www.woxikon.de  Sie suchen ein Wörterbuch? Mein Tipp: www.woxikon.de  www.woxikon.de

 

Zur Startseite ] Zurück ]
[ Seiten-Übersicht ]  [ Schwäbisch-Kurs ] [ Schwäbisch/Deutsch ] [ Kehrwoche ] [ Meedala ] [ Essen &Trinken ] [ Geschichte

schwabissimo - die schwäbischen Momente im Netz !


schwabissimo - die schwäbischen Momente im Netz ! 

Wein: Besen


 

Der Schwabe vermag im Besen seinen Wein zu geniessen und vergisst darob sogar die Scheu, sich neben 'Fremde' zu setzen. 

"A Leba lang a guats Sach - ond em Himmel a Weiwirtschäftle"   (Schwäbischer Wunschtraum)

Schwäbischer Wein wird nicht getrunken, sondern geschlotzt, weil das auch noch die letzten Geschmacksnuancen offenbart. Neben dem sogenannten 'Bodagfährdle'  lässt sich sehr oft das typische 'Schwänzle' entdecken. Das ist dieser charaktervolle und abgerundete Nachgeschmack, der in Mund und Gaumen übrigbleibt, wenn der Wein schon lange im Magen angekommen ist.

Der Schwabe liebt den Wein auch in handfesten Literflaschen ('Dô gôôt oifach meh nei') und akzeptiert gerne auch den neumodischen Schraubverschluß, der billiger ist und leichter (und schneller!) zu öffnen. 
Aufgrund des knappen Angebotes an schwäbischem Wein wird der Kork zum lange Lagern nur selten benötigt, muss doch meist schon 5-6 Monate nach der Ernte der Wein zum Verkauf gebracht werden, weil der vorangegangene Jahrgang bereits in den durstigen Kehlen versickert ist.

Statt eines herkömmlichen Weinglases mit Stiel bevorzugt der Schwabe das typische Henkelglas, ein gedrungenes und bauchiges Gefäss mit zumeist grünem Henkel. Dieses Glas steht sicher auf dem Tisch und kämpft als Viertele (0,25 l) verbissen gegen das amtlich verordnete Nullkommazweitele (0,2 l). 

Zu Zeiten meines Großvaters war noch der Schoppen (0,5 l) das normale Maß und auch die kleinste Menge, die man in der Wirtschaft bestellen konnte. Heutzutage wundert sich keine Bedienung, wenn Sie nur ein Achtele (0,125 l) ordern.

Tipp für ein schwäbisches Weinschorle: Am Sonntag den Wein trinken und am Montag das Wasser. 

Gemütlich und eng geht's zu, wenn der 'Besen' vor einer Haustür hängt. 

Der Putzstängel ist dabei keinesfalls eine Anspielung auf die gemeinhin belächelte «Kehrwoche» als Kind schwäbischer Ordnungsliebe, sondern Kennzeichen der «Besenwirtschaft». 

Der 'Besa' ist eine typisch schwäbische Institution, die  im Spätherbst und Frühjahr am Reisig- Besen erkenntlich sind, der vor das Haus gehängt wird. 

Das ganze geht auf einen Erlass von Kaiser Karl dem Großen im Jahre 791 zurück, der es Weinbauern erlaubte, einen Teil ihres Weines selbst zu vermarkten und auszuschenken.  

Wo kommt der Name "Besenwirtschaft" her?  Er geht, man höre und staune, auf Karl den großen (747-814) zurück, der sich nicht nur um die Verbreitung des Weinbaus in seinem Reich, sondern um den Absatz des Weines sorgte. Er ordnete an, das Winzer, die ihren Wein direkt an den Trinker verkaufen wollen, dies durch einen ausgehängten Kranz (corona de racemis) kenntlich zu machen hätten.

Die schwäbische Privatkneipe hat Tradition - und ist ein Kontrast zur quirligen Clubkultur der Stadt. Viele junge Schwaben lieben die Besenwirtschaften für ihre schwäbische Gemütlichkeit und Weinseligkeit. 

Im Mittelalter schon waren die «Besen» für die abgabepflichtigen Kleinbauern in den Weinanbaugebieten oft die einzige Möglichkeit, aus ihrem Wein bare Münze zu machen. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Württemberg rund 5000 «Besen». Und auch heute bescheren sie vielen Freizeit-Winzern auf manchmal erstaunlich professionelle Weise einen lohnenden Nebenverdienst. 

Gesetzlich vorgeschrieben ist dabei der Weinausschank selbst erzeugter Weine «für die Dauer von vier Monaten im Jahr in höchstens zwei Zeitabschnitten». Die Schankstätte ist auf 40 Sitzplätze begrenzt, erlaubt ist zudem lediglich die Abgabe «kalter und einfach zubereiteter warmer Speisen». 

