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Mit
der Kehrwoche ist das so eine Sache, vor allem für Zugezogene
Gefunden
unter: http://www.zvw.de/aktuell/1998/12/19/news2.htm
Solange es
Schwaben gibt, wird's eine Kehrwoche geben. Den einen zur Freud', den
andern zur Plag'. Kehrwoche, das ist oft nicht nur Fegen. Das kann
auch heißen: Schneeschippen, Treppewischen, Fensterputzen. Und
wenn's über Sinn und Unsinn solchen Tuns unterschiedliche
Auffassungen gibt, dann kann's innerhalb einer Hausgemeinschaft schon
mal krachen.
Nehmen wir eine ordentliche und vorzeigbare Remstal-Gemeinde - sagen
wir Korb. Und nehmen wir an, es stünde da, schön plaziert unterhalb
der Weinberge, ein Acht-Familien-Haus. Wer da einzieht, kann
eigentlich nichts falsch machen, hat sich auch ein unverheiratetes
Paar, sie 29, er 36, gedacht. Weit gefehlt, wobei das
"Gefälle" zwischen im Haus lebenden Eigentümern
einerseits und Mietern andererseits an sich noch kein Problem wäre.
Wenn, ja wenn da nicht die Kehrwoche wäre, deren pünktliche und
pingelige Einhaltung von einer als Hausverwalterin eingesetzten
schwäbischen Hausfrau und Wohnungseigentümerin vor allem bei den
Mietparteien mit Argusaugen überwacht wird.
In diesem schwäbisch-ehrenwerten Haus herrscht Ordnung. In doppelter
Hinsicht. Gleich zwei Kehrwochenschildchen machen die Runde. Eines
für die kleine Kehrwoche, das unter den Parteien auf dem jeweiligen
Stock kreist, auf dass es vor der eigenen Eingangstür und bis
hinunter zur nächsten Etage immer blitzt und blinkt. Und eines für
die große Kehrwoche, das im Haus im wöchentlichen Rhythmus von
Türe zu Türe wandert und mit dem ein ganzer Katalog von Aufgaben
verbunden ist. Das fängt zwar auch an mit dem klassischen Kehren und
Säubern rund ums Haus, geht dann aber weiter mit dem Treppennasswischen hinunter in den Keller, hört nach dem Putzen der
Fenster im Treppenhaus und in der Waschküche immer noch nicht auf,
sondern schließt auch noch das Abwaschen aller allgemein
zugänglicher Türen und der Briefkästen ein. Und wenn's schneit und
friert, dann heißt's frühmorgens heißa hinaus in das frische Weiß
und auf rutschiges Eis und weg damit.
Ein Idyll also für eine schwäbische Kehrwochenfanatikerin. Nicht
aber für jemand, der die ganze Woche zur Arbeit geht und deshalb -
das Schneeräumen mal außer acht gelassen und gewisse Versäumnisse
da durchaus auch eingestanden - nicht einsieht, warum er einen
geschlagenen halben Tag lang teilweise gar nicht vorhandenen Dreck
wegputzen soll. Wer - zumal in der Waschküche - putzt schon jede
Woche seine Fenster auf Hochglanz? Ganz davon abgesehen, dass die in
diesem reinlichen Haus mit eisernem Besen und öffentlich zum Aushang
gebrachten Sticheleien und Pöbeleien ("Kehrwoche und
Schneeräumpflicht - nein danke!") durchgesetzte Kehrwoche nicht
an einem beliebigen (freien) Nach- oder Vormittag, sondern
obligatorisch am Samstag stattfindet (an dem früher auch noch der
schwäbische Nationalbadetag war). Da ist die Hausgemeinschaft
vereint, da lässt sich dem andern leichter und Finger schauen. Sehen
und gesehen werden, das ist schwäbische Kehrwochenmentalität.
