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Leider
hat sich die Kehrwoche auch schon in den USA herumgesprochen und es
geistern folgende Schreckensbilder durchs Internet:
And
if you came into the hallway--often the landlady would be sitting
there as a concierge in the hallway and would ask you please to wipe
your feet one more time, because it was raining outside and she
didn't want the floors ruined. So even if you'd already wiped your
feet, you had to go back and do it one more time to show her that she
was in charge. And all my guests were always questioned why they were
coming and how long they would stay. And once a week, well, we had to
do Kehrwoche (kehr- 'scrub', Woche-'week') in South Germany.
The
North Germans don't have this lovely habit, which is to clean the
stairs and hallways, to wash the floors, dust things in the public
hallway where people enter the apartment building. And people live in
fear constantly, in South Germany, of losing their apartment if they
should be ill and not be able to clean when it's their week, or
they're afraid to travel. What if it snows and I can't shovel the
snow that week? This is a condition for breaking your contract. For
instance, my boss at my first company would never take a winter
vacation because of the snow that she had to shovel on the weeks that
she had this Kehrwoche.
This
was a common topic in conversation, a filler: Well, how are your
relationships to your landlady? And how's the cleaning going? And
what did she make you do this week? People spent a lot of time when
they first got together, talking about these kinds of problems. And
the important thing was to be seen doing it. If I cleaned before
people got up on Saturday morning, for instance, and it was all
sparkling and dry, everyone in the apartment building would knock on
my door and ask if I had done it yet. And I'd say, "Yes, can't
you see?" Well, I learned what they wanted to see was me on my
hands and knees scrubbing the steps. Right? And since everybody had
this problem, they all felt they had to watch everybody else and see
if they did a good job, too. So if you had done the stairs
beautifully, but you'd missed those windows on the landing, they
would tell you, "Well, the windows weren't clean enough on the
landing. Could you do them one more time?"
So
you'd be thinking of the revenge you could take on them next week
when they had the Kehrwoche. Well, I'm exaggerating a little bit,
but--Definitely, the thing to do is never live in a building where
the landlord actually lives there, because there's just no end to the
power these people think they can have.
Den
(manchmal) ungewollt kommunikativen Effekt der Kehrwoche beschreibt
dieser Eintrag:
Ich
wollte ja eigentlich nur von Frau Schulze die Sache mit der Kehrwoche
geklärt haben.
Zum
Wochenende hin mache ich mich also an die Arbeit. Mit Besen, Eimer,
Handfeger und Kehrblech frisch ans Werk! Kaum ist meine Putzaktion im
Treppenhaus hörbar, kommt Frau Schulze die Treppe runter und schaut
meiner Arbeit zu. Sie prustet: "Vergessen Sie nicht, das
Treppengeländer abzuwischen, die Fußmatten auszuschütteln und der
Trittstein vor der Haustür muss geschrubbt werden, aber nicht im
Winter, sonst fällt noch jemand!" - "Keine Panik, ich
werde das schon richtig machen", stammele ich.
"Na ja, Sie sind ja noch ein junges Ding und haben vom Putzen
noch nicht so viel Ahnung. Wenn ich Ihnen etwas zeigen soll, sagen
Sie‘s nur, dann lernen Sie‘s wenigstens gleich richtig!"
flötet Frau Schulze und verschwindet wieder in ihren vier
Wänden.
Alte Leute können ja ganz schön nervig sein! Aber ich versuche, sie
einfach zu verstehen. Vielleicht hat sie ja mit ihrem Mann nicht
gerade ein leichtes Leben und als Rentner den ganzen Tag zu Hause, da
ist Putzen und Nachbarn beobachten halt zum Lebensinhalt
geworden.
Trotzdem nehme ich mir vor, sie davon zu überzeugen, dass auch junge
Leute nett und hilfsbereit sein und vor allen Dingen auch
Treppenhäuser putzen können.
Als
ich zur Arbeit gehen will, kommen mir Schulzens vom Einkaufen
entgegen. Sie spricht mich an: "Na, müssen Sie zur Arbeit? Es
geht mich ja gar nichts an, aber wo arbeiten Sie eigentlich? Man muß
sich ja schließlich über die Leute in seiner Nähe
informieren." - "Ich arbeite im Supermarkt an der
Kasse", sage ich. "Ach Gott, da verdienen Sie aber auch
nicht die Welt, und dann die ganzen Ausgaben, Miete, Auto und alles
das." - "Ich hab es eilig, ich muss jetzt,
wiedersehen", weiche ich aus.
