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Nicht fehlen dürfen ein paar Worte über das schwäbische
Vesper, also die kalte Zwischen- oder Hauptmahlzeit, ohne die ein
Schwabe nicht existieren kann.
"Zwischenmahlzeit", so wird das schwäbische Wort Vesper gerne übersetzt. Das mochte noch für die Zeiten zutreffen, als die Leute harte körperliche Arbeit leisteten und ohne Angst vor Übergewicht fünf Mahlzeiten pro Tag vertilgten. Von denen wurden zwei als Vesper bezeichnet, nämlich der
Vor- und der Nachmittägliche kalte Imbiss zwischendurch.
Mittlerweile hat sich das Vesper zu einer vollwertigen Mahlzeit emanzipiert, wie die Vesperkarten gutbürgerlicher schwäbischer Wirtschaften beweisen. Die enthalten neben Hausmacherwurst und Käse, die gerne auf dem Vesperbrettle serviert werden, auch warme Elemente wie
Saitenwürste oder den reigschmeckten "strammen Max".
Als 1995 in Stuttgart eine Initiative erstmals eine gemeinsame Mahlzeit für Bedürftige und Nicht-Bedürftige organisierte, nannte sie diese Einrichtung Vesperkirche, weil es dort was zum Vespern gab - auch wenn es sich dabei längst um komplette warme Mahlzeiten handelt.
Damit hat das Vesper wieder zur Kirche gefunden, von der es ausgegangen ist, allerdings nicht als das, sondern als die Vesper. Das ist ein Abendgebet, dessen Name vom lateinischen Wort
vesper(a) kommt, was "Abend" bedeutet. Die Vesper der katholischen Kirche ist die vorletzte der sieben täglichen Gebetszeiten. Sie fiel auf die sechste Stunde nach Mittag und folgte der None (15 Uhr), der die Engländer den afternoon
(Nach-None, Nachmittag) verdanken. Die Vesper beendete den Arbeitstag. Sie wurde eingeläutet durch das Vesperläuten der Vesperglocke.
Nirgends in Deutschland findet man so
viele unterschiedliche Wurstsorten wie hierzulande, denken Sie an
Saitenwürste (eine Art Wienerle), Peitschenstecken, Gelbwurst,
Schwartenmagen, Griebenwurst, Preßsack, Schinkenwurst, Leberkäse,
Schwarzwurst, Rauchfleisch, Fleischwurst und viele mehr. Man
bevorzugt zum Vesper im übrigen die Wurst am Stück, dazu einen
scharfen Sembf (Senf).
Richtiger Leberkäs ist eine Fleischsorte mit mindestens 10 Prozent
Leberanteil, die in einer Kastenform gebacken wird und dadurch ihre typische
rechteckige Form erhält. Das klassische Essen bei allen schwäbischen
Umzügen für die Helfer: billig, sättigend, köstlich .. und die
Hausfrau kann auch gleich den neuen Backofen ausprobieren.
Fehlt die Leber, spricht man vom Fleischkäse ('Floischkäs'),
aber umgangssprachlich versteht man unter 'Leberkäs' sowieso nur den
Fleischkäse. Er schmeckt warm als Hauptmahlzeit, serviert mit schwäbischem Kartoffelsalat,
aber auch kalt als Bestandteil einer Vesperplatte. Auch ein sogenannter
'LKW mit ABS', ein 'Leberkäsweggle mit amma bissle Sembf', ist eine beliebte
Zwischenmahlzeit.
Der Name Leberkäse kommt angeblich nicht von der Leber (die meist ja
eh fehlt), sondern von der Brotlaib-ähnlichen Form und der käseähnlichen Konsistenz:
'Laibkas' sagte man früher dazu.
Eine kleine Anekdote verdeutlich die Liebe des Schwaben zu seinem
Leberkäs:
Dr Vadder hockt beim Veschbr. Dô kommt die Tochter Hand en Hand mit ma jonga Kerle rei.
