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Schwäbische Küche II
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In jeder Region Deutschlands findet man mehr oder
weniger typische Rezepte, die mit den regionalen Gegebenheiten tief
verzahnt sind. Ich misstraue immer zutiefst einem Lokal, bei dem man
keine lokalen Spezialitäten auf der Karte antrifft.
Die schwäbische (und die badische!) Küche bieten
einen so großen Rahmen an guten Gerichten, dass hiervon etwas auf
jede Karte im Ländle gehört und sei es nur eine Suppe.
Vo dr schwäbische Gastrologie
Schwobaleut dent et gern hudle,
d'Hetz ischt et noch ihrem Senn:
Schwoba send wia g'füllte Nudle:
d'Hauptsach, dia isch enne drenl
D'Schwoba send oft odurchsichtig
grad wia Leaberkäs, woißgott:
Gell, do weiß mr au nia richtig,
was dr Metzger neigmanscht hot!
D'Schwoba dent, ha jo, gern bruddle,
moinet's aber et so bös';
Schwoba send wia saure Kuttle
bloß mir selber möget des!
Schwoba sind wia Weckeklößle:
Auße fescht ond enna weich;
traget se au bhäbe Hösle
Hählenge send se oft reich!
Schwoba därf mr et do suache,
wo bloß's Geld gilt ond 's schö Häs;
Schwoba send wia Zwiebelkuacha:
schmackhaft, ab'r e bißle räß!
Wendelin Überzwerch
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Schon Hans Sachs (1494-1576) schreibt: 'So sind die Suppen der Schwaben
Schatz'. Das hat den Schwaben auch den Spitznamen 'Subbaschwoba' (=Suppenschwaben) eingebracht.
Und es stimmt, eine gute Suppe ersetzt hier allemal jede
Hauptmahlzeit, vorausgesetzt sie besteht aus einer guten Fleischbrühe,
in der dann Spätzle, Knöpfle, Eilauf, Flädle, Grießklößchen,
Nudla, Leberklöße,
Riebele oder Maultaschen schwimmen. Das 'schwäbischte'
aller Gerichte ist zweifellos die Maultasche, der ich eine eigene Seite gewidmet habe.
Riebele macht man übrigens aus
einem Spätzlesteig, der über eine Reibe in kleinen Klümpchen in
die Fleischbrühe getropft wird. Da dieses Verfahren eher
unaufwändig ist, wird diese Suppe auch als 'Faule-Weiber-Subb'
veräppelt. Dieser Begriff scheint mit aber noch besser für die Einlauf-Suppe
('Eilaufsubb') zutreffend zu sein, weil da wirklich nur ein schnell
zusammen- gerührter Mehl-/Ei-Teig durch ein Sieb in kochende
Fleischbrühe getropft wird ..
Authentischer als die Leberknödelsuppe, die mehr dem
Bayerischen zuzuordnen ist, gilt hierzulande die Leberspätzle-Suppe,
also die 'Läberschbädlessubb'. Der Fleischteig mit etwas Leber
wird dabei wie bei den 'Spätzla' durch die Spätzlesmaschine in die
Fleischbrühe gedrückt und dort kurz gegart. Ich sage nur,
probieren!
An was für 'Sibbla' erinnere ich mich noch? An eine 'Hirnsubb',
eine legierte Suppe aus Kalbshirn, die meine Oma noch kochen konnte.
(Heute den BSE zum Opfer gefallen..). Oder an die 'brennde
Mehlsubb', die ich nur einmal im Leben essen durfte, aber von
der mein Vater immer erzählte (eine ganz einfache Suppe aus Butter,
Mehl, Weißbrotwürfeln und Fleischbrühe).
Böse Zungen behaupten, es gäbe auch eine schwäbische
Tomatensuppe, bestehend aus einem roten tiefen Teller und heißem
Wasser, aber die haben halt keine Ahnung von der schwäbischen
Seele.
Fast in Vergessenheit geraten ist
die Brotsuppe, mit der früher altbackenes Schwarzbrot
verwertet wurde. (Bei uns zuhause wurde die Brotsuppe noch mit einer
Leberwurst aufgewertet, es schmeckte köstlich.)