Aber wehe, eine(r) spurt nicht: Dann ist's nur noch ein kurzer Weg
bis zur natürlich nicht im direkten Gespräch, sondern im
Treppenhaustratsch geäußerten Androhung, man werde bei der
nächsten Eigentümerversammlung einen Antrag auf Fremdreinigung
stellen - zu Lasten der kehrwochenmuffelnden Partei. Die sich
ihrerseits über soviel "Engstirnigkeit und Dummheit" nur
wundern kann und sich deshalb hilfesuchend schriftlich an den
Wohnungseigentümer gewandt hat. Zum einen mit der Klage über
schikanöse, an Mobbing grenzende Machenschaften der Verwalterin, zum
anderen mit dem Hinweis darauf, dass sich so eine echte
Hausgemeinschaft nicht entwickeln könne.
Mobben oder gemobbt werden - ist das die schwäbische
Überlebensfrage? Wie halten Sie's persönlich mit der Kehrwoche?
Sind Sie ein leidenschaftlicher Anhänger und fühlen sie sich zu
einer Verteidigungsrede dieser urschwäbischen Errungenschaft
bemüßigt? Sind sie ein entschiedener Gegner und bereit zur mutigen
Kampfansage auf dieses schwäbische Relikt? Die Kehrwoche -
schwäbische Tugend oder schwäbische Unart? Schreiben Sie -
vielleicht in einer ruhigen Viertelstunde während der Feiertage -
Ihre Meinung an den Zeitungsverlag Waiblingen (Redaktion), damit wir
eine gründliche Leserinnen- und Leserdiskussion führen können, um
ein für allemal oder doch zumindest wieder für einige Zeit umumstösslich klären zu können,
ob die Tradition der Kehrwoche
wenigstens im Remstal noch fest verankert ist. Oder ob's schon so
weit ist, dass Reigschmeggde wie die Kollegin aus Wiesbaden frei
heraus und unsanktioniert sagen dürfen, die Kehrwoche sei "der
größte Schwachsinn".
Kleine Kulturkunde für Zuziehende nach
Süddeutschland
Gefunden
unter: http://www.netz-kasten.de/textropolis/texte/eriskirch.htm
Nach einigen Wochen im Süden lebend denkst du, du hast alles erlebt,
was zu einem Kulturschock dazu gehört, aber nein, auch nach zehn
Jahren, gibt es immer noch Situationen, in denen du als Nordlicht
(schließlich bist du oberhalb von Ulm geboren, da fängt der Norden
Deutschlands an) unermüdlich jedes Fettnäpfchen erwischst, obwohl
du inzwischen ja schon immer sehr auf der Hut bist, dich den
ortsüblichen Gegebenheiten anzupassen, um dich bloß nicht gleich
als Neig'schmeckte zu outen.
Schon bei der Unterschrift des Mietvertrages fällt dir das Wort
"Kehrwoche" auf, das bislang noch nicht zu deinem
Wortschatz gehörte. Du lässt dir also von deinem Vermieter in einer
fast unverständlichen Sprache erklären, dass du dich um die
Sauberkeit des Hauses auch außerhalb deiner Wohnung penibelst zu
kümmern hast. Treppenhaus putzen ist jetzt noch nichts
Ungewöhnliches, das hast du ja schon mal gehört, dass es Häuser
gibt, in denen man das machen muss, aber jeden Samstag die Straße
kehren, ist dann doch schon sehr gewöhnungsbedürftig.
Überhaupt ist der Samstag der Schafftag. Du freust dich auf dein
Wochenende und gehst am Samstag gerne mal zum Bummeln in die Stadt
oder auf den Markt und hinterher vielleicht noch mit ein paar
Freunden was trinken oder legst dich einfach in die Sonne mit einem
guten Buch. Weit gefehlt! Am Samstag wird in Süddeutschland mehr
gearbeitet als in der ganzen Woche und es ist der lauteste Tag der
Woche. Da wird das Auto geputzt, auch wenn es vor der Haustür
eigentlich verboten ist, der Garten verschönert, hunderte von
Rasenmähern werden gleichzeitig angeworfen, Hecken geschnitten
(natürlich mit der Motorsäge), Holz für den Kachelofen gehackt,
und vor allem wird nach aller Arbeit die Straße gekehrt, denn am
Sonntag muss es ordentlich im Ort sein.
