schöpfung der Verfassung und zum Aufbau des Landes.

Am 11. November 1953 verabschiedete die Landesversammlung die Verfassung des Bundeslandes Baden-Württemberg.

 
 

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