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schwabissimo - die schwäbischen Momente im Netz !


schwabissimo - die schwäbischen Momente im Netz ! 

Ond no meh' Meedala


 

Nachdem sich auch der zweite Sturm gelegt hat, habe ich nochmals Mut über weitere schwäbische Eigenheiten zu schreiben.

Denn, obwohl ich mich in vielen Dingen für einen in der Wolle gefärbten Schwaben halte und auch noch das uralte Bauernschwäbisch verstehen und sprechen kann, gehen mir doch etliche Angewohnheiten meiner Mitschwaben mitunter auf den Geist:

Thema: 'Leck me am Arsch'
Der Götz von Berlichingen (ja, der mit der eisernen Hand im Schauspiel von Johann Wolfgang von Goethe) darf es jedes Jahr auf den Burgfestspielen aus dem Fenster rufen: "Vor Ihro Kaiserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er aber, sag's ihm, er kann mich im Arsche lecken!'"

Der Schwabe hat sich aus dieser Aufforderung eine ganze Reihe von Bedeutungen gezimmert. Wenn Sie zum Beispiel nach vielen Jahren einen schwäbischen Bekannten wieder treffen und er Sie mit den Worten 'Ja, jedz legg me doch glei am Arsch, dr Paul' begrüßt, dann soll das nur seine Überraschung und Verblüffung ausdrücken.

Und 'Jedz legg me doch glei am Arsch, beinah hädd´e an Ofall ghedd' ist sowieso positiv gemeint, kann aber auch für das Gegenteil herhalten 'Legg me am Arsch, hôdd mi des Mädle ausgnomma'.

Als ein Schwabe um Rat gefragt wurde, ob man einem gemeinsamen Freund Geld leihen sollte, der allgemein als eher unzuverlässig galt, gab er den Rat: 'Sag em doch oifach, legg me am Arsch.'

Thema: Höllentrip bei Feinkost Zipp
Der  moderne Dienstleistungsgedanke und die alte schwäbische Sprache bieten ein enormes Konflikt- Potential, gerade beim Bäcker. Ein Beispiel:

Verkäufer: 'Was griagad Sia ?' - Dies impliziert schon den unterschwelligen Vorwurf, der Käufer verlasse wohl gerade den pietistischen entsagenden Weg und gebe sich hemmungslosem Konsum hin. Zudem zwinge er ja den Verkäufer gerade, den lautstarken Gedankenaustausch mit dem übrigen Verkaufspersonal zu Ende zu bringen.

Käufer: 'I hädd gern a Roggabrot' - Nun wird der Norddeutsche sagen, ja dann kaufen Sie es doch, aber verkennt die relative Höflichkeit in diesen Worten. Denn der Schwabe will nicht etwas, 'er hädd gern' oder er sagt ganz einfach: 'I kriag a Roggabrot'.

Verkäufer: 'Solle's ei'schlaga ?' - Freiwillig geht da gar nichts, das üblich Verpacken der Ware wird nur nach Aufforderung durch den Käufer vorgenommen. Schließlich ist Verpackungsmaterial teuer und eigentlich bringt ein 'anschdändiger' Kunde sein Einwickelpapier vom letzten Einkauf sauber gefaltet wieder mit.

Käufer: 'Au ja, des wär nett' - Für Selbstverständlichkeiten gibt es keinen Dank, daher am besten ein schwäbischer Konjunktiv ..

Verkäufer: 'Derf's sonsch no was sei ?' - Natürlich würde der Verkäufer seinen Umsatz weiter steigern. Ist sein Laden gerade leer, drängt er hiermit dem Kunden ein schlechtes Gewissen auf, nur so wenig zu kaufen. Und ist das Geschäft dagegen überfüllt, suggeriert er dem Kunden ein noch schlechteres Gewissen, den Kaufvorgang nicht zügig abzuschließen.

Käufer: 'Dange, des wär' s' - Ein Schwabe liebt es, sich eher wage auszudrücken und die Aussage, 'Ich habe alle meine Einkäufe getätigt, das war dann' ist ihm ein Gräuel. Also, 'des wär's denn'

Verkäufer: 'Brauchat Se nô a Gugg ?' - Da schwingt bereits Kritik mit: Einfach so einzukaufen, ohne eine Gugg, also eine Plastiktüte, mitzunehmen. Sich einfach auf das teuer erworbene Verpackungs- Material des Bäckers zu verlassen!

Käufer: 'Noi, I nemm's so' - Wer will schon als Müll-Schwein gebrandmarkt werden. Da nimmt man lieber das Brot so unter den Arm .. und ärgert sich schon wenigen Metern, wenn das dünne Einwickelpapier im Wind davonflattert.

