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In unserer immer mehr zusammen wachsenden Welt aus
lauter global playern hat es die regionale schwäbische
Küche sehr schwer, sich zu behaupten. Zum Glück entdecken
gerade die hiesigen Spitzenlokale die altüberlieferten Rezepte neu
und strahlen so auf die Küche im gesamten Ländle aus.
Die schwäbische Küche setzt sich zusammen aus einer
großen Zahl ganz unterschiedlicher Rezepte. Die Gerichte stammen
überwiegend aus der ländlichen Küche und passen sich bestens den
heutigen (doch leichteren) Eßgewohnheiten an.
Im folgenden Gedicht habe ich mal etliche schwäbische Leibspeisen
in Reimform zusammengetragen, allerdings sind auch drei Begriffe nicht
zum Essen geeignet - finden Sie diese heraus. (Lösung)
Schnitzbrot, Kipf ond Wiebele,
Ei'laufsupp mit Riebele',
Krapfa, Seela, Kernlestee,
Kitzabohna ond Schellée,
Oierhaber, arme Ritter!
Reichts ned für älle, isch des bitter!
Backstoi'kaes ond süesse Schnecke,
Doppelwecke, Peitscheschdegga,
Hegemark ond Laugabrezla,
Grombiiraschnitz mit Oierspaetzla,
Zwiebelkuache mit viel druff!
Nochher macht mr's Fenschder uf!
Dunkle Soß ond broite Nudla,
Biiramooscht zom abedudla,
Rauchfloisch, glei en ganze' Breckel,
Rippla, groass wie Abortdeckel,
Ofaschlupfer, ond Pfitzauf!
Oh wia reisst mr Goscha auf!
Ochsauga, Kehl ond Rettich,
Floischbrühsupp au meglichscht fettig,
Schnitz ond Zwetschge', g’rauchder Speck,
Sauerkraut ond Baeredreck,
Soite'wuerstle' ond Zibebe'!
Dodra ka sich jede hebe.
Gaisburger Marsch ond graischde Spatza
Flädlessupp ond Bäratatza,
Mauldascha, riesa Hefaknöpfla
saure Nierla, Mohraköpfla
Duuranad ond Wurschdsalat
do isch dr Honger glei parat.
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Raote Bohna , gelbe Ruebe',
Laisa, Kendlesbrei ond Griebe',
Ochsa-Auga ond Spinat,
Blaukraut, Ochsa'maulsalat,
Fasnetskuechle', saure Kuttla.
Wer hot do no Zeit zom Bruttle'?
Schwarte'mage', siasse Mädla,
Schillerlocke, saure Rädle',
Rosakohl ond Gugelhupf,
Haseschlegel, Hefezopf,
Preschdlengsgsaelz ond Leberspaetzle
Schau vo weitem hairt mr's schmatze'!
Knöchla, Katzagschroi ond Kuddla
Mutschla, Sääla, Suppa-Nudla,
Hutzelbrot ond Laugawecka,
Griabawurschd ond Peitschastecka,
Metzelsupp ond dörrte Schnitzla,
Schneiderfleck ond Buabaspitzla,
Springerle ond Breschdlingsgsälz,
au Nonnafürzla schmeckat älls
Zwetschgakuacha, Metzelsupp,
Floischkiachla ond Kartoffelsupp
Ei’gmachts Kalbfloisch, g’rührta Kuacha
Do ko wirklich koiner fluacha.
Pfitzauf, Treiblesgsälz ond Flädla,
Guatsla, Rohm ond Gelbwurst-Rädla,
Tellersulz ond siasse Waffla,
frisch ei’glegte Suddraischdaffla
Fasnetküechla, Gsälz ond Knöpfla,
drzu passt emmer a gescheides Trepfle.
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Ich möchte nicht mit Rezepten langweilen, dazu gibt
es viele ganz hervorragende Seiten im Internet, sondern möchte
Ihnen eine Übersicht über die (meine) einzelnen schwäbischen
Lieblingsspeisen geben.
