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Wein: Besen
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Der Schwabe vermag im Besen seinen Wein zu geniessen und
vergisst darob sogar die Scheu, sich neben 'Fremde' zu setzen.
"A
Leba lang a guats Sach - ond em Himmel a
Weiwirtschäftle" (Schwäbischer Wunschtraum)
Schwäbischer Wein wird nicht getrunken, sondern geschlotzt,
weil das auch noch die letzten Geschmacksnuancen offenbart. Neben dem
sogenannten 'Bodagfährdle' lässt sich sehr oft das
typische 'Schwänzle' entdecken. Das ist dieser charaktervolle
und abgerundete Nachgeschmack, der in Mund und Gaumen übrigbleibt,
wenn der Wein schon lange im Magen angekommen ist.
Der Schwabe liebt den Wein auch in handfesten Literflaschen
('Dô gôôt oifach meh nei') und akzeptiert gerne auch den
neumodischen Schraubverschluß, der billiger ist und leichter (und
schneller!) zu öffnen.
Aufgrund des knappen Angebotes an schwäbischem Wein wird der Kork zum
lange Lagern nur selten benötigt, muss doch meist schon 5-6 Monate
nach der Ernte der Wein zum Verkauf gebracht werden, weil der
vorangegangene Jahrgang bereits in den durstigen Kehlen versickert ist.
Statt eines herkömmlichen Weinglases mit Stiel
bevorzugt der Schwabe das typische Henkelglas, ein gedrungenes
und bauchiges Gefäss mit zumeist grünem Henkel. Dieses Glas steht
sicher auf dem Tisch und kämpft als Viertele (0,25 l) verbissen
gegen das amtlich verordnete Nullkommazweitele (0,2 l).
Zu Zeiten meines Großvaters war noch der Schoppen (0,5
l) das normale Maß und auch die kleinste Menge, die man in der
Wirtschaft bestellen konnte. Heutzutage wundert sich keine Bedienung,
wenn Sie nur ein Achtele (0,125 l) ordern.
Tipp für ein schwäbisches Weinschorle: Am
Sonntag den Wein trinken und am Montag das Wasser.
Gemütlich und eng geht's zu, wenn der 'Besen'
vor einer Haustür hängt.
Der Putzstängel ist dabei keinesfalls eine
Anspielung auf die gemeinhin belächelte «Kehrwoche» als Kind
schwäbischer Ordnungsliebe, sondern Kennzeichen der «Besenwirtschaft».
Der 'Besa' ist eine typisch schwäbische
Institution, die im Spätherbst und Frühjahr am Reisig-
Besen erkenntlich sind, der vor das Haus gehängt wird.
Das
ganze geht auf einen Erlass von Kaiser Karl dem Großen im Jahre
791 zurück, der es Weinbauern erlaubte, einen Teil ihres Weines
selbst zu vermarkten und auszuschenken.
Wo kommt der Name "Besenwirtschaft"
her? Er geht, man höre und staune, auf Karl den großen
(747-814) zurück, der sich nicht nur um die Verbreitung des Weinbaus
in seinem Reich, sondern um den Absatz des Weines sorgte. Er ordnete
an, das Winzer, die ihren Wein direkt an den Trinker verkaufen wollen,
dies durch einen ausgehängten Kranz (corona de racemis)
kenntlich zu machen hätten.
Die schwäbische Privatkneipe hat Tradition - und ist
ein Kontrast zur quirligen Clubkultur der Stadt. Viele junge Schwaben
lieben die Besenwirtschaften für ihre schwäbische Gemütlichkeit und
Weinseligkeit.
Im Mittelalter schon waren die «Besen» für die abgabepflichtigen
Kleinbauern in den Weinanbaugebieten oft die einzige Möglichkeit, aus
ihrem Wein bare Münze zu machen. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in
Württemberg rund 5000 «Besen». Und auch heute bescheren sie vielen
Freizeit-Winzern auf manchmal erstaunlich professionelle Weise einen
lohnenden Nebenverdienst.
Gesetzlich vorgeschrieben ist dabei der Weinausschank
selbst erzeugter Weine «für die Dauer von vier Monaten im Jahr in
höchstens zwei Zeitabschnitten». Die Schankstätte ist auf 40
Sitzplätze begrenzt, erlaubt ist zudem lediglich die Abgabe «kalter
und einfach zubereiteter warmer Speisen».
