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Ond no meh' Meedala
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Nachdem
sich auch der dritte Sturm gelegt hat, habe ich nochmals Mut über
weitere schwäbische Eigenheiten zu schreiben.
Denn, obwohl ich mich in vielen Dingen für einen in
der Wolle gefärbten Schwaben halte und auch noch das uralte
Bauernschwäbisch verstehen und sprechen kann, gehen mir doch etliche
Angewohnheiten meiner Mitschwaben mitunter auf den Geist:
Thema: Gotzig, donderschlächtig und
gottsmillionisch
Der Schwabe neigt bekanntlich zu permanentem Understatement: 'Mir
send grad in a ganz netts Häusle noch Schduagard zoga' bedeutet in
aller Regel 'Wir haben eine aufwendig renovierte Villa in Stuttgarter
Halbhöhelage bezogen.'
In kleinen Dingen aber liebt es der Schwabe seine Aussagen zu
dramatisieren. 'Dia Bretzla beim Bäckr send donderschlächtig deier
worda' deutet auf einen Anstieg des Verkaufspreises um mindestens 1 Cent
hin.
Wer von einem Regenguss überrascht wurde, wird das sicherlich so erzählen.
'Auf oin Schlag hodds gottsmillionisch zom regna afanga, nô hodds au
noch donderschlächtig gwindet, dass e bald koin gotziga trockena Fada
am Leib ghett hann ond soichnass hoimkomma ben.'
Gotzig ist im übrigen eine jener merkwürdigen Vokabeln, die es nur
im Schwäbischen gibt und bedeutet eine Steigerung von allein oder
einzig: 'Dr Opa hodd koin gotziga Zahn mehr en dr Gosch.' Gotzig ist
entstanden aus dem alten Wort 'gotteseinzig' und wurde schwäbisch-mundfaul
zu gotzig abgeschliffen. Wie allgegenwärtig Gott früher in der Sprache
war, zeit sich auch in anderen Steigerungen, wie gottsallmächtig,
gottsmillionisch, gottserbärmlich, gottesjämmerlich, gottesunglücklich
oder gottfroh.
Übertreibungen (oder sollte man besser sagen bildhafte Sprache)
findet sich sehr oft im Schwäbischen. Wenn meine Mutter vom letzten
Stadtbummel berichtete, dann hört sich das so an: 'Geschdern hanne me
midd ledschdr Kraft en d´Schdadt gschleppt ond bin iberall
romgschbronga. En jedam Lada wars goddsmillionisch voll. Nô hanne all
dia Gugga midd bluadonderlaufene Nägel hoimtraga ond bin donôch
donderschlächtig miad gwä.'
Übertreibungen bekämpfen auch nicht selten ein schlechtes
Gewissen: 'Mir isch geschdern hondselend gwä, außerdem hanne
goddsmillionisch schbugga miassa ond ben älle baar Minudda goddsjämmerlich
zom Gloh gbschronga.' wird jemand vorbringen, der am Montag nicht im
Geschäft war und diese kurzfristige Krankheit plausibel machen muss.
Thema: Bruddla (=Herummeckern)
Nichts macht der Schwabe lieber, als rômzubruddla, also sich
über Gott und die Welt zu beklagen, um dabei eigentlich vergessen zu
machen, dass es ihm saugut geht.
Der Bruddler lässt seinem Ärger nie lauthals freien Lauf, er mault
vielmehr leise vor sich hin, manchmal gerade noch laut genug, um
verstanden zu werden, manchmal aber auch für andere unverständlich wie
im Selbstgespräch. Hier zeigt sich die melancholische Seite des
Schwaben, seine verschämte Sentimentalität und sein verstecktes
Selbstmitleid. Nichts und niemand kann ihn in dieser Stimmung
aufmuntern, er ist mit Gott und der Welt und besonders mit sich selbst
uneins.
