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Laugenbrezeln
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Die köstliche schwäbische (Laugen)-Brezel
Solange
ich denken kann, ist die Laugenbrezel ein fundamentaler Bestandteil jedes
Vespers, vieler Frühstückspausen und (zusammen mit einem Gläschen
Sekt) der Hauptgang kleiner Firmenfeiern.
Ich persönlich schätze eine Brezel mehr, wenn sie weich
ist, auch die 'Füßle' (also der dünnere Teil), stehe mit dieser
Vorliebe aber ziemlich allein da. Die Mehrheit der Schwaben bevorzugt die
Brezel knusprig und stark mit Salz bestreut, was ich nun wiederum mühsam
abkratzen muss.
Leider ist es heutzutage schwierig, eine gute
Brezel zu erwerben, denn die vielen Großbäckereien drücken mit
vorgebackenen und aufgebackenen Schweinereien den Durchschnitt. Die
besten Brezeln in Degerloch bekomme ich derzeit
auf dem Wochenmarkt.
Der ehemalige, in der Bevölkerung immer noch zu Recht sehr
beliebte, Stuttgarter Bürgermeisters Manfred Rommel erklärt die
Herkunft der schwäbischen Klugheit über die Brezel:
Der
Schwaben Klugheit? Dieses Rätsel,
die Lösung heißt: Die Laugenbrezel.
Schon trocken gibt dem Hirn sie Kraft,
Mit Butter wirkt sie fabelhaft,
erleuchtet mit der Weisheit Fackel,
noch das Gehirn vom größten Dackel !
Interessanterweise findet sich dazu im Internet folgender
Stoßseufzer:
Ich mag KNITZ, mag
Herrn Rommel, mag seine Gedichte, und vor allem mag ich Brezeln. Nur
sollten wir Schwaben es langsam lassen, mit den Brezeln Werbung zu
machen. Egal, wo ich mir welche hole, die Dinger schmecken nicht mehr.
Zäh wie Kaugummi, bäbbig wie Tapetenkleister und geschmackvoll wie
Streusalz im Winter. Die Großbäckereien haben eine Fertigbrezel
entwickelt, die wohl jede Hilfskraft fertig backen kann, die aber
keinesfalls mehr zum Stolz der Schwaben gereicht. Die meisten
mittelständischen Betriebe haben nachgezogen und sind ebenfalls der
Profitgier der Instantbrezel zum Opfer gefallen.
An dieser Stelle zwar nicht zum Thema, wohl aber zu Manfred Rommels
Erkenntnis passend, ein Sprüchle von August Lämmle:
Mit dr Dummheit do isch so,
selber merkt mr nix drvo,
Gscheitheit aber ist die List,
dass mr merkt, wie domm mr ist.
Historiker
und Heimatkundler haben sich ausführlich mit der Brezel
beschäftigt. In ihren Ergebnissen sind sie sich nicht immer einig; fest
steht jedoch, dass es sich ursprünglich um Ringbrote gehandelt hat, die
erst im Laufe der Jahrhunderte die Gestalt unserer heutigen Brezel
annahmen.
Die Geburtsstunde der Laugenbrezel lässt sich nicht
genau bestimmen. Von Abbildungen aus dem 11. Jahrhundert wissen
wir aber, dass es sie damals bereits in der uns heute bekannten Form
gab.
Um die Erfindung der Brezel ranken sich zahlreiche Sagen, die zwar
nicht historisch belegt, aber deshalb nicht weniger reizvoll sind. Einige davon sollen hier angeführt werden:
Schwäbische Varianten:
Vor Hunderten von Jahren hatte der
Graf Eberhard von Urach einen sehr berühmten Hofbäcker. Eines Tages
wurde entdeckt, dass der Bäcker von den Waren seines Grafen gestohlen
hatte. Das war in jenen Tagen ein sehr schlimmes Verbrechen und der
Hofbäcker musste zum Tode verurteilt werden.
Der Graf jedoch wollte seinen berühmten
Bäcker nicht verlieren, deshalb entschied er, ihm eine Chance zu geben,
sein Leben zu retten. Der Bäcker musste in nur drei Tagen ein neues
Gebäck erfinden, durch welches die Sonne dreimal scheinen konnte.
