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Wenn
Ihnen ein Schwabe erzählt, er liebe sein 'Schbäddzle'
(hochdeutsch: Spätzle), dann spricht er nicht von möglicher Unzucht
mit Teigwaren, sondern von einem weiblichen Wesen.
Und mit
den Worten: 'Schbäddzle dô hôsch absolud nedd rechd ..' pflegt ein
handfester Krach in einer schwäbischen Ehe zu beginnen.
Aber
ganz klar, Spätzle sind natürlich auch die schwäbische
Leibspeise schlechthin. Und welche Frau kann sich beklagen, damit
verglichen zu werden, oddr Schbäddzle ???!!
Das
wichtigste zuerst: Spätzle sind keine Nudeln und Spätzle schmecken
selbstgemacht am besten !
Die
gestresste Hausfrau und der Fast-Food-orientierte Single wird im
Normalfall die Spätzle vorgefertigt im Supermarkt kaufen und diese
bei Bedarf in etwas mehr als 10 Minuten fix und fertig kochen. Das
Spätzle-Angebot ist reichhaltig:
Auch
wenn Spätzle lebensmittelrechtlich zu den Teigwaren gehören, der
Unterschied zwischen Spätzle und konventionellen Nudeln liegt im
industriellen Produktionsverfahren begründet: im Gegensatz zu
Nudeln, bei denen der Teig gepresst und anschließend getrocknet
wird, werden Spätzle vor dem Trocknen in Wasser oder Wasserdampf
gekocht. Das gibt ihnen eine unregelmäßige Form und die typische
raue Oberfläche, die besonders gut Soßen aufnehmen kann.
Ich
zittere vor dem Tag an dem die Brüsseler Bürokraten unsere
geliebten Spätzle verbieten, weil diese durch keine EU-Norm zu
fassen sind ..
Ihren geschichtlichen Ursprung haben Spätzle übrigens in Italien,
wo sie "spezzare" - in kleine Stücke schneiden - genannt
wurden. Aus einem flachen Teigklumpen wurden mit einem Messer Stücke
oder Streifen herausgeschnitten und anschließend in Wasser
gekocht.
Im Zuge der Christianisierung brachten Mönche das Rezept nach
Süddeutschland, wo es schnell heimisch wurde. In Italien hingegen
gerieten die "spezzare" in Vergessenheit. Die Herstellung
der Nudel änderte sich und hat sich seit dem Jahre 1800 als
italienische Pasta etabliert.
Zu besonderen Gelegenheiten sollte man es sich aber nicht nehmen
lassen, die Spätzle nach schwäbischer Tradition selbst zu machen.
Das schmeckt jedem Gast und bringt ein Fleischgericht mit einem
dunklen Sössle erst so richtig zur Geltung.
Jede
Hausfrau (Muttern fragen ..!) hat ein eigenes Rezept, z.B.:
Aus 500 g Mehl, 4-5 Eiern, einem Teelöffel Salz und etwa 1/4 Liter
lauwarmem Wasser in einer Schüssel (mit viel Einsatz von Armschmalz
oder einem profanen Rührgerät) einen Teig herstellen und diesen
solange schlagen, bis der Teig Blasen wirft und sich etwas von den
Schüsselwänden löst. Der Teig darf aber nicht zu weich werden.
Einen
großen Topf mit Wasser füllen, reichlich Salz zugeben und zum
Kochen bringen. Eine Schüssel zum Abschrecken (d.h. zum Unterbrechen
des Kochvorganges und zum Abspülen der anhaftenden Stärke) der
Spätzle mit kaltem Wasser füllen, eine zweite vorgewärmte
Schüssel zum Aufbewahren der fertigen Spätzle herrichten.
Wenn das Wasser kocht, gibt es
mehrere Möglichkeiten, wie man die Spätzle ins Wasser bringt:
Mit
der Spätzlepresse (auch Spätzleschwob genannt) und
viel Muskelkraft ins Wasser gedrückt oder aber filligran mit
einem Teigschaber von einem Spätzlesbrett ins Wasser
geschabt.
Die
Spätzlespresse sieht aus wie eine riesige Knoblauchpresse und
ist aus Metall hergestellt (von Plastikausführungen ist
abzuraten !).
In die
Öffnung wird der Teig eingefüllt und dann mit viel Kraft in das
kochende Wasser gepresst.
Interessanterweise hat nach meinen
Beobachtungen das angeblich schwache Geschlecht meist mehr Kraft, als
die gönnerhaft zu Hilfe eilenden Männer. Wenn ein Pressvorgang zu
Ende ist, nimmt man ein scharfes Küchenmesser und schneidet (unter
Wasser) die Teigfäden schnell ab, damit keine Klumpen entstehen.
Alternativ
wird geschabt, dazu das Spätzlebrett und den Schaber zum Anfeuchten
kurz ins kochende Wasser halten. Etwa ein bis zwei Löffel Teig auf
das Brett geben, das zugespitzte Ende an die Wasseroberfläche halten
und mit dem Schaber sehr kleine Stücke vom Teig direkt in den
Wassertopf schaben.
Wenn
die Spätzle im aufkochenden Wasser an die Oberfläche kommen, sind
sie fertig. Mit dem Schaumlöffel die Spätzle aus dem kochenden
Wasser nehmen, kurz abschrecken und in der bereitgestellten Schüssel
zwischenlagern. Anschließend den restlichen Teig entsprechend
verarbeiten.
Früher
wurden die Spätzle anschließend in einer großen Pfanne in viel
frischer Butter geschwenkt und dann auf einer Platte angerichtet und
mit viel gerösteten Semmelbröseln bestreut. Als Kinder begann
mancher Krach am Sonntagstisch mit der Frage, wer die meisten
Semmelbrösel erhalten darf ..
Am
besten schmecken Spätzle zu sämigen Soßen, aber der
erfindungsreiche Schwabe hat eine ganze Reihe weiterer
Verwendungsmöglichkeiten erfunden:
Zusammen
mit Fleischbrühe, Kartoffeln und Rindfleisch als 'Gaisburger
Marsch', mit Sauerkraut und Maultäschle als Beilage zu einem
köstlichen Rostbraten, als 'grööschde' Spätzle in
der Pfanne mit einem Ei aufgebacken zu herzhaftem Vesper oder mit
viel Käse überbacken als kalorienbombige 'Kässpätzle'.
Die im
Allgäu als Spezialität angesehenen Knöpfle sind eng mit den
Spätzle verwandt. Beide sind aus dem gleichen Teig (wobei für die
Knöpfle der Teig etwas flüssiger sein sollte) und wurden früher
mit der Hand oder dem Löffel geformt und ins heiße Wasser gelegt.
Daher hießen (und heißen immer noch) die Spätzle auch Spatzen.
Knöpfle sind im Gegensatz zu den länglichen Spätzle, kurz, rund
und klein.
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