Brotsupp machà, isch et schwer,
erschd muaß à ganz’r Brotloib her
ond nò brauchsch’d nò zwoi Liter Wasser,
jetzt wird der Brotloib glei viel nasser.
À Gwürz muaß au no drennà sei,
was fir ois, isch oinerlei,
dò dr’zua, brauchsch’d au en Zwiebel,
den, dr’zu’duasch’d, en den Kiebel.
Ebbàs Fett ond Griàbàschmalz,
dass guàt aberutsch’d, em Hals.
Jetzt schdellsch’d dean ganzà Blitz uff’s Feier,
nemmsch’d abber Holz, weil s’Öl isch z’deier.
Dui Brotsupp lesch’d nò ane derg’là,
blos ab ond zua, muasch’s omme werglà,
dass nex àbrennt uff em Herd,
sonsch’d isch dui Brotsupp nex meh wert.
Wenn’d Zwiebl ausseahnd wie dia Mohrà,
nò isch die Brotsupp ebbàs worà.
Wenn’d ällàs machschd, wià i han g’sait,
nò gibt’s à guate Brotsupp, heit.
Werner
Roller
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Mein ehemaliger Ex-Schwager hatte
neben seiner ländlicher Wirtschaft, ein kleines Schlachthaus und
manches Säule musste dort dran glauben. Am Schlachttag, wenn alle Würste
in der Brühe gegart sind, wurde ein Teil der Metzelsuppe an
die Nachbarn und Schlachthelfer verteilt, der übrige Teil wird als
Auftakt zum Schlachtfestessen aufgewärmt.
Dabei werden in der Suppe zerplatze Würste und Spätzle
mitgegart. Es lässt sich denken, dass diese Suppe besonders gut
ist. Der schwäbische Dichter August Lämmle schrieb in seinem
Gedicht 'Metzelsupp':
Was mr doch fer guete Sacha
Ka´aus so-ma Säule macha!
Aus sei´m Saustall hentrem Haus
Ziegt dr Bauer d Botzel raus,
Packt se, daß se graozt ond quixt,
Arme Botzel, heut wurst giext!
Bluat- ond Leaberwurst ond Kraut,
Füllt am Märkt de Baura d Haut,
Brotes, Kotlett onterdessa,
Descht schao maih a Herrafressa!
I sag soviel: Gang mr-a-weg,
So-n-a Sau verdeant Respekt!
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Köstlich schmeckt auch die schwäbische
Kartoffelsuppe. Das ist nicht das vornehm durchpassierte Süppchen,
sondern eine deftige Brühe, in der ganze Stücke schwimmen,
zusammen mit kleingewürfeltem Gemüse, darüber viel glatte
Petersilie oder Schnittlauch.
Ich liebe dazu von ganzem Herzen knusprige Fleischküchle
(Floischkiachla), was sich vielleicht mancher nicht vorstellen
kann, ich sage nur, probieren!
Typisch schwäbisch ist die Flädlesuppe,
ein Suppentraum aus hauchdünnen (muss unbedingt
sein !) Mehlpfannkuchen.
(Der Schwabe spricht das Wort übrigens 'Flädles-Subb'
aus!)
Flädle werden in schmale Streifen
geschnitten werden und kurz vor dem Auftragen mit heißer Brühe
übergossen. Sie sind ein uraltes schwäbisches Traditionsrezept, das seit Generationen weitervererbt
wird.
Die Flädlesuppe hat in jüngster Zeit
richtig 'Karriere' gemacht und sogar in das Repertoire der gehobenen Gastronomie Eingang gefunden. Richtige
Flädle sind dabei so dünn, dass man beinahe hindurch sehen kann. In der modernen Küche fügt man dem Teig Butter oder auch frische Kräuter
hinzu.
Flädlesuppe war früher ein Resteessen. Was am Vortag an Flädle übrig war, landete einfach in der Brühe. Heute wird die Einlage gerne
frisch zubereitet. Flädle schmecken als Kräuterflädle ganz toll
zu frischem Spargel oder auch zu einem sehr guten Rauchfleisch.
Die Krönung der Flädlesuppe ist die traditionelle Hochzeitssuppe,
wo zu den Flädle noch Mark- und Grießklößchen in die klare Brühe
kommen..
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