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Wein: Gogen
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Gôga - Tübinger Winzer
Die Tübinger Weingärtner, genannt die Gôgen,
sind seit jeher 'der symbolische Ausdruck dafür, dass unter der
blassen nördlichen Sonne Baden Württembergs der Weinanbau nur mit
harter Arbeit, Schlitzohrigkeit und saumäßigem Fluchen möglich ist.'
Ein typischer Gôg bruddelt dreimal im Jahr: im
Frühjahr, wenns Frost gibt, im Sommer, wenns hagelt und im Dezember,
wenn 'dr Daimler seine Preis erhöht.
Sie sind ein harter Menschenschlag, um den sich
unzählige Anekdoten ranken, von denen hier eine meiner liebsten kommen
soll:
Eine
feine Dame hat sich Tübinger Gôgenviertel verirrt und läuft suchend
hin und her. Da öffnet sich in einem der oberen Stockwerke eines
Hauses ein Fenster und eine Gôgenfrau ruft heraus: Sia, dô wird fei
nergends nôgsoichd!
Tübinger Wein stand jahrelang im Ruf, so sauer (rääs) zu sein,
dass er einem ein Loch in den Magen frisst. Dieses Loch konnte dann nur
noch mit Reutlinger Wein bekämpft werden, denn der war so sauer, dass
sich alles wieder zusammenzog.
Schwäbische Weinfeste
Auch auf den knapp 190 Weinfesten in
Württemberg, darunter dem riesigen Stuttgarter Weindorf (unbedingt
besuchen), findet man schwäbische Weinseligkeit und Gemütlichkeit,
die noch nicht von der üblichen Hektik verdorben sind.
Stuttgarter Weindorf - Deutschlands
größtes Weindorf
Den Höhepunkt des Weinjahres bilden die Herbst-
und Kelterfeste in der Region. Das Stuttgarter Weindorf bietet im
Spätsommer zusätzlich Gelegenheit, zwischen Rathaus und
Schillerplatz die verschiedenen württembergischen Weine zu
probieren und zu vergleichen.
Beim Weindorf verbreitet sich eine beinahe
südländische Stimmung in der Stadt. Ist also der Wein ein
Schlüssel zur schwäbischen Seele?
Thaddäus Troll schrieb einmal dazu: "Der
Wein kommt in seiner Polarität von herber Säure und fruchtiger
Süße dem gegensätzlichen Charakter des Schwaben
entgegen."
So wie der Trollinger erst nach dem zweiten
Schluck sein wahres Feuer zeigt, ist es auch mit der
Reserviertheit der Schwaben: Wer sie verstehen will, muss sich
langsam an sie gewöhnen.
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Gemessen wird die voraussichtliche Weinqualität nach
der Lese mit der sogenannten Öchsle-Waage, mit der sich Öchsle-Grade
bestimmen lassen. Erfunden hat diese Christian Ferdinand Öchsle, der
zwar einen urschwäbischen Namen hat, aber leider aus dem badischen
Ausland stammt (Pforzheim).
Dazu schrieb mir am 14.2.2003 Jürgen Winter aus Frankfurt:
Das ist
leider falsch!
Christian Ferdinand Oechsle lebte zwar in Pforzheim, geboren wurde er
aber am 26. Dezember 1774 in Buhlbach. Und das liegt zweifelsfrei in
Schwaben. Buhlbach gehört zur Gemeinde Baiersbronn im Landkreis
Freudenstadt (1758 - 1909 stand in Buhlbach einer der bekanntesten
Glashütten der Gebrüder Böhringer).
Oechsle absolvierte zunächst eine Goldschmiedelehre in Öhringen und
übersiedelte erst dann nach Pforzheim;
Also: Christian Ferdinand Oechsle ist doch ein Schwabe! Nachlesen
kann man das lustigerweise auf der Homepage von Pforzheim, also im
badischen Ausland :-)
Pro Kilo gelesener Trauben gewinnt man ca. 0,6 bis 0,75
Liter Traubenmost, der naturtrüb oder leicht angegoren (der dann auf
der Zunge bizzelt) als neuer Wein angeboten wird, insbesondere
in der Kombination Neuer Wein und Zwiebelkuchen.
Zwiebelkuache
Wenn mr Zwiebel schält ond schneid',
heult e jedes wie net g'scheit.
Jeder Zwiebolkuachepla'
fangt mit bittre Träne a.
Aber wenn dr Blaatz isch bache',
isch dr Rank drfür am Lache'.
Schao dr Zwiebelkuache-G'schmack
hot e Portio Freud ein Sack.
Jeder Zwiebelkuachebuß
aber ischt a Hochgenuß!
Ond wenn au drbei am End
sich a mancher s'Maul verbrennt,
spürt er doch en jedem Deng
ebbes wie Erleichtereng.
August Lämmle
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