| |
|
|
|
|
|
|

|
|
|
|
Wein: Rebsorten
|
|
|
|
Die Sortenvielfalt der in Württemberg angebauten Weine
ist sehr hoch und lässt jedem Weintrinker viel Raum, sein
Lieblingsviertele zu finden und zu genießen.
Württemberg
bildet mit seinen unterschiedlichen Boden- und
Klimaverhältnissen eine eigene kleine Welt innerhalb der
deutschen Anbaugebiete.
Auf
ca. 60% der Fläche wird Rotwein angebaut, was Württemberg zum
größten Rotweingebiet Deutschlands macht.
Dennoch
ist Württemberg ein Gebiet mit hoher Sortenvielfalt geblieben,
die größte Menge (etwa 90%) wird im Land selbst verbraucht,
der Rest exportiert.
Baden-Württemberg hat bundesweit den höchsten
Weinkonsum pro Kopf, zur Trauer der einheimischen Brauereien.
Von den 13 Weinanbaugebiete in Deutschland ist Württemberg ist das einzige, das mehr Rotwein als Weisswein produziert,
und zwar im Mengenverhältnis 70% : 30 %.
Auch wenn man inzwischen sehr viele Rebsorten in Württemberg finden,
sechs Rebsorten decken immer noch mehr als 4/5 der bestockten Rebfläche
ab:
1. Trollinger (rot) 21%
2. Riesling (weiss) 18%
3. Schwarzriesling = Pinot Meunier (rot) 16%
4. Lemberger (rot) 13%
5. Spätburgunder = Pinot Noir (rot) 10%
6. Kerner (weiss) 3%
Allen Rotweinen voran ist der schwäbische
Lieblingswein, der Trollinger. Das ist nichts anderes als der
Südtiroler Vernatsch, eine Rebe die reichlich trägt und einen
hellroten Schoppen liefert, der leicht, fruchtig und süffig ist. Die
Rebe verlangt sehr gute Lagen, schwere, kalkhaltige Böden und braucht
während des gesamten Wachstums ausreichend Regen.
Wegen des herzhaft-kernigen Charakters des Weins genießt der Schwabe
sein Nationalgetränk gern zu deftig-rustikalen Speisen wie Gerichten
vom Kalb und Schwein, zum Rostbraten mit Spätzle oder auch zum
Gänsebraten. Trinktemperatur: 16-18 Grad.
Diese Rebsorte wird nur in Schwaben angebaut und hat
wegen des relativ geringen Körpers nur eine sehr begrenzte
Lagerfähigkeit, was aber in der Praxis kein Problem ist, da er sowieso
sehr schnell weggetrunken wird. Der Schwabe liebt seinen Trollinger drogga
(trocken) mit höchstens 9 Gramm Restzucker pro Liter.
(So ist der Anfang meiner Schwaben-Seiten unter gütiger Mithilfe
etlicher Flaschen Grantschen Trollinger trocken entstanden)
Hierzu
merkte am 3.4.2001 Dr. W Roth per eMail an:
.. dass Trollinger jung getrunken werden muss, ist eine
Überlieferung aus der Zeit meines Großvaters (er war ein
Altersgenosse von Theodor Heuss). Dies ist jedoch auf die damals
herrschende mangelhafte Kellereiwirtschaft und Kellerhygiene
zurückzuführen.
Trollinger kann, wenn er mit einer gewissen Restsüße ausgestattet
ist, wie Sie m.E. richtig bemerken, mit maximal 9 g/l Zucker versehen
wird, jung getrunken werden. Wird er jedoch richtig
"trocken" ausgebaut (eigentlich passt dieser Ausdruck gar
nicht zum Trollinger, aber er hat sich nun mal eingebürgert), also
mit etwa 2 g/l Zucker, kann er gut und gerne 10 Jahre liegen und ist
dann nicht nur ein sehr guter Wein, sondern ein göttlicher Nektar!
Probieren Sie es einmal mit einer Stuttgarter Mönchhalde oder einem
Stuttgarter Hasenberg aus!
Wesentlich anspruchsvoller im Anbau ist der Lemberger
(der österreichische Blaufränkisch), der bei geringerem Ertrag und
guter Pflege einen tiefdunklen, gehaltvollen Tropfen liefert.
Ich mag ihn mehr in der Kombination mit Trollinger (Trollinger mit
Lemberger bzw. Lemberger mit Trollinger), mit dem er in schwächeren
Jahrgängen zusammen gekeltert wird.
Er ist in guten Jahrgängen alleine ein schöner voller Rotwein, hat
eine angenehme Bitterkeit in seinem Aroma und kann durchaus mit
ausländischen Spitzenweinen konkurrieren. Durch seine tief dunkle
Farbe, seinen kräftigen Körper und seine feinherbe Art zählt dieser
Wein weltweit zur Traubenelite. Auszeichnung genug, um als krönender
Höhepunkt zu Lamm, Hase, Reh und allen Pilzgerichten serviert zu
werden. Er sollte bei 17-19 Grad getrunken werden.