Der Bäcker war schon ganz verzweifelt, da er keine Idee hatte.
Plötzlich, als er seine Frau beobachtete, die mit verschränkten Armen
im Türrahmen lehnte und mit der Nachbarin plauderte, kam ihm ein
Gedanke: er wollte die Form der verschlungenen Arme in sein Gebäck
einarbeiten. Somit war die Aufgabe erfüllt, die Sonne konnte durch
dieses Gebäck dreimal scheinen.
Eine weitere Version besagt, dass Mönche als Vorlage für die Brezel dienten. Nach einem Entwurf des Klosters Reichenau grenzten im Kloster
St. Gallen die Brauerei und die Bäckerei aneinander. Allabendlich standen die Gottesdiener beim Bierholen Schlange; dabei hielten sie die
Arme vor der Brust verschlungen, wie es sich damals für sie ziemte. Das inspirierte den benachbarten Bäcker, der in Anlehnung an diese
Haltung ein in Lauge getauchtes und mit Salz bestreutes Gebäck kreierte. Dieses stellte nicht nur die gekreuzten Arme dar, es schmeckte
auch zum Bier besonders lecker. Er nannte es „Brezel“, abgeleitet von
'bracchium', dem lateinischen Wort für Arm.
Eine weitere Version meint, die Lauge auf der Brezel ist durch Zufall entstanden: Des Bäckers
Katze, welche neben dem warmen Ofen lag, sprang plötzlich auf und fegte
die Brezeln in eine Wanne mit heißer Lauge, die eigentlich zum Würzen
von Suppe und Fisch vorbereitet war. Es war keine Zeit mehr ein neues
Gebäck zu machen - dieses mit der Lauge musste gebacken werden. Über
das Ergebnis staunte zunächst der Bäcker und dann der Graf nicht
schlecht.
Da das Kind noch keinen Namen hatte, wurde die Frau des Grafen,
eine Dame aus Italien - nach Ihrer Meinung befragt. Sie erinnerte sich an
das lateinische Wort für "Ärmchen": "bracchia"
und an die Bezeichnung für verschlungene Hände: "brazula".
Der Einfachheit halber wurde daraus Brazel und später eben Brezel.
Hinweis:
Diese Geschichte ist nachzulesen in 'Der Frieder, der Graf und die
Laugenbrezel' von Elke Knittel, erschienen im Matthaes Verlag.
Die bayerische Variante:
Wilhelm Eugen von Ursingen, der
königlich-württembergische Gesandte, soll der erste Mensch gewesen
sein, der zum Frühstück am 11. Februar 1839 im königlichen Kaffeehaus
des Hoflieferanten Johann Eilles in der Münchner Residenzstraße eine
Laugenbrezel zu essen bekam. Versehentlich soll der Bäcker Anton Nepomuk
Pfannenbrenner die Brezeln statt mit Zuckerwasser mit Natronlauge
glasiert haben, die er sonst zum reinigen der Backbleche verwendete. Das
knusprigbraune Gebäck duftete verlockend und mundete dem Gast
ausgezeichnet; und die diplomatischen Beziehungen zwischen Bayern und
Württemberg wurden gefestigt.
Um in unseren Tagen eine bayerische Brezn
von einer schwäbischen Laugenbrezel zu unterscheiden, gehen Sie
so vor: Legen Sie die Brezel auf eine karierte Tischdecke vor sich hin,
am besten mit einem frischen Radi (bayerisch für Rettich) oder ein Paar
Weißwürste und einer Maß Bier. Atmen Sie in langen Zügen ihren warmen
unverkennbaren Duft! Genießen Sie den schönen Anblick des
bräunlich-schattierten Glanzes? ihrer Kruste. Wenn die Kruste
regelmäßig glatt ist, haben Sie es mit einer bayerischen Brezen zu
tun.
