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Meedala & Eigenarten
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Meedala sagt der Schwabe zu den mehr oder weniger liebenswürdigen
Eigenheiten seiner Mitmenschen. Tatsächlich neigt kein Volksstamm,
außer vielleicht den Briten, zu solch typischen und manchmal
unverständlichen Verhaltensweisen wie die Schwaben.
Obwohl ich mich in vielen Dingen für einen in der
Wolle gefärbten Schwaben halte und auch noch das uralte
Bauernschwäbisch verstehen und sprechen kann, das so klingt, als
hätte man eine Klobürste verschluckt, gehen mir doch etliche
Angewohnheiten meiner Mitschwaben mitunter auf den Zeiger:
Thema:
Schwäbische Entschuldigungen
Erwarten Sie von einem Schwaben nie eine Entschuldigung, schon gar keine
wortreiche. Angenommen, es tritt Ihnen in der Straßenbahn ein Mann auf
den Fuß, dann gilt hierzulande schon ein kurzes 'Hobbla' als ausreichende
Verzeihung. Zudem wird erwartet, dass Sie diese ausufernde Höflichkeit mit dem
Satz 'Nix bassierd' genügend würdigen.
Mit dem Gebrauch von 'biddschee' (bitte) und 'dangschee' (danke)
spielt man schon in der Höflichkeits-Bundesliga, der normale Schwabe
sagt eigentlich nur noch 'Kô e nô a Bier han?' und erhält dann die Antwort 'Scho
rächd, kommd glei.'
Als mir vor Jahren in einem italienischen Straßencafe in der
Stuttgarter Stadtmitte ein Kellner den kompletten Inhalt seines
Servierbretts über die Hose kippte, meinte der Übeltäter nur achselzuckend 'Dschuldigung'
und entschwand. Auf mein weiteres Insistieren nach Hilfe beim
Trockenlegen tat der Inhaber sein Bedauern mit den Worten 'Deesch mr
abbr arg' kund und reichte dann Papiertücher an. Normalerweise würde
man hierzulande auf so viel Freundlichkeit mit 'Dess hädds doch net
breichd' antworten, aber mit nassen Hosen denkt man mehr hochdeutsch.
Thema:
Dauerbrenner 'Ha no'
Die beiden Buchstaben H und A bilden zusammen eine der meistbenützten
schwäbischen Floskeln im Alltag. Warum? 'Ha no, dees isch halt so!'
Bei jedem Gespräch mit einem Schwaben über Politik oder
Philosophie oder die Brezel-Preise wird garantiert der Moment kommen, wo
Ihr Gegenüber den nächsten Satz mit 'Ha no, ..' beginnt. In diesem
Fall hat das 'Ha no' eine bestärkende oder bedauernde Bedeutung: 'Ha
no, s'isch hald älles nemme dees ..'.
Aber 'Ha no' kann auch Erstaunen, Empörung, Ungeduld oder
Zustimmung ausdrücken. Manchmal verschaffen die beiden Wörtchen auch
nur eine Denkpause: 'Warom lachsch denn so saudomm?' - 'Ha no, i
lach doch emmer so.'
Wo man sich Andernorts aufplustert 'Das wäre ja noch mal schöner!',
genügt dem Schwaben ein bedrohlich grollendes 'Ha no!'. Wo die
Nichtschwäbin ihr Erstaunen in die (leider oft unzutreffende) Versprechung
fasst: 'Jetzt bin ich aber wirklich sprachlos!', reicht der Schwäbin
ein kurzes 'Ha no!?'.
Tollt eine Horde Jugendlicher in Straßenbahn herum, wird es nicht
lange dauern, bis ein Schwabe aus einer Ecke statt 'Jetzt wird es mir
aber allmählich zu bunt!' drohend 'Ha no!' grummelt. Und sollten sich
die Jugendlichen daraufhin (entgegen aller Lebenserfahrung) für den
Lärm entschuldigen, reicht ein kurzes 'Ha no, drôm sagts mr jô em
Guada.' als Antwort.
In meiner Familie pflegen die Frauen fast jedes 'Nein' mit der
Formulierung 'Ha noi' zu verstärken. Das ist dann keine asiatische
Stadt, sondern ein abschließendes, unverrückbares Nein: 'Ha noi, des
gibst hier net, dass mr jetzt nô en Disko gôht!.' oder 'Ha noi, mei
Mann däd des net!'.
Mit der Floskel 'Ha waas!', oft auch zu 'A wa!' verkürzt, zeigt der
Schwabe Unwille oder Zweifel an: 'A wa, gangad Se weg, dia
Heizeel-Preise bleibad so hoch!.' oder 'Ha waas, jetzt kanne gar nemme,
geschdern hodds zwoi Bretzla fir an Eiro gäba ond Ih hanns net
mitgriagt!'
Thema: Samstägliches Rasenmähen
Aus mir unerklärlichen Gründen gibt es das schwäbische Gesetz des Mono-Rasismus.