Eine in ganz Deutschland verbreitete Traubensorte, der Dornfelder,
wird hier ebenfalls angebaut. Dornfelder ist eine Kreuzung aus einer
Kreuzung, nämlich Frühburgunder-Trollinger mit Portugieser-Lemberger.
Er ist sehr dunkel, fruchtig-würzig mit kräftiger Säure. Sein Aroma
lässt einen an Brombeeren, Sauerkirschen und ähnliches denken.
Ausgebaut im Barriquefass kann ein guter Dornfelder ein exzellentes
Tröpfchen abgeben.
Zwei meiner besten Weine im Keller sind Dornfelder! Donfelder
passt sehr gut zu Braten- und Wildgerichten und sollte nicht zu kalt
serviert werden.
Ein sehr bekömmlicher, leichter, und doch sehr
ansprechender Rotwein ist auch der Portugieser.
Nur beste Lagen sind der sehr alten Rebsorte Gewürztraminer
würdig. Aus ihren Trauben entstehen Weine, deren goldgelbe Farbe und
hochfein-fruchtiges Bukett gerühmt werden. Mit einer Fülle feinster
Aromastoffe und einem makellosen Körper genießt man sie zu Desserts
oder auch als Aperitif.
Der Spätburgunder gehört zu den edlen
Rotweinen und wird in Württemberg seit Jahrhunderten angebaut. Warm,
körperreich und voll Eleganz ist er ein Wein, der ins Blut geht.
Spätburgunder brauchen gute Lagen und fruchtbare, warme, lockere,
nicht zu trockene Böden. Die Ertragssicherheit ist relativ gut.
In Frankreich bildet der Spätburgunder als Pinot Noir das Rückgrat
der besten Burgundersorten und zusammen mit weissen Chardonnay-Trauben
den Körper des Champagners. Purpurrot, körperreich und mit
verhaltenem Feuer bereichert dieses Spitzengewächs seit jeher
exquisite Rind-, Wild- und Geflügelgerichte
Ein feiner, eleganter, fruchtiger Rotwein mit wenig
Säure ist der Schwarzriesling, eine Abart des Blauen
Burgunders. Er ist sehr bekömmlich und schmackhaft und läßt sich
angenehm trinken. Er gehört zur Familie der Burgunderweine und ist vor
Jahrhunderten aus Frankreich zu uns ins gekommen. Im Bukett zart und
aromatisch, ist er im Körper feingliedrig, aber kräftig und fruchtig.
Selbst in weniger sonnenreichen Jahren erreicht der nur in Württemberg
kultivierte Schwarzriesling gute Öchslegrade.
Der Samtrot liegt purpursamten im Glase und
entfaltet beim Trinken seinen samtig-weichen Charakter. Als Mutation
vor wenigen Jahrzehnten aus dem Schwarzriesling entstanden, wird dieser
Burgunderabkömmling vor allem in unserem Raum angebaut. Samtrot
verlangt tiefgründige Böden in guten Lagen. Er wird eine Spezialität
für Kenner bleiben, denn seine Erträge sind eher bescheiden.
Der hier noch angebaute Clevner ist auch eine
Schwarzriesling-Art von sehr schönem ausgeglichenem und speziellem
Charakter. Er ist wie der Muskattrollinger und der Trollinger
Urban eine ausgefallene Traubensorte und wird nur noch von wenigen
Weingärtnern und einigen Herrschaftsgütern angebaut.
Neben diesen Rotweinen, die fast 70% des Ertrages in
Württemberg ausmachen, gedeihen hier auch prächtige Weißweinsorten.
Nicht wenige davon erhielten als deutsche Spitzenweine Gold- und
Silbermedaillen.
Die Hauptsorte ist weiterhin der Riesling, der
König der Weißweinsorten. Seine beste Lagen sind die
Muschelkalkböden rund um Stuttgart und im Remstal. Ein richtiger
schwäbischer Riesling muss ein Bodagfährdle haben, diesen
typischen leicht erdigen Beigeschmack. Riesling ist ideal zu Fisch,
Meeresfrüchten und Geflügel, oder einfach zum Genießen an einem
heißen Sommerabend, gekühlt auf 9-11 Grad.
Milder und lieblicher, besonders bei Damen sehr
beliebt, ist der Silvaner. Ursprünglich aus Siebenbürgen
(Transsylvanien) stammend, wird dieser Wein schon lange angebaut. Er
ist recht anspruchslos, liebt aber warme Böden und ist ideal zum
Vesper, wenn man einen milden, harmonischen Wein möchte.
Immer größerer Beliebtheit erfreut sich auch der Müller-Thurgau.
Eine Kreuzung von Riesling und Silvaner, die ein Hermann Müller 1882
in der Schweiz im Kanton Thurgau gezüchtet hat.
Ich
wurde inzwischen schon desöfteren auf die Fragwürdigkeit der obigen
Behauptung hingewiesen und habe daher im Internet gestöbert, und
siehe da, Meinungen über Meinungen zu diesem Thema, drei seien
exemplarisch:
...
Nach den Untersuchungen (genetischer Fingerabdruck) des Instituts
für Rebenzüchtung Geilweilerhof handelt es sich bei Müller-Thurgau
um eine Kreuzung zwischen Madeleine Royale und Riesling...
