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No meh' Meedala
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Nachdem
sich der erste Sturm gelegt hat, habe ich wieder Mut über weitere
schwäbische Eigenheiten zu schreiben.
Denn, obwohl ich mich in vielen Dingen für einen in
der Wolle gefärbten Schwaben halte und auch noch das uralte
Bauernschwäbisch verstehen und sprechen kann, gehen mir doch etliche
Angewohnheiten meiner Mitschwaben mitunter auf den Geist:
Thema: Jetzt heißt es 'Kröten zu
schlucken'
In einigen Zuschriften wird mir immer vorgehalten, meine Art das
Schwäbische zu schreiben sei 'groddafalsch', mit 'Krötenunrichtig' ist
das übrigens nur unzureichend übersetzt ..
Kröten gehören nun nicht gerade zu meinen Lieblingstieren, gerade
deshalb bewundere ich Menschen, die bei den Krötenwanderungen immer mit
viel Liebe und Aufwand diese Absperrungen an den Strassen vornehmen,
aber Tierliebe ist ja nie 'groddafalsch'.
'Groddafalsch' heisst also auf gut schwäbisch 'völlig falsch' oder
'total unrichtig', so wie alle anderen Worte mit 'grodda..' ebenfalls
eine Steigerung des Grundwortes nach sich ziehen: 'groddabroid,
groddaschlecht, groddalahm, groddavoll, groddaweich, groddamüd'.
'Groddabroid romhogga', das machen nur die Reigschmeckten, denn es
bedeutet sich am Tisch sehr breit zu machen und keine Anstalten zu
treffen, die Arbeit wieder aufzunehmen. 'Dô kennd oim groddaschlechd
wärda, we´mr dess siehd', wäre so ein typischer schwäbischer
Komentar zu so unverständlichem Tischbetragen.
Eine Steigerung von 'groddafalsch' gibt es auch, nämlich 'groddagwiegsrfalsch',
mehr falsch geht dann nicht mehr.
Ein kleines Mädchen bezeichnet man gerne als 'siasse Grodd', in
reiferem Alter entpuppt sich allerdings manche 'siasse Grodd' als 'groddafalsches
Mensch'.
Die Welt ist halt manchmal 'groddaschlecht'.
Thema: Drumherumreden (=Dromromschätza)
Ebenso
erfinderisch wie lautmalerisch sind die Antworten eines Schwaben, wenn
Sie ihn fragen, was er gerade macht: 'A Nixle em`a Bixle ond a
goldn`s Schlissale dran' oder 'A Deichsl an d`Suppaschissl'
oder 'Am Goggeler Hosa'. Er mag halt nicht rauslassen, was ihn
bewegt und lenkt dann gerne vom Thema ab.
Auch
die schwäbische Hausfrau kennt Ausflüchte, wenn sie nach der
nächsten Mahlzeit gefragt wird: 'Eigmachde Kellerschdäffala ond
saure Amoisagnui' oder 'Backene Kuhflada ond Mugga-Ärsch'.
Fragen
Sie einen Schwaben, der mit hochrotem Kopf im Garten rackert, was denn
da tue, wird er bestimmt sagen 'Nedd viel'. Wichtig ist, dass
man arbeitet, aber man sollte sich auch nicht dabei erwischen lassen,
dass Arbeit in Arbeit ausartet, denn dann könnte man ja denken, man
könnte nicht richtig schaffen. Und das wäre das schlimmste
überhaupt.
Also,
besser niemanden in die Karten sehen lassen. Ob es viel Arbeit war,
alle meine Seiten zu erstellen, fragen Sie ? Noi. faschd nedd !
Thema: Geischdweis rausschwäddza (=gedanklenlos reden)
Treffen sich zwei Schwaben auf dem Markt, beim Einkaufen, im Garten
oder sonst wo, wünschen sie sich in den seltensten Fällen den
üblichen Guten Tag. Stattdessen werden sofort hirnlose
Gemeinplätze ausgetauscht, z.B. "So, au em Einkaufa",
oder "So, au am schaffa" oder als Krönung "So,
au dôo?".
