Kaum eine andere deutsche Stadt wird so von ihrer topographischen Lage bestimmt, wie Stuttgart, die Großstadt im Loch. Geschichte, Städtebau, Verkehr, alles wird vom Tal des Nesenbachs dominiert, in dem Stuttgart liegt. 

Der annähernd kreisrunde, zum Neckar hin geöffnete Talkessel, dessen Form nur im Westen durch die Karlshöhe unterbrochen wird, bildet eine Art natürliche Stadtmauer. Dadurch hat Stuttgart seine zentrale Urbanität in größerem Ausmaß erhalten können als andere Großstädte, die sich ungehindert ins Umland ausgebreitet und dadurch Form und Begrenzung verloren haben. 

Wie Venedig durch seine Insellage, definiert sich Stuttgart durch seine Kessellage.  Der tiefste Punkt liegt 200 Meter über dem Meeresspiegel, der höchste 600 Meter.

Stuttgart bietet viele faszinierender Aussichtspunkte von den Hängen des Talkessels über die Stadt. Manche sind offiziell eingerichtet, mit Schildern, auf denen das Panorama erklärt wird, und Fernrohren, deren Benutzung selbstverständlich Geld kostet. Die meisten findet man jedoch völlig unvermittelt: Hinter einer Straßenbiegung oder beim Blick aus einem Fenster liegt plötzlich das Häusermeer ausgebreitet.

Für viel Geld wurde bei der Stadtbahnstrecke hoch nach Degerloch extra ein Guckloch von 100 Metern eingebaut, damit sich der Fahrgast am Blick über die Stadt ergötzen kann, ich lasse mich dort jedes Mal faszinieren.

Es ist unmöglich, bei einem Besuch die ganze Vielfalt der Aussichtspunkte zu erleben. Denn der Kesselrand erhebt sich zwischen 160 und 270 Meter über den Schlossplatz und alle zehn Höhenmeter öffnet sich eine neue Perspektive. Dazu kommen die verschiedenen Jahres- und Tageszeiten und unterschiedliche Witterungsverhältnisse. 

Zudem bietet nicht nur der Talkessel überwältigende Panoramen, sondern auch das Neckartal und, last but not least, der (frisch renovierte) Fernsehturm als Aussichtspunkt mit seiner Plattform rund 400 Meter über dem Kesselgrund. 

Ich mit meiner Höheangst habe jedesmal 'granadamässig Schiss, dass er omfälld', war aber doch schon zehn mal oben.

Der Spitzname der Stuttgarter im schwäbischen Volksmund lautet Schdäffelsruddschr (=Treppenrutscher). Er weist auf die unvermeidliche städtebauliche Folge der Kessellage hin: Treppen, im schwäbischen Diminutiv "Stäffele", im offiziellen Hoch-Schwäbisch als "Staffeln" bezeichnet. Mindestens 300 öffentlich zugängliche Treppenanlagen gibt es in Stuttgart - U-Bahn-Haltestellen und Unterführungen nicht mitgerechnet. 

Die meisten Staffeln in der Innenstadt haben ganz offizielle Namen, die auch im Stadtplan eingetragen sind. So wurde der bekannte schwäbische Schauspieler Willy Reichert durch seine Heimatstadt geehrt, indem ein Teil der Römerstaffel zur Karlshöhe hinauf nach ihm benannt wurde. Prachtvolle und aufwendige Treppenanlagen sind aber selten, die Staffeln diesen einfach der besseren  Erreichbarkeit.

Die meisten Staffeln sind einfache und praktische Abkürzungen zwischen zwei Straßen am Hang, die ansonsten nur durch lange Serpentinen verbunden wären. Ob sie nun aus Marmor oder aus Waschbeton sind, die Staffeln sorgen immer für malerische Winkel in der Stadt und keuchende Lungen.

Zwei vierspurige Bundesstraßen und etliche S-Bahn-Linien drängen sich im Kessel-Zentrum auf engstem Raum und machen den Berufsverkehr zu einem fast unlösbaren Problem. Tunnel und verwegene Straßenbauten versuchen vergeblich Abhilfe zu schaffen. Als Ausgleich winden sich an den Hängen wundervolle Panoramastrecken ins Tal, deren Schönheit sich am besten vom Sattel eines Fahrrads erschließt. 

Stuttgart muss dieselben Pendler-Schübe wie überall ertragen: morgens aus dem Haus, abends zurück, 300.000 Berufstätige, 300.000 Autos, 100.000 Schüler, 100.000 Ausländer, 600.000 Einwohner. Das ganze knubbelt sich auf 200 km2, davon sind 50 qm2 Wohnflächen, 20 km2 Verkehrsflächen und die restlichen 120 qm2 sind Wälder, Parks, Gärten , Wiesen, Felder und Weinberge.

Allein ca. 450.000 Arbeitsplätze bietet Stuttgart selbst, 1,3 Mio. gar die ganze Region (einschließlich der Nachbarkreise). Ein Eldorado für Arbeitssuchende, was auch dazu geführt hat, das die Anzahl der ausländischen Mitbürger in Stuttgart mit 22% nicht zu übersehen ist. Sie sind es auch, die viel dazu beigetragen haben, aus der ehemals biederen und bäuerlichen Metropole (auch heute noch sind mehr als 25% des Stadtgebiets landwirtschaftliche Nutzfläche) eine Stadt zu entwickeln die auch kulturell mittlerweile vielseitig und weltoffen ist.