Als ich abends nach Hause komme, treffe ich Frau Schulze wieder im
Treppenhaus: " Wissen Sie eigentlich, dass Sie auch Rasen mähen
und Schnee schieben müssen, Fräulein?" - "Jetzt ja",
sage ich trocken. Frau Schulze macht mit mir einen Rundgang ums ganze
Haus und zeigt mir, wo ich Rasen zu mähen habe und wo ich Schnee
schaufeln muß.
Also besorge ich mir Rasenmäher und Schneeschaufel. Ich habe zwar
noch nie Rasen gemäht, aber einmal ist immer das erste Mal und
Übung macht den Meister!
Kunstaktion
auf dem Schlossplatz, putzen als gesellschaftliches
Gesamtphänomen
Von
Mittwoch, 25.03.1998 bis Samstag, 28.03.1998 putzen in Stuttgart
zwischen 3.000 bis 5.000 Menschen für ein sauberes und sicheres
Stuttgart. Wir, Künstler aus Stuttgart, haben am Mittwoch zur
Eröffnung von OB Schuster eine Kunstaktion auf dem Schlossplatz
integriert, um gegen diesen Sauberkeitswahn (der alles beinhaltet) zu
protestieren und aufzudecken
In Stuttgart hat sich eine Gruppe von Künstler zusammengefunden, die
es sich zum Ziel macht, die bundesweite Kampagne "kein mensch
ist illegal" zu unterstützen und mittels künstlerischer Arbeit
Einfluss auf politische und öffentliche Diskussionen zu nehmen. Als
Auftakt verschiedener Aktionen und Projekte der Stuttgarter KünstlerInnengruppe integrieren wir am 25. März 1998 auf dem
Schlossplatz Körpersilhouetten mit der Aufschrift "kein mensch
ist illegal".
Auf diese Art appelliert und symbolisiert die Aktion
"Schattenmenschen" für ein menschenwürdiges, das heißt
kommunikatives und gleichberechtigtes Zusammenleben im öffentlichen
Raum einzutreten.
Mit dieser Ergänzung zu "Let's putz Stuttgart"
wollen wir das gedankliche und praktische Konzept des Fördervereins
"Sicheres und Sauberes Stuttgart e.V." direkt und kritisch
hinterfragen"
Wir hatten 60 weiße Platten (Pressspanholz, 55 x 54 cm groß), 59
Platten wurden mit einer menschenähnlichen Figur besprüht, eine
Platte nur mit der Aufschrift "kein mensch ist illegal",
und eine von den 59 Platten wurde gerahmt, mit einem Messingschild
mit der Inschrift: Schenkung an die Galerie der Stadt Stuttgart,
Aktion "Schattenmenschen" und einem kleinen Aufkleber
"kein mensch ist illegal" verziert.
Ein Künstler hatte einen großen Affen aus Pappmache um den Hals
gebunden, einen Besen in der Hand und auf den Rücken einen Recorder
geschnallt, aus dem monotone Musik kam, zu der er sich sehr langsam
bewegte und dabei kehrte. Der Affe stellt für den Künstler
"vielleicht" den Staat dar, der den Bürgerinnen im Nacken
sitzt.
Diese 59 Platten wurden nun schachbrettartig auf dem Schlossplatz
kurz vor 15.00 Uhr am Mittwoch, 25. März ausgelegt. Als die Platten
lagen, kam der oben beschriebene Künstler kehrend zu den Platten und
lief immer wieder um dieses "Schachbrett" herum.
Kurz nach 15.00 Uhr trat OB Schuster auf den Plan,
bereit für Presse und sein Volk, letztere beachteten ihn allerdings
kaum, den Besen in die Hand zu nehmen und zu kehren. Bevor er aber
zum Besen griff, überreichten wir ihm die gerahmte Platte. OB
Schuster bedankte sich artig und stellte sich mitsamt Platte der
Presse für ein Photo zur Verfügung. Danach kehrte er ein wenig den
"Müll" beiseite. Anschließend baten wir ihn noch, doch
auch neben diesem "Kunstwerk: kein Mensch ist illegal" für
ein Photo zu kehren. Und er tat es.
...
Vereinsgründer Schuster, der Ängste als Mittel der Politik erkannt
hat, schreitet auch hier sofort zur Tat und bläst zur kollektiven
Kehrwoche unter dem Motto "Let's putz".
Schwierige Zeiten also für Illegalisierte und andere Menschen, die
an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, denn in Stuttgart hat
man für jeden Sündenbock den 'rechten' Besen zur Hand.
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