Überhaupt scheint das Wort "schaffe" nicht nur einem Lied
zu entstammen, sondern der Lebensinhalt der meisten Südlichter zu
sein. Nie siehst du eine Hausfrau ohne Schürze außerhalb des
Hauses, denn sie ist immer beim schaffe. Auch wenn sie gerade mit der
Nachbarin am Zaun steht und klönt, hat sie einen Besen in der Hand,
oder eine Harke oder eine Schaufel, damit nur nicht der Eindruck
entsteht, sie fröhne dem Müßiggang.
Mein kläglicher Versuch mal eine Nachbarin dazu zu überreden, sich
zum Unterhalten doch auf meiner Terrasse zu treffen und ein Tässchen
Kaffee zu trinken, erntete nur unverständliches Kopfschütteln und
die Worte: "So mitten am Tag sitzt man doch nicht auf der
Terrasse".
Dabei fällt mir ein, eigentlich sitzen die Südlichter seltenst auf
ihrer Terrasse, denn am Samstag haben Sie ja keine Zeit wegen dem
"schaffe" und am Sonntag geht man ja die nahe
Verwandtschaft besuchen um sich dort den Bauch vollzuschlagen. Essen
im Restaurant ist übrigens verpönt, denn schließlich ist jede
Südhausfrau selbstverständlich die perfekte Köchin, die jedes
Gericht mit Leichtigkeit auf den Tisch zaubert. Dass sie deshalb am
Sonntagmorgen vier Stunden in der Küche verbringt, fällt den
meisten von ihnen wohl nicht mehr auf.
Also blickst du im Süden unserer Lande auf Häuser mit perfekt
angelegten Gärten, supersauberen Autos, megaordentlichen Terrassen
und vor allem auf Fenster mit allen Arten von Gardinen, die der
Erdball zu bieten hat, denn Gardinen sind eminent wichtig für ein
ordentliches Haus.
Gut, du bist ein Nordlicht und magst Gardinen nicht, dann beschaffst
du dir Metallrollos, die zum einen gut aussehen und zum anderen ihren
Zweck als Sichtschutz durchaus perfekt erfüllen. Was passiert? Wenn
du großes Pech hast, so wie wir, bekommst du Besuch vom
Bürgermeister deiner Gemeinde, der dich darüber in Kenntnis setzt,
dass die Nachbarschaft sich über die unsittliche Fensterabdeckung
beschwert hat und es nett wäre, wenn wir uns mit ordentlichen
Gardinen doch bitte dem Ortsbild anpassen. Der Bürgermeister ist
jung und grinst, aber trotzdem traut er sich mit so was zu uns, obwohl
im nächsten Monat Bürgermeisterwahlen sind.
Vorsichtiges Nachfragen in der Nachbarschaft ergibt dann aber, dass
speziell eine Dame ihren Gatten mehrfach dabei erwischt hat, wie er
im Garten stand und in unsere nicht ganz geschlossenen Rollos
glotzte. Das bringt mein Weltbild doch wieder etwas mehr ins Lot,
denn nun mache ich die Rollos extra nicht mehr zu und erleuchte doch
gerne die Zimmer dahinter besonders hell. Irgendwann wird sie sich
dran gewöhnt haben.
Soweit zum Kulturschock im Süden, der natürlich noch durch weitere
Fortsetzungen zum Thema Beruf, Arbeitseinstellung, Speisen und
Getränke usw. ergänzt werden kann und eventuell auch wird.
Eine Bitte noch an alle Nordlichter: Denkt immer daran, ihr seid die
Neig'schmeckten, die eine gewachsene Kultur vorfinden. Auch ihr
werdet und sollt diese Kultur nicht verändern!!!
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