Dr Vadder guggd ond sait: Wenn Ihr boide heirada wellad, wega mir,
abbr wenn der a Stückle von meim Leberkäs will, vergessads.'
Landjäger sind
geräucherte, getrocknete Schweinswürstchen, auch
"Peitschenstecken", oder in Unteruhlbach, dem Weinort in
der Nähe von Stuttgart "Unteruhlbacher" genannt. Man isst
sie meistens kalt; der Bauer nimmt sie als Proviant mit aufs Feld und
der Winzer in den Wengert.
Schützenwürscht sind dicke Bratwürste, ähnlich wie
Knackwürste. Man isst sie heiß mit Senf. Sie sind nach dem
berühmten deutschen Schützenfest im Jahre 1875 in Stuttgart
benannt. Rote Würscht (auch: Baddzawürscht) sind
dicke Bratwürste, ähnlich wie die Knackwürste. Man isst sie heiß
am liebsten, gebraten, oder in Wasser gezogen. Griebenwurst
ist eine Blutwurst mit vielen Speckwürfeln.
Daraus kann man treffliche Vesperteller
komponieren, zusammen mit Käse und einem frischen Bauernbrot
ein Hochgenuss. Oder
aber an heißen Tagen den schwäbischen Wurstsalat
anmachen, mit in Streifen geschnittener Fleisch- oder
Schinkenwurst. Genial,
dazu ein helles Hefeweizen oder einen kühlen Weißherbst.
Auch
die schwäbische Tellersülze (Dellersulz) mundet
besonders in der warmem Jahreszeit, besonders zu ein paar
knusprigen Bratkartoffeln.
Beim Schwäbischen Wurstsalat werden Schwarzwurst sowie Fleischwurst oder Leberkäse in schmale Streifen geschnitten. Er wird mit fein geschnittenen Zwiebelringen oder gewürfelten Zwiebeln, Essiggurken und Schnittlauch sowie einer Essig-Öl-Vinaigrette angerichtet.
Zum Vesper gehört die schwäbische Laugenbrezel, nach der alle
Schwaben, und seien sie mehr als dreißig Jahre in fernen Ländern,
ewig Sehnsucht haben. Die Brezel wurde oft kopiert, aber nie
erreicht. Es gibt bei den schwäbischen Bäckern spezielle Rezepte
und Tricks, wie sie weich und doch knusprig, mild und doch rezent
hergestellt wird.
Ich liebe diese knusprigen, frischen Laugenbrezeln, wenn sie noch warm vom
Backofen sind. Schon morgens zum Vesper geholt und dann, ganz
verschwenderisch, dick mit Butter bestrichen.
So ein typischer 'Im-Hotel-Frühstücker' wird sich wundern, dass der Schwabe zum Frühstück
niemals
einfach nur Brötchen bestellt, sondern jeder seine peinlich genaue Auswahl
zwischen Milchbrötle, Kipf, Seele, Wasserwegg, Hörnle, Laugenweck, Mohnbrötle,
Kümmelweck, Doppelweck, Salzweck und Tafelbrötle trifft, und um
keinen Preis der Welt das eine für das andere nimmt.
Die 'Seele', in meiner Heimatstadt auch 'Briegel'
oder 'Wasserwegg' genannt, ist ein typisch schwäbisches Gebäck aus Weißmehl, Wasser und Salz. Die Form ist oval bis länglich, die Kruste knusprig und
mit grobem Salz und Kümmel bestreut.
Wie der Name des Gebäcks vermuten lässt, geht der Ursprung der Seele auf den Allerseelentag zurück.
Die Bewirtung der 'armen Seelen' war wichtig und man legte daher als
Totenspeisung Brot
(Allerseelenbrot) und Wein auf die Gräber. Aus dem Allerseelenbrot entwickelte sich im Laufe der Zeit die Kurzform
'Seele'.
Schmankerl: In früherer Zeit waren die Seelen ein eindeutiges Zeichen: Wenn der Bursche seinem Mädchen eine große „Seele" schickte, dann galt dies
als Heiratsantrag.
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