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Schwäbische Küche VI
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Ein Mehlgericht ist die Kratzede (auch:
Duuranannd), eine Art zerrissener Mehlpfannkuchen (ähnlich dem
Kaiserschmarren), den man mit
Zucker und Zimt zu Kompott oder aber gesalzen als Beilage zu
Spargel-, Pilz oder Fleischgerichten serviert.
Kratzede ist ein schnelles Gericht aus Mehl, Milch und Eigelb, geschlagenes
Eiweiß und zerlassener Butter, in der Pfanne goldgelb ausgebacken und
dann mit der Backschaufel in grobe Brocken, der Kratzede, zerrissen.
Eine Wiedergeburt erlebt derzeit die Dinnete,
die schwäbische Pizza aus dünnem Hefeteig mit einem Belag aus
sauerer Sahne, durchwachsenen Speckwürfeln, Lauchstreifen,
verquirlten Eiern und etwas Kümmel.
Etwas aufwendig, fast vergessen,
aber eindrucksvoll sind Hefeknöpfle (Heffaknebfla) als
Beilage zu einem schönen Braten. Aus Hefeteig (in allen
Verarbeitungs- schritten gut gehen lassen !) werden Knöpfle , also
Klöße mit ca. 8 cm Durchmesser, geformt, die im siedenden
Salzwasser etwa 20 Minuten gegart werden.
Wichtig ist ein möglichst großer
Topf, da der Hefeteig stark aufgeht und die Knöpfle viel Platz benötigen,
um locker (lugg) zu bleiben. Zum Anrichten werden die Hefeknöpfla
mit einem straffen Bindfaden jeweils in 4 Teile geschnitten. Der
Duft in Verbindung mit einem dunklen Sössle wird Sie und Ihre Gäste
begeistern.
Aus Mehl, allerdings in Kombination
mit gekochten und durch die Presse gedrückten Kartoffeln vom
Vortag entstehen die Schupfnudeln, auch Buabaspitzla
genannt.
'Schupfen' ist ein oberdeutsches Wort, das
soviel bedeutet wie 'wegstoßen'.
Ihren Namen haben sie von
der typischen Bewegung, mit der sie hergestellt werden:
Sie
werden auf dem Backbrett mit der flachen Hand weggerollt,
weggestoßen.
Ebenso
wie die schwäbische Küche manchmal derb ist, kann es auch die
Sprache sein. So nennt der Volksmund die Schupfnudeln wegen
ihrer Form auch 'Buabaspitzle' oder - noch etwas deftiger
'Bauraseckela'.
Man
kann die Schupfnudeln in kochendem Wasser garen (wobei
Kartoffel- und Mehlanteil etwa gleich sein sollten), oder man
bäckt sie in der Pfanne in heißem Fett aus (dann sollten sich
Kartoffeln und Mehl etwa wie 1:3 verhalten).
Am besten schmecken sie jedoch mit Sauerkraut
und Speckwürfeln in einer Pfanne langsam angeröstet, ein
Leckerbissen, den man in der kalten Jahreszeit auf allen
Weihnachtsmärkten erhält. Eine weitere Spezialität ist das schwäbische
Sauerkraut, genauer gesagt, das Filderkraut.
Als ich als kleiner Junge in Heilbronn bei meinen
Großeltern im Urlaub war, kamen immer im Herbst Filderbauern
angetuckert und boten riesige Spitzköpfe direkt vom Hänger an. Auf
einem Leiterwagen, der sorgsam mit Leintüchern ausgepolstert war,
fuhr mein Opa diese Köpfe in die Krautschneiderei (so was gab es
damals noch). Das klein geschnitzelte Kraut wurde anschließend
zuhause mit viel Salz in große Steingut-Häfen gepresst und gärte
dann wochenlang stinkend im Keller vor sich hin. Ich habe es gehasst,
weil es furchtbar schmeckte. Erst später entdeckte ich, wie
köstlich Kraut wirklich schmecken kann.
Auf
den Fildern, einer fruchtbaren Hochebene südlich von
Stuttgart, wächst ein feinrippiger Weißkohl - das Filderkraut. (Die
Glanzzeit Spitzkohls ist allerdings vorbei, denn die Industrie
verarbeitet mittlerweile bevorzugt feste Rundköpfe.)
Die
Stadt Leinfelden-Echterdingen feiert jedes Jahr noch ein Fest zu
Ehren des traditionellen Kohls, aber der Anbau ist rückläufig.
Wurden vor dem Ersten Weltkrieg noch über 1000 Hektar auf den
Fildern mit der speziellen Weißkohlsorte bepflanzt, so schrumpfte
die Fläche inzwischen auf maximal 300 Hektar und nur zehn Prozent
des angebauten Kohls ist noch Filderkraut. Veränderte
Essgewohnheiten ließen die Spezialität zum Nischenprodukt
werden.
Das Markenzeichen der Fildern wurde erstmals 1797 erwähnt, vor
allem im 19. Jahrhundert und zu Anfang des 20. Jahrhunderts spielte
das an Vitamin C und Mineralstoffen reiche Filderkraut eine wichtige
wirtschaftliche Rolle für die Region. Damals war der spitz
zulaufende Kohlkopf weit über die Grenzen der Region bekannt. Auf
Grund der Nachfrage entstanden bis zum Ersten Weltkrieg rund ein
Dutzend Sauerkrautfabriken, geblieben sind heute nur noch zwei.
Ungefähr die Hälfte des Filderkrauts wird frisch angeboten, der
Rest kommt in die Konserve. Geerntet wird von Anfang August bis Mitte
November, in dieser Zeit liegt dann über dem Stuttgarter Flughafen
manchmal ein ganz besonderes 'Gschmäckle'.
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