Das heißt am Samstag-Nachmittag muss der Rasen geschnitten werden,
wogegen ja nichts einzuwenden ist.
Allerdings darf immer nur ein
Rasenmäher gleichzeitig in der Nachbarschaft betrieben werden, so
dass nacheinander Garten um Garten in Form gebracht wird und der
Lärmpegel von 14 bis 21 Uhr auf gleichbleibend hohem Niveau verharrt.
Vermutlich möchte jeder Schwabe bei der
würdevollen Tätigkeit seiner Vorgartenpflege zumindest für eine
halbe Stunde die ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Dazu gehört auch, dass natürlich kein 'elegdrischer' Mäher,
sondern die getunte Turbodiesel-Version mit 5,2 PS zum Einsatz kommt.
Eine Schwabe gibt im Herbst seinen Mäher nicht zum Kundendienst ('Dees
koschd viel ond bringd nix'), sondern erledigt das selbst. Ergebnis: Der
Mäher ('Ja so a Glomb, a verreckts') springt schlecht an, stinkt 'wia'd
Sau' und macht dann einen Höllenkrach.
Thema: Halb ist oft mehr als ganz
Stellen Sie sich vor, ihr Auto gibt merkwürdige Geräusche von sich und
Sie fahren in die Werkstatt:
Der Meister beugt sich mit kundigem Ohr in den Motorraum und sagt dann:
'Dees Audo isch hee'. Seien Sie froh, die Rechnung wird sich noch im
ohnmachtsfreien Raum bewegen. Sagt er jedoch mit sorgenvoller Stirn 'Dees
Auto isch halba hee.', dann wird es richtig teuer, denn jetzt ist ihr
Auto 'richdig heening', also ziemlich kaputt.
'Hee' bedeutet soviel wie kaputt, erschöpft oder auch tot und ist
sowohl für Dinge vom Kugelschreiber bis zur Mercedes S-Klasse als auch für
Lebewesen aller Art einzusetzen. Ein wütender Schwabe wird Ihnen drohen: 'Birschle,
i schlag de hee!', und das ist noch im Guten gemeint. Denn wenn er seine
Drohung wahr macht, sind Sie vielleicht 'halba hee'.
Oder aber sich lachen sich 'halba hee' über diese haltlose
Drohung, was den Schwaben dann wieder 'halber heeärgera' würde, also
däd. Wenn meine Mutter sagt, sie sei 'emmr so hee', dann ist das kein
Grund zur Besorgnis. Die stellt sich aber umgehend ein, wenn sie sagt, sie 'sei
emmer halba hee.'
Auch der Dackel wird in der 50-Prozent Version gemeiner. Der
Halbdackel (oder der Halbseckel) sind die bösesten schwäbischen
Schimpfworte. Bei den Worten 'Komm blos her, Dua Halbdaggl' liegen die
Hiebe schon in der Luft, man kann quasi 'scho halba dia Schlägerei vor
seim gaischdiga Aug seha'.
Wenn Sie den Prügeln entgehen wollen, dann sollten Sie am besten
weglaufen, zum Beispiel den nächsten Berg hoch, 'so bis halba doba.'
Thema: Schaffa, schaffa
Ein Schwabe arbeitet nicht: er schafft. Beim Daimler, em
Gaarda oder wia d´Sau, Hauptsache: er schafft. Nur wenn das 'Schaffa a
Gschäfd wurd', dann stöhnt man: 'Isch dees a Arbadd!'.
Wo man in Norddeutschland erst arbeitet und dann geschafft ist, wird
hierzulande erst gschafft, und wenn man dann gschafft hodd, ist man hee,
wenigstens aber 'halbe hee', also schlagskaputt.
Für die Arbeit im herkömmlichen Sinne haben die Schwaben ein anderes Substantiv, das von schaffen kommt: das
Gschäft. Nicht zu verwechseln mit dem Gschäft im Sinne von Laden oder Profit,
so pflege ich morgens nicht 'ins Büro' zu gehen, sondern 'ens Gschäft'.
Denn jedes Schwabenkind hat schon früh die Erkenntnis, dass der, der das das Gschäft hat,
selten auch das Gschäft macht und man sagt daher: 'Vom Schaffe wird koinr
reich.' Aber wegen des Geldes schafft der Schwabe ja nicht, sondern weil es sich so
gehört, weil es halt alle so machen.
Eine schlechte Arbeit tadelt man 'Dees isch koi Ärbad edd!' und wer
die Arbeit nicht erfunden hat, 'der hodd koin Schaffgoischd.', 'isch
hald net schaffig.'
Größtes Kompliment für eine schwäbische Hausfrau ist denn auch
nicht eine Zuwendung wie 'Dia siehd jô sauguad aus!', sondern 'Ha dui
kô schaffa.'
Und über eine Frau, die so gar keinen Zugang zur Arbeit findet,
sagt man 'Dui mechd am Bedd mee hee, als Gotts Will isch.'
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