Schwäbische Speisekarte
Der wo ons möcht kenne lerna,
onser Wese will erfassa,
der muass mit ons zammasitza
ond mit ons sich schmecka lassa:
Knöchla, Sauerkraut ond Spätzla,
Mutschla, Sääla, Kipf ond Brezla,
Hutzelbrot ond Laugawecka,
Schwartamaga, Peitschastecka,
Gaisburger Marsch ond viel Salätla,
Pfitzauf, Zemmetstern ond Flädle,
Metzelsupp ond Zwetschgaschnitzla,
Schneiderfleck ond Buabaspitzla,
Guatsla, Hefekranz ond -zöpfla,
Fasnetküechla, Gsälz ond Knöpfla,
Streuselkuacha, Supp ond Soss,
Maultascha, Dampfnudla riesagroß!
Guglhopf, Sprengerle ond Waffla,
Leber-, Bachstoi'-, Luckeleskäs.
Älles dees, en Abständ gnossa,
ischt ons Schwoba artgemäß.
Friedrich E. Vogt
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Schwaben sind Nass-Esser, alles muss in einer Brühe
(Briah) oder einem Sößle (Seesle) eingetunkt (eidôngd)
oder eingebrockt (eibroggeld) werden. Keine Suppe ohne ein
Stück Brot, auch kein Rest an Bratensoße. Der wird zudem gerne mit
Kartoffelsalat vermischt genossen. Das sieht dann zwar optisch
äußerst zweifelhaft aus, schmeckt aber unvergleichlich gut.
Vorausgesetzt (!), der Kartoffelsalat ist auf die
typisch schwäbische Art angemacht, also ohne diese grauenhafte
norddeutsche Mayonnaise-Pampe und ohne Erbsen, Mais und sonstiges
Gemüse:
Aus festkochenden Salatkartoffeln, in hauchdünne Scheiben (Rädle)
geschnitten, angemacht mit etwas Zwiebel, warmer Fleischbrühe, Essig
und Öl, abgeschmeckt mit Salz und Pfeffer und gut durchgezogen. Der
guter Kartoffelsalat darf eher soichnass als furzdrogga sein.
Da man zum sonntäglichen Schweinebraten mit Spätzle
auch Kartoffelsalat braucht, gießt man etwas vom warmen
Spätzlewasser über die Kartoffeln, damit dieser noch glänzender
wird. Die Schwaben lieben den Kartoffelsalat frisch, weil er so am
besten schmeckt.
Er ist auch ein beliebtes Samstags- oder
Heilig-Abend-Essen. Jeder bekommt eine große Portion auf den Teller
und man isst dazu eine Saitenwurst. (Also ich habe es gehasst, wegen
der Saitenwurst !)
Dass Spätzle
nicht nur
ein schwäbischer Kosename, sondern auch eine köstliche Beilage aus
Mehl, Eiern und Wasser ist, hat sich weitgehend herum gesprochen, wer
mehr über Spätzle wissen will, wird
auf dieser Seite
fündig.
Der
Purist wird darauf bestehen, die Spätzle geschabt zu
bekommen, das heißt mit geübter Hand von Spätzlesbrett direkt ins
kochende Wasser 'geschabt'. (Eine Sauarbeit, ehrlich!)
Daher spricht für mich nichts dagegen, die Spätzlesmaschine zu bemühen, bei der der Teig mit viel Armschmalz
durch kleine Düsen ins kochende Wasser gepresst wird.
Oder aber man setzt auf die 'Spätzle-Hex'
und bringt die Spätzle rollend ins Wasser.
Spätzle
müssen immer fest sein, goldgelb (immer oi Oi meeh verwenda) und
dürfen keinesfalls zusammenkleben.
Spätzle isst der Schwabe zu allen Bratengerichten,
weil die Soße eben so schön daran haftet. Aber auch in der
Kombination mit dunklen Linsen als Linsa mid Schbäzla ônd
Soidawirschd. In den letzten Jahren habe ich dank meiner Frau
Linsen in unzähligen asiatischen Varianten kennen und schätzen
gelernt (Indien, Ayurveda ..), aber ab und zu wünscht sie sich einen
großen Topf Linsen auf schwäbische Art mit Saiten vom Dietz und
handgemachten Spätzle von mir ..
Spätzle liebe ich auch zu dem schwäbischen Pfannengericht überhaupt, dem
Rostbraten.