Ursprünglich luden die Schwaben in ihre Wohnstuben, teils sogar in die umgeräumten Schlafzimmer, heute häufiger in einen Schuppen, einen Kellerraum oder die Garage. Dort schenken die Wengerter (Weingärtner) acht Wochen pro Jahr - meist zwischen September und April - ohne Konzession ausschließlich ihren eigenen Wein aus und servieren dazu Spezialitäten wie Schlachtplatte, Sauerkraut, Maultaschen oder Rostbraten. In den mehr oder weniger bäuerlichen Schunkelstuben übt sich der sonst eher stille und zurückhaltende «Viertele-Schlotzer» (Weintrinker) als überraschend gut gelaunter «Besenhocker». 

Wörterbuch für Besen-Neulinge

 

Abbarad besonders großes Stück Fleisch, z.B. Rostbraten

abbaud ein Wein, der überaltert ist

Backschdoikäs Romadur, also Stinkkäse

Bäsa Besen- /Straußenwirtschaft 

Balla Rausch

Beidschaschdegga kleine Hartwurst, Landjäger

Bizzla noch gärender Jungwein/Most

Boizle gemütliche, kleine Wirtschaft

Bodagfährtle vom Boden bestimmter Charakter eines Weines 

Bombolesbriah süßer Wein 

bruddla unzufriedenes nörgeln, aber nicht böse gemeint

Duudla langsames, aber ausdauerndes Trinken 

Feschbr zünftige Brotzeit aus Wurst und/oder Käse  

Gluschda Appetit auf einen Wein oder ein Vesper

Gôg Tübinger Weingärtner 

Henkelgläsle bauchiges, stielloses Weinglas

Hergodds-Bscheisserla Maultaschen

Hocketse Fest im Freien 

hoggad se här Ja, der Platz ist noch frei 

Kneisle Brotanschnitt, bei Schwaben sehr begehrt

Läbrkäs Fleischkäse, schmeckt kalt und gebacken

Nedd vo dô Kein Einheimischer, als 'Reigschmeckt'

Nô ois Noch ein Viertele 

Ochsamaulsalat Spezialität: kalt und kleingeschnitten

Rachaputzer saurer Wein 

Ranzaspannr sehr saurer Wein

Räß herb, sauer 

Rosch-Brôda Spezialität, genial zu Brot oder Sauerkraut

reesch knusprig (Brot oder Mädchen)

saugmiedlich sehr gemütlich

Saure Nierla Nierchen in dunkler Sauce, zu Bratkartoffeln 

Schillerwein aus weißen und roten Trauben gekelterter Wein 

schmegga gut munden (nicht riechen!)

schlotza genußvolles Weintrinken 

Schorle halb Wein, halb Mineralwasser

Schwänzle Nachgeschmack eines Weines

Semsakrebsler saurer Wein von Hauswand-Reben 

Stäffala Treppenstufen 

Supfa erstes nippen an einem Weinglas

Vierdele 0,25 l Wein 

Wei-Schdieble Weinlokal

Wei-Zaah Weingenießer-Original, der seinen Wein schlotzt

Wengert Weinberg 

Wengerter Winzer, Weingärtner 

Xond gesund 

zeemarugga an einen 4-er Tisch 12 Personen setzen

Zenga Nase, zum Wein riechen

Zom Wohl Auf Ihr Wohl

Zongalupfer sehr trockener Wein

Hier sitzt der Schwabe in sehr enger (ja beengter) Runde, genießt sein leibliches Wohl und tauscht mit wildfremden Menschen die schönsten Ideen und Einsichten aus. 

Wie beliebt der 'Bäsa' ist kann jeder ermessen, der schon mal versucht hat, am Abend um 20 Uhr einen Platz zu bekommen. Auch wenn grundsätzlich 4 Schwabenärschle auf ein 2-er Bänkle gepresst werden, es ist immer überfüllt, eng und laut. Dafür ist man aber (auch als schwäbischer Neubürger) in kürzester Zeit in die Lokalrunde integriert und wird sich in innige Unterhaltung mit Bauern und Banker, Arbeiter und Architekt wiederfinden.

Beim Studieren der (meist) kleinen Speisekarte fallen zwei Dinge auf: 
1. Bier gibt es nicht (vielleicht auf Hawaii, nie im Bäsa!), es dürfen nur selbst erzeugte Sachen ausgeschenkt werden.
2. Die Gerichte sind einfach und rustikal: Schlachtplatte, Ripple, Maultaschen, Vesper mit frischem Brot

Wer sich dafür interessiert findet alles auf der Besenterminseite im Internet. Auf jeden Fall sollte man im 'Bäsa' vorher reservieren und sich über die Öffnungszeiten informieren.

Zurück ] Wein: Rebsorten ] [ Wein: Besen ] Wein: Gogen ]

 
 

RINGANA Hochwirksame frische Naturkosmetik und ganzheitliche Nahrungsergänzungen - einzigartig in Europa




peter-michael mangold - stuttgart

RINGANA Hochwirksame frische Naturkosmetik und ganzheitliche Nahrungsergänzungen - einzigartig in Europa



[ Seiten-Übersicht ]  [ Schwäbisch-Kurs ] [ Schwäbisch-Lexikon
[ Kehrwoche ] [ Meedala ] [ Essen &Trinken ] [ Geschichte

 
ALL-INKL.COM - Webhosting Server Hosting Domain Provider

Startseite  -  Zuletzt aktualisiert 07.10.2009 16:39  -  Impressum