Wenn aber die Kruste in ihrem Bauchteil eine
markante Wölbung hat, aus der hell und verlockend der leichte, duftige
Teig leuchtet, dann liegt vor Ihnen ein schwäbisches Modell. Sei's drum,
lassen Sie es sich jetzt schmecken!
Tatsächlich aber erkennt man auf den ersten
Blick den Unterschied zwischen dem bayerischen und dem schwäbischen
Exemplar: Die Kruste der bayerischen Brezn ist gleichmäßig glatt und gebräunt,
die Brezn wird aus einem gleichmäßig dicken Teigstrang gemacht. Bei der
schwäbischen Laugenbrezel sind die Enden des Teigstrangs dünner und die
Mitte dick. Dadurch entstehen die knusprigen 'Ärmchen'. Die dicke Mitte
wird eingeschnitten, so dass der 'Ausbund' weiß aufgeht.
In Wappen und Siegeln von Zünften und Innungen taucht die Brezenform
häufig auf. Längst ist sie zum Symbol des Bäckerhandwerks
geworden. Sie ziert die Läden, aber auch die Grabsteine der
Bäcker in den Städten des Mittelalters. Dort, wo der Ausleger mit einer
Brezel winkt, ist ein Bäckerladen.
Das älteste nachweisbare Bäckerwappen gibt es aus dem Jahr 1111 nach
Christus, darin taucht bereits die Brezel als Berufszeichen der Bäcker
auf. Warum sich die Bäcker gerade für die Brezel entschieden, erklärt
die Geschichte dieses Gebäckes. Die Brezel zählte zu den Gebildebroten
antik-christlichen Ursprungs. Diese Herkunft sowie die enge Verbindung
zum christlichen Glauben erklärt, weshalb der Brezel als 'heiligem
Gebäck' besondere Segens- und Heilkraft zugeschrieben wurde. Was also
wäre besser als Bäckerwappen geeignet gewesen
Für die Herstellung von Brezel und Beugel
wurde ein sehr harter Teig benötigt, der auf einer eigenen Breche
gebrochen und zu Strängen gewalkt und in die besondere Form gebracht
wurde. Brezel und Beugel wurden für wenige Minuten in siedend heißes
Wasser getaucht und anschließend mittels einer Brezel- oder Beugelente
auf ein mit Salz bestreutes langes Holzbrett gebracht, wenn sie gleich
gegessen werden sollten. Vorratsbrezeln blieben unbestreut.
Fasten und Beichten von Aschermittwoch an war Vorbereitung auf Ostern.
Denen, die nicht mit zur Beichte gingen, brachte man je eine Brezel oder
Beugel mit nach Hause, die mit einer Schnur zusammengebunden wurden. Oft
musste eine Brezel geteilt werden. Beim Spielen um Termingebäcke im
Wirtshaus an Allerheiligen/Allerseelen galten sie auch als Preise. Die
Brezelzeit war noch im 18. Jahrhundert befristet auf die 40 Tage vor
Ostern.
Es war Brauch, dass Kinder am Aschermittwoch Erwachsene
die Asche abkehrten und diese sich dann mit Brezeln auslösten.
Zunftbräuche markierten den Abschluss der Brezelzeit. So endete z.B. das
Brezelbacken am Gründonnerstag und die Brezelbuben (Lehrlinge) wurden
auf einer Reitstange durch den Markt zur Rossschwemme getragen und ins
Wasser geworfen. Um anzuzeigen, dass die Fastenperiode zu Ende und die
österliche Zeit angebrochen war, wurde anderenorts z.B. am Ostermontag
das neue typische Zeitgebäck der Osterfleck präsentiert.
Brezeln waren und sind Schmuck für Sommertagsstecken in Umzügen und
österlichen Palmbuschen. Palmbrezeln sind größer als Fastenbrezeln, es
sind süße Eierbrezeln.
Im Gegensatz zu den vielen anderen Gebildbroten, die lange - nur oder
auch - zu Hause herstellt wurden, war die Brezel immer ein
Bäckererzeugnis. Bis in unser Jahrhundert war der Brezelbäck mit seiner
langen Stange voller Brezeln bzw. seinem Brezelkorb ein typischer
Straßenverkäufer.
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