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Thaddäus Troll brachte es so auf den Punkt::
In einem
unliebenswürdigen Gewand verbirgt sich ein delikater Kern. Sie schmecken
hehlinge (=heimlich) gut, Außen pfui und innen hui, überspitzt
ausgedrückt. Zunächst künden die Maultaschen des Schwaben Vorliebe
für Gebilde aus Mehl, für Papp, wie sich Nichtschwaben herabsetzend
ausdrücken, was auf schwäbisch onomatopoetisch: Babb hieße.
Eine
leichenfarbene Hülle aus Nudelteig entsagt jedem optischem Reiz und
wirkt appetitzügelnd. Aber wie köstlich ist die reiche Fülle aus
Bratwurstbrät, Schinken, Fleisch, Speck, Spinat, Zwiebeln, Eiern,
Petersilie, Muskat und Majoran! Jede Hausfrau hat dafür ihr
Spezialrezept. Diese Maultaschen schwimmen wie Wasserleichen in der
Fleischbrühe. Oder werden mit Eiern überzogen, im Ofen gebacken. Oder
mit Zwiebeln überschmelzt als blasse Wesen einem Kartoffelsalat
beigelegt.
Maultaschen
werden oft in einem Atemzug mit Mercedes, Zeppelin, Hölderlin, Mörike
und Uhland aufgezählt - gehören also zu den großen Namen und
Erfindungen, die das Schwabenländle hervorgebracht hat.
Maultaschen
Hackfloisch, Zwieble, Peitschestecke,
Wassergwoichte Doppelwecke,
Peterleng, Spinat ond Brät,
Älles durch die Fleischwolf dreht,
Oier drüber, Salz ond Pfeffer,
Geit a Toigle, geit en Treffer,
Grad für d’Nudelböda g’richt;
Und schao kriagt dui Sach a Gsicht!
Drufgschmiert, zuadeckt, toilt ond gschnitte.
Net lang gfacklet, maih ond ‚ditte,
Nei end Brüah ond ufkocht gschwend!
Selber schuld, wer’s Maul verbrennt!
Heinz
Eugen Schramm
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Lilly Urban schreibt dazu so schön:
Der Maultasche
werden wahre Wunderwirkungen nachgesagt: beispielsweise heißt es, sie
kitte Ehen, bzw. ließe gar nicht erst zu, dass diese überhaupt zu
kriseln beginnen - vorausgesetzt, die schwäbische Hausfrau beherrscht
die Kunst des Nudelteig Knetens, Rollens, Füllens, Kochens einwandfrei.
Dann ist ihr die Bewunderung und Zuneigung des Gatten für alle Zeit
gesichert. So jedenfalls heißt es.
Kein
schwäbisches Gericht ist so beliebt und bekannt, wie besagte Taschen und
so hielt ich es für angebracht, mich - als gebürtige ( aber bekennende
nicht-kochende ) Schwäbin- auf die Spuren des Mythos Maultasche zu
begeben. Ursprünglich galten die Taschen, wie auch die heute so
beliebten Ravioli oder Pizzen, als "Arme Leute - Essen", denn
alle Reste der vorhergehenden Tage, wie z.B. restliches Siedfleisch, hart
gewordenes Brot oder altes Gemüse, konnten bei diesem Gericht noch mal
auf wunderbare Weise vereint werden - ohne, dass es der Familie auffiel.
Heute gelten die Maultaschen längst als salonfähig. Gefüllt mit
Wachtelfleisch, Kalbsbries oder Morcheln, stellen sie die edle Variante
dar. Wie auch immer: es gibt nichts, was man nicht in diese Taschen
einbauen könnte. Ganz nach dem Motto: "En de kloinschte Däschla,
send oft de beschte Sächla.
Warum die Maultaschen eben Maultaschen heißen, dazu gibt es viele
Erklärungsversuche. Das Kloster in Maulbronn sei am Namen schuld oder
eine Margarete Maultasch, Gräfin von Tirol im 14. Jahrhundert. Nix
genaues weiß man nicht..
Es gibt aber eine hübsche Erklärung, warum in manch' schwäbischer Familie
die Maultasche auch "Herrgottsbscheisserle" genannt wird: Die
Taschen waren als Freitagsgericht, bzw. als Fischalternative an den
Fastentagen gedacht. An diesen fleischlosen Tagen wurde das begehrte-
aber leider sündhafte- Fleisch in kleingehackter Version den anderen
Zutaten beigeschmuggelt, in die Nudelhülle gesteckt und somit vor den
Augen des lieben Gottes versteckt. Das schlechte Gewissen verschwand beim
ersten Biss in die herrlichen Maultaschen schnell! Was man nicht sieht,
ist schließlich auch nicht vorhanden!
Die besten Maultaschen, die ich kenne, macht eine Tante
von mir. Sie verwendet dazu hauptsächlich zwei Sorten von in sehr kleine
Stückchen geschnittener (gerauchter) Schinkenwurst und füllt den Teig
in hauchdünne, aber relativ große Teigstücke. Das ganze gegart in
einer wunderbaren Fleischbrühe, einfach köstlich!
Aber
man kann Maultaschen vielfältig verspeisen: in der Fleischbrühe (en dr
Briah), in Zwiebelschmälze (gschmälzd), in Tomatensauce (uff
Idalienisch), mit Käse überbacken (uff Schweizer Art), mit Rahmspinat
und Ei, geröstet (gröschded), gebacken (bagga), gebraten (brooda), mit
Kräuter,- Pilz,- oder Spinatfüllung ..
Meine spezielle Maultaschentipps
Wirsing in feine Streifen schneiden, dazu eine fingergroße, klein
geschnippelte Ingwerknolle, das ganze in Olivenöl kurz erwärmen
und mit Knoblauch durchschwenken. Auf einem Teller anrichten und zwei in
der Brühe gekochte Maultaschen darüber legen.
oder
Gemüse wie für ein Wokgemüse klein schneiden (Kohlrabi, Zuccini,
Karotten, Wirsing, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch) in der Pfanne scharf
anbraten, mit Chilli, anderen Thaigewürzen und Fischsauce abschmecken.
Separat in einer Pfanne kleingeschnittene Maultaschen scharf anbraten ('rööscha')
und kurz vor dem Servieren unter das Gemüse mischen, superlecker.
Beilagen: Schwäbischer Kartoffelsalat (mit dünnen Salatgurkenscheiben
und Zwiebeln, warm angemacht mit Fleischbrühe ohne Mayonnaise!)
Wein: Zu Maultaschen in der Brühe ein trockener Kerner Kabinett, zu
geschmälzten einen saftigen trockenen Rivaner (Müller-Thurgau) oder den
landestypischen Trollinger.
Wie
kocht man Maultaschen. Ganz einfach oder eben auch nicht: Es gibt
unzählige Rezepte, die von Mutter an Tochter oder von Mutter an Sohn
weitergegeben.
En Guada.
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