Verkäufer: 'Macht Zwoi dreissig, henn Se's dreissig Cend gloi ?' - Also wirklich, nur ein Brot zu kaufen und dann auch noch Wechselgeld, geschweige denn Kopfrechnen des 'Rausgelds' vom Verkäufer zu erwarten ist ja wohl eine dreiste Zumutung.

Käufer: 'So, bis morga, scheena Dag !' - Mehr als ein Brot brauche ich halt nicht, aber dafür gelobe ich, allen Verlockungen der Konkurrenz zu Trotz, morgen wieder diesen Eiertanz an gleicher Stelle aufzuführen.

Verkäufer: 'Adee, wer kommt ?'

Thema: Fei !!!!
So sehr der Schwabe zu einer eher konzilianten Betrachtungsweise neigt (zumindest aus seiner Sicht), so sehr liebt er es, (vermeintliche) Überlegenheit verbal auszudrücken. Dabei hilft ihm das kleine Wort 'fei', vor dem ich jeden Nichtschwaben nur warnen kann.

Angenommen Sie suchen einen Parkplatz und stellen in höchster Not Ihr Auto für einige Minuten vor einer Garagenausfahrt ab. Sofort wird sich ein Fenster öffnen ..  und Sie werden hören:

a) : "Dô derfat Sia eigendlich net parka !" - Das ist die Garagenausfahrt meines Nachbarn, den kann ich gar nicht leiden. Das gescheht dem recht, wenn er nun nicht rausfahren kann.

b) : "Dô derfat Sia net parka !" - Das ist meine Garagenausfahrt. Ich werde zwar heute meinen Wagen nicht mehr benötigen, aber 'mei Sach isch mei Sach' und deshalb will ich jetzt 'a bissle bruddla'

c) : "Dô derfat Sia  f e i   net parka !" - Das ist meine Garagenausfahrt. Gerade ich die Polizei, den ADAC, den Abschleppwagen, das Technische Hilfswerk und die Bundeswehr alarmiert. Ihre Autonummer ist notiert, das wird ein Nachspiel haben.

Bei fei wird es immer gefährlich, da kennt der Schwabe keine Kompromisse mehr. Sagt ein Schwabe 'Des isch mir fei z'deier!' beim Metzger, dann hilft dem Metzger kein Hinweis auf die Agrar-Situation, die Mietpreise in der Stadt oder gar die Aufpreispolitik von Daimler-Benz, dieser Kunde wird beleidigt den Laden verlassen und überall verkünden: 'Dr Metzgr hodd's scheint's au nemme nedig!'.

Bei 'Dô kamm'r fei nix macha !' ist jeder Widerspruch zwecklos, weil 'Dô isch fei ällas gwätzt', und wenn Sie weiter insistieren, dann 'isch fei glei s'Heu vollends dônda'.

Wenn Sie mit einem Schwaben streiten und plötzlich hören 'Jetzt langt mr's fei!', dann wundern Sie sich nicht, wenn Sie am nächsten Morgen mit einer Duellpistole und klopfendem Herzen Rücken an Rücken mit Ihrem Kontrahenten auf einer Waldlichtung stehen.

Ich habe Sie fei gewarnt !

Thema: Reizthema 'Trollinger'
Fast jeder Schwabe hat eine angeborene Affinität zu Trollinger. Böse Zungen behaupten, man würde bereits Säuglingen diesen Wein verabreichen, denn er sei ja leichter als Milch und fast so gut wie  Bodensee-Wasser.

Aufgrund seines hohen Ertrages (dank meist fehlenden Rückschnitt) ist ein Trollinger aus dem Unterland oder dem Remstal ein eher dünnes, blassrotes Tröpfchen, das am besten zu herzhaftem Essen und deftigem Vesper schmeckt.

Dann fällt nämlich am wenigsten auf, dass der gemeine Trollinger sowohl in Nase als auch Gaumen nichtssagend und wenig genussverheißend wirkt.

Gott sei Dank gibt es Winzer, die dem Trollinger mehr Sorgfalt angedeihen lassen und bemerkenswerte Weine herausbringen, aber die große Menge der Trollinger sind nur dann zu konsumieren, wenn man schon lange keinen 'richtigen' Wein mehr getrunken hat.

Trotzdem hat jeder Schwabe das Grundbedürfnis 'seinen Trollinger' zu verteidigen, auch wenn der Wein nicht halb so rot ist, wie der Brust-Ring beim VfB. Und auch der hartgesottenste Trollinger-Freund freut sich, wenn er auf der Speisekarte einen 'Trollinger mit Lemberger' vorfindet. Dann sieht der Trollinger wenigstens wie Wein aus ...

Also, sagen Sie fei bloß nichts gegen unsere Trollinger !

 
 

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