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Schwäbische (Un)Logik
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Ein kleines Kind rennt am Arm einer Frau Richtung Bushaltestelle, an
der sich gerade beim dort wartenden Omnibus die Türen schließen. Das
Kind ruft daraufhin laut aus: 'Sau, Tante, sau !'.
Alle Nichtschwaben schauen erschreckt herüber .. dabei wollte das Kind
seine Tante nur zu erhöhter Geschwindigkeit anfeuern: Sauen bedeutet im
Schwäbischen schnell laufen, also rennen.
Einige Worte haben also im Schwäbischen eine ganz andere
Bedeutung:
-
Ein Schwabe lupft etwas vom Boden, wenn er
etwas aufhebt,
-
aber er hebt etwas, wenn er etwas hält.
-
Etwas, das lange hebt, das hält
sehr lange.
-
Der Schwabe läuft, wenn er zu Fuß
geht,
-
aber er springt oder saut, wenn er schnell läuft.
-
Ein (Seil)-hüpfendes Kind juggd,
-
wenn es aber einem im Gesicht juckt, dann beisst
es.
-
Man fällt nicht hin, mr fliagd
nô.
-
Wenn etwas im Kühlschrank schlecht wird, dann vrkommts.
-
Aber auch ein Nachbar, dem man begegnet, vrkommt oim.
-
Eine Wurst die schmeckt, die riecht
bereits vergammelt.
-
In ein leeres Glas wird nicht Flüssigkeit eingefüllt,
sondern nei'gleert.
-
Erbsen werden nicht geerntet, sondern broggalad.
-
Wenn man weiterwandert, dann duad mr zua'marschiera.
-
Schüler melden sich nicht, sondern
schdreggad.
-
Der Schwabe schlotzt ein Eis oder einen
Wein, wenn er ein Eis leckt
oder einen guten Wein trinkt.
-
Wer was nemme vrheeba kâ, der kann es gar
nicht mehr erwarten.
Jetzt versteht man auch die Bedeutung des Begriffes 'Reigschmeckte'
für Neubürger im Schwäbischen:
Wenn im Fernsehen Bürgerversammlungen übertragen werden, fallen die
Reigschmeckten sofort auf. Während die Einheimischen erst fünf Minuten vor Sendeschluss allmählich gesprächig werden, sind sie die ersten, die das Wort ergreifen und
alles totreden. Weil den Schwaben das natürlich gar nicht 'schmeckt',
ja eigentlich sogar 'stinkt', klingt in dem Wort Reigschmeckte eben
genau diese Aversion nach. 'Den koane net schmecka ..' sagt der
Schwabe, wenn er jemanden nicht leiden kann.
Ein müder Schwabe geht zu Bett mit den
Worten I gang jetzt in mei Bett. Na hoffentlich ins eigene Bett, wird der
Norddeutsche sagen. Wenn dem Schwaben im Bett kalt ist, holt er sich einen Debbich
(=Teppich), also eine Decke. Ist er ernstlich krank, sprengts
bei ihm om a Longaentzindung rom, s´wird ned viel fehla, ond er isch
gscheid krank, er steht also kurz vor einer Lungenentzündung,
ja, man könnte sagen, er ist ernstlich krank.
Der Schwabe trägt gern einen Kiddl
(=Kittel), wobei er mit diesem Ausdruck sowohl das dreißigjährige
Stück Stoff meint, das er zur Gartenarbeit trägt und das
keine Altkleidersammlung mehr nimmt, als auch ein modisches Sakko.
Gladd
(=glatt) meint im Schwäbischen nicht die Konsistenz von
Schmierseife, sondern etwas lustiges oder ganz abstruses, mein Chef
pflegt idiotische Menschen gerne als gladde Schorsch zu
betiteln.
Man boggled an die Türe, aber wer recht ungewaschen
muffelt, der boggled auch, aber nach Bock ! Wenn Sie
aufgefordert werden 'Druggad Se hier' dann sollen Sie nicht ein
Druckerzeugnis herstellen, sondern etwas drücken, zum Beispiel einen
Einschaltknopf. 'Dô druff drugga' kann also im
Schwäbischen sowohl die Aufforderung sein, etwas einzuschalten, aber
auch die Aufforderung etwas auf ein Stück Papier zu drucken.
Das nachstehenden Gedicht habe ich im
Internet gefunden, es passt in diesem Kontext bestens rein:
Dafür des hoißt derfier
umgekehrt ist henderschefier,
Vorbereiten hoißt nââriechdâ,
Nicht notwendig hoißt
ha des het mer jetzt et briechdâ
Bredlâ des send Gutsle,
Fallen hoißt na'haglâ
und überschlagen überbuuzlâ,
Bekommen hoißt griegâ,
Treppen send Schtiegâ,
Knien hoißt gnuilâ,
Kiesel send Schtoilâ
Heenig ist futsch
Der Roller ist a' Radelrutsch
Oimets das ist irgendwo
beim weggehen dô laufscht dervo
Maulen hoißt goschâ oder bäffâ
des wird mer aô nô därfâ
Mund hoißt Raffel oder Gosch,
Hast du's hoißt hosches oder hosch,
Gehen wir hoißt gämmer oder gangmer
Gib her hoißt gib mer oder lang mer
Lutschen hoißt schlotza, oder zullâ,
zotzla, oder schnullâ
Flink sein hoißt wußla oder wußelig!
Unachtsam des ist schusselig,
Gell des war jetzt et so schwer
des lernt mer halt so nebaher.
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Damit alles besser bei Ihnen im Gedächtnis 'hebt', ein paar Worte
zum 'heeba' Man kann etwas aufbewahren ('I heeb emmr nô am Oba seine
Liabesbriaf auf.'), es kann aber auch etwas in Kürze kaputt gehen ('Dees
Auto heebd nemme lang.'). 'Heeb dees môl' ist die Aufforderung etwas
zu festzuhalten, aber wenn man 'ebbes nemme vrheeba kôo', dann muss
man mal dringend für kleine Jungs oder man kann etwas fast nicht mehr
erwarten.
Kommt ein Mädchen die Straße lang. Ein Passant spürt, wie ein
stürmische Wind herfegt und empfiehlt der jungen Frau, ihren 'Rock zu
heben'. Auf Hochdeutsch mag das frivol erscheinen, wenn es sich bei dem Mann aber um einen Schwaben
handelt ('Hebad Se au Ihren Rogg'), zeugt sein Ratschlag von Anstand und Sitte.
Weil heben eben halten ist..
Und auch der
Lehrling, der die Leiter 'hebt', während sein Meister darauf herumturnt, ist, sofern ein Schwabe, kein Attentäter, sondern ein fürsorglicher Helfer.
So, 'jeddz muass´e nô gschwind was saga', weil mir der Peter
Petz aus Wiesbaden eine E-Mail schickte, worin er auf das schwäbische
'gschwind' hinwies. Richtig, ich sage es ja manchmal selbst zu meiner
Frau: 'Jeddz wart amôl gschwind ..' und meine eigentlich 'Kannst Du
Dich mal kurz gedulden ..'.
Und manchmal sagt sie auch zu mir 'Kannsch mr gschwind dr Müll
rausdraga?', was natürlich ein glatter Befehl ist und einfach nur
'sofort' bedeutet.
So, das musste ich jetzt einfach 'gschwind'
loswerden.
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