Der Rostbraten ist für mich immer der Test einer schwäbischen
Wirtschaft schlechthin: Meist leider zäh, aber wenn gut, dann
unvergleichlich lecker, mit krossen Zwiebeln darüber und würzigem Sauerkraut
drunter und goldgelben Spätzle daneben, oder einfach mit einem
Stück Bauernbrot und 'ebbes Soß'.
Spätzle gehören auch als Beigabe zu einer
deftigen Schlachtplatte, ebenfalls mit Sauerkraut und
hausgemachter Blut- oder Leberwurst. Oder in der Pfanne angebräunt,
mit viel Käse überbacken als ebenso wohlschmeckende wie
kalorienreiche Kässchbäzla (=Käsespätzle):
Gedicht zum Gaisburger Marsch
Kartoffelschnitz ond Schpätzle,
Gaisburger Marsch genannt,
des isch oft’s Samschtigesse
bei ons em Schwôbeland.
Drei Vierleng Rendfleisch nemmt mr,
vom Brustkern, des geit Kraft,
nô isch mr nôchher g’schteubert
wenn mr em Garte schafft!!!
Scho kocht´s mit Gelbe Rüebe,
mit Sellerie ond Lauch
zur klare Brüeh, koi trüebe,
isch guet für jeden Bauch.
Nô wird es Fleisch schö g’würflet
Ond Schnitz kommet drzue
Ond beides zame köchlet
En ällerSeelerueh.
Dr Schpatzentoig isch fertig,
Ond’s Schpatzenwasser kocht,
dr Honger ôerträglich,
was macht denn d’Köche noch???
Schö obedruf tuet d’Mueder
Ganz feine Zwibelreng,
goldbraun g’röscht mit Butter.
Mir wird’s oms Herz ganz eng!!!
Gaisburger Marsch, echt schwäbisch,
was moisch drzue, hältscht mit??
Uf älle Fäll dô wensch ich ,
en guete Appetit!
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Last, but not least, mein Leibgericht:
Gaisburger Marsch, das
sind Kartoffeln und Spätzle
in einer wunderbaren
Fleischbrühe aus Tafelspitz
und Markknochen, die in einer
dampfenden Terrine serviert
werden, auf der eine
angebräunte Zwiebel ein
traumhaftes Aroma verbreitet.
Genial wenn man Besuch hat, da gut
vorzubereiten, schmeckt jedem und macht auch optisch was her.
Die Entstehungsgeschichte dieser leckeren Eintopfspezialität ist nicht
abschließend geklärt. Tatsache ist, dass der Gaisburger Marsch nach
dem Stuttgarter Stadtteil Gaisburg benannt worden ist. Wie es dazu kam, dazu gibt es zwei interessante Geschichten, von denen man bis
heute nicht weiß, welche den wahren Ursprung des Eintopfes schildert:
1. Im Stadtteil Gaisburg lag früher das Wirtshaus 'Bäcka-Schmiede', das die bevorzugte Lokalität vieler Offiziersanwärter war. Besonders beliebt war der kräftige und schmackhafte Eintopf
aus Fleischbrühe, Rindfleisch, Spätzle und Kartoffelschnitz. Um in den Genuss dieses deftigen Essens zu kommen, marschierten die
Offiziersanwärter gemeinsam zum Essen ins Wirtshaus und diesem Fußweg verdankt das Gericht den Namen
Gaisburger Marsch.
2. Auch bei der zweiten Version spielt das Militär eine wichtige Rolle: Diese Geschichte besagt, dass die Gaisburger Männer in einem
Krieg in Gefangenschaft gerieten. Damit sie nicht verhungerten, wurde es den Ehefrauen gestattet, einmal am Tag eine Schüssel mit Essen
zu bringen. Die Frauen kochten also einen Eintopf, der alles enthielt, was nahrhaft war und gut schmeckte und mit diesem marschierten sie
tagtäglich zu ihren hungrigen Männern.
Lösung:
1. Kitzabohna ist Hagel, der Schwabe sagt
"s'kitzabohnelet" wenn es hagelt.
2. Siasse Mädla kann man zum Fressen gern haben, aber halt
nicht essen ..
3. Frisch ei’glegte Suddraischdaffla sind eine Redewendung,
aber nicht zum Essen
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