Wenn ein Bauer eine hervorragende Ernte einfährt und daraufhin beglückwünscht
wird, sagt er bestimmt: "Guggat Se abbr, wia ausglaugt s' Ärdreich
isch". Erhöht die Regierung die Steuern, jammert es allenthalben
"Dia saugad ôns nô vollends aus", gibt es aber
Steuerentlastungen, dann werden Sie unweigerlich die Worte hören:
"Vo was wellad dia denn die Schulda zaahla ?". Der Schwabe in
seiner permanenten Ambivalenz, der ständigen Versuchung von allen
Dingen zwei Seiten zu sehen und zu respektieren, kann gar nie zufrieden
sein. Und will es auch gar nicht, "sonsch gääbs jô nex zôm
bruddla !"
Thema: Küche und Keller
Was viele nicht wissen, die meisten mit Sternen ausgezeichneten
Lokale liegen in Baden-Württemberg, allerdings die Majorität davon
im badischen Ausland. Ein augenfälliger Beweis für das mir schon
immer aufgefallene kulinarische Nord-Südgefälle in Deutschland.
Ich behaupte, dass die
baden-württembergische Küche eine der abwechslungsreichsten und
phantasievollsten in Europa ist und im Zusammenspiel mit den
wunderbaren trockenen einheimischen Weinen eine herrliche Kombination
eingeht.
Daher ärgert es mich, wenn immer
weniger Restaurants schwäbische Gerichte anbieten. Hier gehen
menschliche Wurzeln verloren, ein Stück Bindung mit der Region.
Geschäftsbesucher aus dem Norden sind immer ganz versessen auf
Beispiele der einheimischen Küche, aber wo findet man noch ein typisch
schwäbisches Lokal, wo die Bedienung und der Koch schwäbisch
schwätzen und schwäbisches Essen servieren ?
Selbst meinen Eltern schien es einige Jahre
eher peinlich zu sein, Besuchern schwäbische Küche anzubieten. "Was
däädad au d´Gäschd denga?". Dabei gibt sie noch, die urschwäbischen
Lokale: Als ich neulich im 'Knausbira Stüble' in Hedelfingen
Geburtstag feierte und meine Mutter die Wirtin fragte, ob eines der
verblichenen Schwarz-Weiß-Fotos an der Wand ihr Bild als Schulkind
sei, meinte diese ganz trocken: 'Noi, bei mir hodds scho Farbfoddos
gäba!'.
Wie schon gesagt, ist die schwäbische Küche reich an
Besonderheiten, die jedoch gar nicht so einfach zu erklären sind und
daher einen Schwaben immer wieder in Erklärungsnotstand bringen:
Ein Roschdbrôôda (Rostbraten) ist nicht rostig und wird auch in
der Pfanne, nicht auf dem Rost gebraten. Buabaspitzla (Bubenspitzle)
sind nicht das Ergebnis von Kannibalismus an den Geschlechtsorganen
kleiner Buben, sondern das optisch ähnlich aussehende Ergebnis aus
Nudel- und Kartoffelteig, nämlich Schupfnudeln, köstlich im
Zusammenspiel mit Sauerkraut.
Nonnafürzla (Nonnenfürzle) sind keineswegs Blähungen im
Frauenkloster, sondern im Gegenteil ein sehr leckerer und luftiger
Nachtisch, ebenso wie Pfitzauf, der kein Ravensburger-Spiel ist, sondern
Brandteig in speziellen Förmchen ausgebacken.
An was Sie bei Katzagschroi denken, überlasse ich Ihrer Phantasie,
aber im Schwäbischen versteht man darunter eine köstliche Speise aus
kaltem dünngeschnittenem Rindfleisch und Eiern.
Flädlessupp, eine Suppe aus Fladen (?), ja fast: Eine köstliche
Suppe aus dünnen Pfannkuchenstreifen, schmeckt ähnlich gut wie die
Ei'lauf-Suppe. Das hat nichts mit Klistier usw. zu tun, sondern damit,
dass Eier, Mehl und Wasser verrührt und dann durch ein Sieb in kochende
Brühe passiert werden, also neilaufa.
Mauldascha, meine Leibspeise, haben weder was mit Mäulern, noch mit
Taschen zu tun, sondern sind die schwäbische Antwort auf Raviolis, nur
besser: Nudelteig gefüllt mit Bratwurstbrät, gehacktem Spinat,
Petersilie (=Pederleng), Eiern und vielen weiteren Zutaten.
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