.. Sie werden sicher erstaunt sein, wenn ich immer vom
Müller-Thurgau schreibe: dies beruht auf den neusten Erkenntnissen,
wo von man davon ausgeht, dass die Müller - Thurgau - Traube eine
Kreuzung von Riesling und Gutedel (Chasselas) ist...
... Ursprünglich wurde angenommen, der "Müller-Thurgau"
sei eine Kreuzung zwischen Riesling (Mutter) x Silvaner (Vater).
Spätere genetische Untersuchungen ergaben jedoch als Kreuzung Riesling
x Gutedel. Silvaner scheidet damit endgültig als Vater aus, aber
die 100%-ige Klärung der Vaterschaft scheint noch offen, da auch
Gutedel noch nicht absolut sicher als Vater angegeben werden kann...
Er ist mild und sehr aromatisch und vereinigt die
Vorzüge seiner Eltern: reicher Ertrag, die Trauben reifen früh und
geben einen milden Wein. Sein fruchtiges Bouquet hat einen leichten
Muskatton. Wird er trocken und jung ausgebaut, heißt er neumodisch
auch Rivaner.
Er passt gut zu Suppen und Vorspeisen und sollte bei 8-10 Grad
getrunken werden. Ich liebe ihn aber auch zu thailändischen Gerichten
und überhaupt an einem heißen Sommerabend auf der Terrasse.
Vor Jahren noch hochgehandelt, jetzt fast nicht mehr im
Angebot, ist der Kerner, eine Züchtung aus Trollinger und
Riesling aus dem Jahr 1929. Er ist würzig, kraftvoll im Körper
und hat die feine Säure des Rieslings in sich. Seit 1969 ist er
sortengeschützt und eigentlich die einzige "rein
württembergische" Rebe. Er trägt den Namen des Weinsberger
Arztes und Dichters Justinus Kerner.
Die Weine sind fein und
würzig mit viel Säure und passen zu Fisch und Geflügel, serviert mit
9-11 Grad. Tipp: Unter dem Markennamen 'Justinus K.' bieten
einige württembergische Spitzen-Weingüter einen traumhaften
Kerner-Wein an.
Schwerer und sehr ausgeprägt im Bukett ist der Grauer
Burgunder (Pinot Grigio) hier auch Ruländer genannt, eine helle Abart des Pinot Noir. Die
schwerer ausgebauten Weine kommen als Ruländer, die fruchtig-frischen
als Grauburgunder in den Handel. Die Weine sind gehaltvoll,
körperreich und vollmundig. Ruländer passt gut zum Dessert, während
der Grauburgunder zu hellem Fleisch, und besonders gut zu Spargel
mundet. Ruländer bei 9-11, Grauburgunder bei 8-10 Grad servieren.
Zu der vielgestaltigen Skala schwäbischer Weine
gehört auch der Gewürztraminer (einer Spielart des roten
Traminers), der ob seiner würzigen Duftigkeit und seiner vornehmen
Eigenart eine herrliche Beigabe zu einem guten Mahl ist. Goldgelb,
hochfein und bouquetreich begeistert er vor allem als Spätlese oder
Auslese. Er ist als Aperitiv-Wein, ähnlich wie der Muskateller,
oder als Ergänzung zu Vorspeisen, bestens geeignet.
An warmen Abenden wird von Schwaben gerne ein Viertele Weißherbst
genossen. Dabei handelt es sich um einen Rotwein, der wie ein Weißwein
ausgebaut wurde. Während beim Rotwein der gepresste Saft ein ganze
Weile auf der Maische liegt, werden beim Weißherbst Most und Maische
nur wenige Stunden nach dem Pressen getrennt. Dadurch wandert nur wenig
roter Farbstoff in den Most und verleiht dem Weißherbst seine rosige
Farbe. Weißherbst wird insbesondere aus Trollinger und Schwarzriesling
gewonnen.
Viel wurde schon vom Schillerwein gesprochen, der zwar im Lande
des berühmten Dichters Schiller beheimatet ist, doch mit dem Marbacher
Poeten nichts zu tun hat. Der Schillerwein wird aus zur gleichen Zeit
gelesenen roten und weißen Trauben zusammen gekeltert und darf nur in
Württemberg Schiller heißen, in anderen Gebieten heißt er bei
gleicher Kelterart Rotling. Er ist rezent, bekömmlich und wird gerne
als Tischwein oder zum Vesper im Schwabenland getrunken,
Trinktemperatur 10-12 Grad.
Es gibt viele kleine
Winzergenossengeschaften und Weinbauern, die mit sehr viel Liebe und
Ausdauer daran arbeiten, dass schwäbischer Wein nicht nur in der
Breite, sondern auch an der Spitze seinen guten Ruf über die Grenzen
des Ländles hinausträgt.
Leider hat sich die Qualität des hiesigen Weines
vielerorts herumgesprochen und es gibt eine ständig steigende Zahl von
Weinliebhabern, die uns den hochgeschätzten einheimischen Tropfen oifach
wägsauffa.
Brooschd, zom Woohl.
|
|