| |
|
|
|
|
|
|

|
|
|
|
Schwäbischer Dialekt
|
|
|
|
Allem Geschwätz
vom global player zum Trotz, ich glaube nicht dass ein
einzelner Mensch auf der ganzen Welt zu Hause sein kann, vielleicht
mal abgesehen vom (inzwischen verstorbenen) Peter Ustinov und unserer
(sich bester Gesundheit erfreuender) Freundin Daniela Sfameni.
Der Mensch
fühlt sich in einem überschaubaren Mikrokosmos wohler. Er hat in
sich den Rest vom Herdentrieb und sucht Kontakt zu Gruppen mit
vergleichbarem Hintergrund. Dabei wird er zwangsläufig in seiner
Heimatregion fündig, an die er sich anpasst und die geprägt ist von
klimatischen, wirtschaftlichen und verkehrstechnischen Gegebenheiten.
Auch die Sprache
orientiert sich an diesen Gegebenheiten und natürlich auch an
historischen Hintergründen. Dadurch hat sie in jeder Region einen
eigenen Dialekt hervorgebracht, der Menschen eindeutig mundartlich
zuordnet.
Der schwäbische
Dialekt ist beispielweise ganz eindeutig bäuerlich geprägt. Dies
sieht man schon an den vielen Lautmalereien und Sprachbildern aus dem
bäuerlichen Umfeld, wie z.B. "Dô kensch graad uff dr Sau
naus".
Die Aussprache
ist dem harten und entbehrungsreichen Leben der Vorfahren entsprungen
und weist überall Spuren des schwäbischen Relativismus auf, "so
isch nô hald au wiedr" oder "wenn nô älle so
wärad, wi i sei sodd".
Während ein
Bayer kraftvoll zu seinem Dialekt steht und nur mit Mühe
Verständnis aufbringt, wenn jemand hochdeutsch spricht (Saupreiß
!), neigt der Schwabe in solchen Fällen zu einem gewissen
sprachlichen Minderwertigkeitsgefühl. Mir selbst ging das auch so,
bis ich mal in Berlin studierte und meine Kommilitonen gar nicht
genug kriegen konnten von meinen schwäbischen Lauten. Heute jedoch,
wo ich recht oft in Norddeutschland Kunden besuchen muss, habe ich
mir für diese Fälle ein ganz brauchbares Hochdeutsch (wirklich!)
beigebracht.
Der Versuch
hochdeutsch zu sprechen geht aber bei den meisten Schwaben schief,
und endet in einer sprachlichen Katastrophe. Wie das einer Gmünder
Lehrerin, welche die "Glocke" mit den (vermeintlich
hochdeutschen) Worten rezitierte: "Feschtgemauert in där
Ärden schdeht die Form aus Lähm gebrannt .."
Ein Dialekt hat
etwas menschenverbindendes. Wie sehr freut man sich der Fremde über
heimatliche Laute und setzt sich mit dem Landmann zum "ebbes
drenga" in ein Cafe. Dort kann man dann in wenigen Worten
Eindrücke austauschen, wie "dia Iddalienr machad sich"
oder "Henn Si scho a Suffeniirle kaufd? - Noi, ersch em raa!".
In Hochdeutsch müsste man dazu jeweils einen ganzen Roman erzählen.
Im Dialekt, und
ganz besonders auf schwäbisch, lassen sich einige Sachen viel
freundlicher, viel herzlicher, viel vertrauter aussprechen, wie auf
hochdeutsch. Sogar Grobheiten gewinnen deutlich an
Charme.
Wenn Sie zu
einem Mitmenschen sagen "Sie sind wirklich ein schwerfälliger
und plumper Mensch", bekommen Sie garantiert Ärger. Sagen Sie
aber stattdessen "Ha, du bisch abbr an reachdr Bauradrambl"
- dann wird ein echter Schwabe das sogar als Lob für Standfestigkeit
und Durchsetzungsvermögen verstehen.
Oder können Sie
sich das Gesicht eines Gegenübers vorstellen, zu dem Sie: "Sie
sind kleinkariert!" sagen ? Der Schwabe sagt: "Sei doch
koin Griffelschbiddzr", und schon ist alles in Butter.
Im Schwäbischen
wird aus einer negativen "Klatschbase" ein anerkennendes
"Dagbläddle" und aus einem
"Marmeladenfreund" wird ein "Gsälzbär",
oder aus einem "Windhund" wird ein "Heggabeerlesbronzer",
aus einem "Taugenichts" wird ein "Hurgler",
aus einem "dumm daherredenden Menschen" wird ein "Lällabäbbel",
aus einem "Besserwisser" wird ein "Gscheidle"
Wie viel
angenehmer als das sterile "Ich liebe Dich" klingt doch das
schwäbische "I môôg di scho saumässig", wobei
auch hier der zur Verstärkung benutzte Begriff seine Wurzeln im
bäuerlichen Umfeld nicht verleugnen kann. Und wie prägnanter wird
das Schillerwort "Es liebt der Mensch das Strahlende zu
schwärzen" in der Thaddäus Troll-Fassung mit "O dass
d´Leid so gern ens Rosabeet brônzad".
Ein Dialekt
beweist sich in seiner Lebendigkeit vor allem auch daran, dass er neu
entstandene Begriffe aus der Hochsprache mühelos in den Griff
bekommt. Aus Kabelfernsehen wird "Bändlesgugga" und
aus der Ausstellung in der Kunsthalle wird die "Hengaddse
in dr Farbaschuier".
Der Hot-Dog wird
zum "Weggaschlubbfr" und die Pommes zu "Grombiraschniddz".
|
|