Der öffentliche Nahverkehr, bestehend aus S-Bahnlinien, Stadtbahnlinien sowie zahlreichen Busverbindungen, fällt zumindest im Stadtzentrum kaum ins Auge, da der Schienenverkehr im Stadtzentrum komplett unterirdisch verläuft.

Leider hat man es schon vor Jahren versäumt, einen Strassen- und Schienenring um Stuttgart zu ziehen: Wer zum Beispiel von Böblingen nach Leonberg mit der S-Bahn fahren will, muss zuerst in den Stuttgarter Talkessel einfahren, dort umsteigen, und dann wieder Richtung Leonberg aus dem Kessel. Dasselbe gilt für alle Städte am Rande von Stuttgart, wie Esslingen, Schorndorf, Ludwigsburg. 

Wer von München auf der Autobahn Richtung Heilbronn oder Frankfurt ankommt, wird zwangsweise im Süden der Stadt durchgepresst, weil bis heute keine Ostumfahrung in Sicht ist. In dieses ganze Schlamassel hat man dann noch im Laufe der Jahre die Daimler-Chrysler-Hauptverwaltung, die Musical-Hall, das riesige Industriegebiet Vaihingen eingepfercht und nun ist da auch noch die neue Messe auf den Fildern. Na, das kann ja heiter werden...

Zwei skurrile Nahverkehrsmittel, die moderne Zahnradbahn (die Zacke) und die historische Standseilbahn zum Waldfriedhof, überwinden den Kesselhang direkt auf steilen Schienenwegen. 

Stuttgart kann saumäßig schön sein. Auch wenn im Kessel das Auto regiert, der Kesselrand ist noch fast ringsum bewaldet. 
Die Stadt bietet eine überraschende Vielfalt von Möglichkeiten, (eigentlich unschwäbische) Romantik zu erleben: Im Stadtwald spazieren gehen, oder langsam eine halb zugewachsene Staffel hinaufsteigen, einfach nur die Aussicht genießen, einen Weinberg durchstreifen oder in einer der großen und kleinen Parkanlagen lustwandeln. Was hätte aus dieser Stadt werden können, wenn die pietistischen Schwaben nicht so lustfeindlich eingestellt gewesen wären ?!

Stuttgart ist kein Luftkurort. Der Talkessel verhindert oft eine genügende Luftzirkulation und im Sommer kann der Smog manchmal mit Athen und Los Angeles konkurrieren . Die Autoabgase sammeln sich im Kessel und führen zu erheblichen Problemen.

Immer wieder musste sich die Bürgerschaft jedoch dagegen wehren, dass die Frischluftzufuhr zugebaut wird, oft vergeblich. Wenigstens der Bau von Hochhäusern im Kessel konnte bisher weitgehend verhindert werden (Trump-Tower !).

Ein paar Zahlen über Stuttgart 

Stadt Stuttgart: ca. 600.000 
Region Stuttgart: ca. 3 Millionen 
Regierungsbezirk Stuttgart: ca. 4 Millionen 
Umkreis von 70km um Stuttgart: ca. 6 Millionen 
Umkreis von 200km um die Region Stuttgart: ca. 22 Millionen 

Mit einer Einwohnerdichte von 712 Einwohnern pro Quadratkilometer weist die Region Stuttgart einen deutlich höheren Wert auf als beispielsweise die Region München mit 438 oder die Region Frankfurt mit 552 EW/km². Im europäischen Vergleich haben nur die Regionen Zuid Holland mit Den Haag und Ile-de-France mit Paris eine höhere Bevölkerungsdichte. Die Region Stuttgart kommt in Europa also auf Platz 4 ! 

Von den Großstädten in Deutschland hat Stuttgart den größten Höhenunterschied innerhalb des Stadtgebietes in Deutschland. Tiefster Punkt: ca. 200 m ü.M., höchster Punkt: ca. 550 m ü. M. 

Ein wesentliches Merkmal des Stuttgarter Klimas ist seine Windarmut, die nicht allein auf die Lage der Stadt in einem Talkessel zurückzuführen ist. Die gesamte Region des Neckarbeckens ist generell für niedrige Windgeschwindigkeiten bei großer Häufigkeit von Windstillen bekannt. Dies ergibt sich durch die großräumige Luftdruckverteilung in Süddeutschland und die Abschattung durch den Schwarzwald, die Schwäbische Alb, den Schurwald und den Schwäbisch- Fränkischen Wald. Der Luftaustausch ist somit stark eingeschränkt.

Temperatur im Jahresdurchschnitt: 10,0 Grad Celsius
Niederschlag im Jahresmittel (l/m²): 680
Sonnenscheindauer in Stunden pro Jahr: ca. 1800

Partnerstädte der Stadt Stuttgart:

Cardiff, Großbritannien (seit 1955) 
St. Helens, Großbritannien (seit 1948) 
Straßburg (Frankreich) seit 1962 
St. Louis (USA) (seit 1960) 
Menzel-Bourguiba, Tunesien (seit 1971) 
Bombay Indien (seit 1968) 
Lodz, Polen (seit 1988) 
Kairo Ägypten (seit 1979) 
Samara, Rußland (seit 1992) 
Brünn, Slowakei (seit 1989) 

Fortsetzung ..