Ursprünglich luden die Schwaben in ihre Wohnstuben, teils sogar in die
umgeräumten Schlafzimmer, heute häufiger in einen Schuppen, einen
Kellerraum oder die Garage. Dort schenken die Wengerter
(Weingärtner) acht Wochen pro Jahr - meist zwischen September und
April - ohne Konzession ausschließlich ihren eigenen Wein aus und
servieren dazu Spezialitäten wie Schlachtplatte, Sauerkraut,
Maultaschen oder Rostbraten. In den mehr oder weniger bäuerlichen
Schunkelstuben übt sich der sonst eher stille und zurückhaltende
«Viertele-Schlotzer» (Weintrinker) als überraschend gut gelaunter
«Besenhocker».
Wörterbuch
für Besen-Neulinge
Abbarad
besonders
großes Stück Fleisch, z.B. Rostbraten
abbaud
ein
Wein, der überaltert ist
Backschdoikäs
Romadur,
also Stinkkäse
Bäsa
Besen-
/Straußenwirtschaft
Balla
Rausch
Beidschaschdegga
kleine
Hartwurst, Landjäger
Bizzla
noch
gärender Jungwein/Most
Boizle
gemütliche,
kleine Wirtschaft
Bodagfährtle
vom Boden bestimmter Charakter eines
Weines
Bombolesbriah
süßer
Wein
bruddla
unzufriedenes
nörgeln, aber nicht böse gemeint
Duudla
langsames,
aber ausdauerndes Trinken
Feschbr
zünftige
Brotzeit aus Wurst und/oder Käse
Gluschda
Appetit
auf einen Wein oder ein Vesper
Gôg
Tübinger
Weingärtner
Henkelgläsle
bauchiges,
stielloses Weinglas
Hergodds-Bscheisserla
Maultaschen
Hocketse
Fest
im Freien
hoggad se
här Ja, der Platz ist noch frei
Kneisle
Brotanschnitt,
bei Schwaben sehr begehrt
Läbrkäs
Fleischkäse,
schmeckt kalt und gebacken
Nedd vo
dô Kein Einheimischer, als 'Reigschmeckt'
Nô ois
Noch
ein Viertele
Ochsamaulsalat
Spezialität:
kalt und kleingeschnitten
Rachaputzer
saurer
Wein
Ranzaspannr
sehr
saurer Wein
Räß
herb,
sauer
Rosch-Brôda
Spezialität,
genial zu Brot oder Sauerkraut
reesch
knusprig
(Brot oder Mädchen)
saugmiedlich
sehr
gemütlich
Saure
Nierla Nierchen in dunkler Sauce, zu
Bratkartoffeln
Schillerwein
aus
weißen und roten Trauben gekelterter Wein
schmegga
gut
munden (nicht riechen!)
schlotza
genußvolles
Weintrinken
Schorle
halb
Wein, halb Mineralwasser
Schwänzle
Nachgeschmack
eines Weines
Semsakrebsler
saurer
Wein von Hauswand-Reben
Stäffala
Treppenstufen
Supfa
erstes
nippen an einem Weinglas
Vierdele
0,25
l Wein
Wei-Schdieble
Weinlokal
Wei-Zaah
Weingenießer-Original,
der seinen Wein schlotzt
Wengert
Weinberg
Wengerter
Winzer,
Weingärtner
Xond
gesund
zeemarugga
an
einen 4-er Tisch 12 Personen setzen
Zenga
Nase,
zum Wein riechen
Zom Wohl
Auf
Ihr Wohl
Zongalupfer
sehr
trockener Wein
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Hier sitzt der Schwabe in sehr enger (ja beengter)
Runde, genießt sein leibliches Wohl und tauscht mit wildfremden
Menschen die schönsten Ideen und Einsichten aus.
Wie beliebt der 'Bäsa' ist kann jeder ermessen, der
schon mal versucht hat, am Abend um 20 Uhr einen Platz zu bekommen.
Auch wenn grundsätzlich 4 Schwabenärschle auf ein 2-er Bänkle
gepresst werden, es ist immer überfüllt, eng und laut. Dafür ist man
aber (auch als schwäbischer Neubürger) in kürzester Zeit in die
Lokalrunde integriert und wird sich in innige Unterhaltung mit Bauern
und Banker, Arbeiter und Architekt wiederfinden.
Beim Studieren der (meist) kleinen Speisekarte fallen
zwei Dinge auf:
1. Bier gibt es nicht (vielleicht auf Hawaii, nie im Bäsa!), es
dürfen nur selbst erzeugte Sachen ausgeschenkt werden.
2. Die Gerichte sind einfach und rustikal: Schlachtplatte, Ripple,
Maultaschen, Vesper mit frischem Brot
Wer sich dafür interessiert findet alles auf der Besenterminseite
im Internet. Auf jeden Fall sollte man im 'Bäsa' vorher
reservieren und sich über die Öffnungszeiten informieren.
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