Selbst bei einem Zusammentreffen beim
sonntäglichen Spaziergang darf nie der Eindruck von Müßiggang
enstehen, also sagt man "So, wiedr amôl nacham rechda gugga,
ha?" oder noch besser "I hanns arrg pressand, i muss
heid nomôl ens Gschäffd". Wichtig ist vor allem, den
Eindruck der Geschäftigkeit zu erwecken und vor einer möglichen
Antwort das Weite zu suchen.
In diesen Zusammenhang passt vielleicht
auch noch das Vorurteil, dass schwäbische Ehemänner am Hochzeitstag
nur vier Worte benötigen: "Ja scho" in der Kirche,
"Sodele" vor dem Mittagessen und "Etzad",
wenn er abends die Hosenträger abstreift.
Thema: Der Garten rund ums Haus
Schwaben haben ganz eigene Vorstellungen von einem Garten rund ums
eigene Heim:
Vor dem Haus eine öde
Rasenfläche, die laufend auf 3-Tagebart- Höhe gehalten wird,
umrahmt von einer noch öderen Ligusterhecke hinter einem dunkelbraun
gestrichenen Jägerzaun.
Hinter dem Haus wird kein Blumenschnickschnack
angepflanzt, sondern echte schwäbische Nutzpflanzen: Breschdlinge
(Erdbeeren), Gogommerle (Gurken), Grombiera (Kartoffeln)
oder Dreibla (Johannisbeeren). Alle verwertbaren
Gartenerzeugnisse werden für schlechte Zeiten und/oder kommende
Generationen aufbewahrt, also alles Obst wird zu "Gsälz"
(Marmelade) oder Saft verarbeitet, das Gemüse eingeweckt (ei'gmacht)
oder einlagert.
Sollte wirklich ein Krieg drohen, wird man zu den
ersten Kriegstoten gehören, einzig und allein durch den Genuss der
selbsteingemachten (und dann abgelaufenen) Konserven.
Thema: Treppenhaus-Automat (= Strom sparen
für Schwaben)
Sie kommen spät nachts nach Hause, machen die Treppenhaus- Beleuchtung
an, suchen nach dem Haustürschlüssel und steigen das Treppenhaus
hoch. Kurz vor dem Erreichen Ihrer Wohnungstür geht schlagartig das
Licht aus und Sie tappen im Dunkeln an den stachligen Kakteen Ihrer
Nachbarin vorbei, stolpern über Türläufer, tasten mit blutigen
Fingerkuppen nach dem Lichtschalter und klingeln dann Ihre Kinder aus
dem Schlaf ..
Jetzt haben Sie Bekanntschaft mit der schwäbischen
Variante der Treppenhaus-Beleuchtung gemacht ! Der Treppenhaus-Automat
dreht nach einer gewissen Zeit automatisch den Strom ab und verhindert,
dass die Beleuchtung unnütz weiterbrennt. Jeder Hausbesitzer setzt nun
seinen ganzen Ehrgeiz hinein, den Abschaltzeitpunkt so knapp wie
möglich zu halten, 'dr'Schdrohm isch so deier!'. In der Regel
haben nur Erdgeschossbewohner, die sich einer strammen Gangart
befleissigen, die Chance ihre Wohnung bei Licht zu erreichen.
A pro pos, leider gibt es keine 10-Watt-Birnen,
aber die überall verwendeten 15-Watt-Funzeln verbreiten ein
Treppenhauslicht, das depressionsgefährdete Menschen an den nächsten
Termin mit dem Therapeuten denken lässt und ansonsten nur noch in
Leichenhallen auf dem Land anzutreffen ist.
Wohnen Sie also in einem der höheren Geschosse,
sollten Sie sich vom ersten Tage an genau die Lage der Lichtschalter
im Treppenhaus einprägen, damit Sie diese bei der schlagartig
einsetzenden Finsternis wiederfinden können.
Die Lichtschalter sind fast immer in Tateinheit
mit der Türglocke installiert, aber leider mal darüber und mal
darunter. Die Gefahr zu nachtschlafender Zeit einen Nachbarn aus dem
Bett zu klingeln, lässt einen dann tapfer im Dunklen nach oben tappern
..
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