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Die Buchstaben ei werden in der Regel wie oi
gesprochen, und eu wie ei: Moischdr (Meister), oi
Oi (ein Ei) bzw. d'Leid (die Leute), heidzudag
(heute) oder I han a gans halbs Oi meh naiglebbarad (Ich habe
ein halbes Ei zugefügt)
Gerade weil 'Ei' und 'au' die Urlaute sind, an denen man einen Schwaben zweifelsfrei
festnageln kann, versuchen Landesverräter oder
Möchtegern-Nordlichter als erstes, sie durch 'ai' und 'ao' zu ersetzen.
Auch unser ehemaliger 'Minischterprähäsitent Teifel' (Erwin Teufel)
übte sich an dieser Nummer. ("Där Bürker draussen im
Lante erwartet Anworden auf nicht geschdellte Fraken.")
So wird aus 'Leibspeise' die 'Laibspaise', die 'daobe Sau' mutiert zur
'taoben Sao' und der 'Birker draussen em Lante' schüttelt verwundert
den Kopf.
Sein Nachfolger kaschiert das Schwäbeln durch das Absondern von 280
Silben pro Minute, da kann auch kein norddeutscher Schnellschwätzer
mehr mithalten, geschweige denn mitdenken.
Aber auch unser Vorzeigedichter Friedrich Schiller konnte (und
wollte ?) seine schwäbischen Sprachwurzeln nicht verheimlichen. In
seinen Werken finden sich manch 'unsaubere' Reime (zumindest nach
hochdeutscher Lesart) wie Schritte / Hütte oder See und Höh'. Der
Sprachforscher August Schlegel machte sich darüber wie folgt lustig:
Wenn jemand Schoße reimt auf Rose,
Auf Menschen wünschen und in Prose
und Versen schillert - Freund wißt,
dass seine Heimat Schwaben ist.
Auch Karl Gerok - ja der von der Gerokstaffel - kämpft in seinem
Gedicht vom "Der Rotenberg" mit seinen schwäbischen Wurzeln
..
Seht ihr dort die Bergkapelle
goldbekreuzt im Abendstrahl?
Friedlich glänzt sie, himmlischhelle
niederwärts ins grüne Tal.
Sei gegrüßt, erlauchter Hügel,
Herzblatt meines Schwabenlands!
Lieblich in des Neckars Spiegel
malt sich ab dein Rebenkranz.
Friedlich rauscht im alten Bette
dir vorbei der Neckarfluß;
schmucke Dörfer, stolze Städte
schmiegen sich um deinen Fuß.
Etwas auf dem Rückzug ins schwäbische Hinterland scheinen mir
die früheren 'ui'.
'Dui hodd schbitze Knui', sagten wir über spottend über ein
allzu schmales Mädchen (in das man aber doch verschossen war). Gab es
'Fuir onderm Dach', hing vermutlich der Haussegen schief und
die beiden Ehepartner mussten sich (damit die Kindern nichts merkten)
in der 'Schuir' austauschen, wobei 'sui' bestimmt das
letzte Wort hatte.
Mein Opa pflegte jedes Preiserhöhung seiner geliebten 'Schorrle
rood saur' als 'tuirs Zuigs' zu bezeichnen, und bestellte
dann doch eine 'nuie' Schorrle, zumindest wenn meine Oma gerade
nicht hinsah.
Ansonsten kürzt der Schwabe wo es geht (Sparsamkeit auch in
der Rede), willsch's raadraa? (willst Du das wirklich
runtertragen?), hômr (wir haben), d´ôamr (wir tun), woanô
rennsch? (wohin läufst Du so schnell?), wa machaze? (was
machen Sie?), hänzi (haben Sie), wa widd (was willst
Du) oder hôschms gä? (hast Du es ihm gegeben). Und
natürlich der Klassiker: em raa (wenn wir wieder nach unten
gehen)
Bei Verben verschwindet die Nachsilbe en durch a,
das aber nicht wie a gesprochen wird, sondern ähnlich kurz
wie der Schlußlaut im englischen together: macha
(machen), schbara (sparen) oder brässiera (Eile
haben).
Oft werden die Buchstaben g und k umgekehrt
ausgesprochen: i muass lenga (ich muss lenken), mach koin
Grach (mach keinen Krach) und dô khert neikhaut (da
gehört hingeschlagen).
Ausnahmen: dees isch koi Konscht (das ist keine
Kunst), I han Gribbe (Ich habe Grippe). Und auch der Kaffee
bleibt Kaffee und der Karl ein Karl, besser gesagt ein Karle.
Für b und p gibt es auch keine
durchgängige Regel, man basst zwar uff, ob dr Boschtler kommt (also
man passt auf, ob der der Postbote kommt), aber wenn dieser Paul
heißt, dann bleibt es bei Paul, der hierzulande aber Paule
heisst.
Gleich geschrieben, aber unterschiedlich ausgesprochen, auch
das gibt es: er raast wia dr' Deifel (er rast wie der Teufel),
dann macht'r a Raschd (dann macht er eine Rast). Des muasch feschd
heba (das musst Du fest halten), morga gangat mir auf a Fäscht
(morgen gehen wir auf ein Fest). Der Schwabe duad gärn Ässa,
des abbr ôgern en Essa (=die Stadt im Ruhrgebiet)
Auch gleich gesprochene Worte mit unterschiedlichen
Bedeutungen hat das Schwäbische zu bieten: I han glidda, kann
bedeuten: Ich habe geläutet oder aber ich habe gelitten. A
Schdendle kann ein Stündchen, aber auch ein kleiner
Verkaufsstand sein. Der Jesus Grischd ist für uns am Kreuz
gestorben, später hat man seinen Leichnam mit einem Grischd
wieder abgenommen. A Dierle sagt der Schwabe zu einer kleinen
Tür, aber auch zu einem kleinen Tier, gschuggd kann gestoßen
oder leicht verrückt bedeuten.
Mit Städtenamen geht der Schwabe eher großzügig um
und passt diese seinem Sprachgefühl an: Fenedig (Vendig), Pariss
(Paris), Brissl (Brüssel). Dabei verschont er aber keineswegs
die Heimat: Schduagrd (Stuttgart), Bruusl (Bruchsal), Beeblenga
(Böblingen), Tibenga (Tübingen), Gmend (Schwäbisch Gmünd)
oder Ruademsa (Rutesheim).
Die Nachsilbe -le ist sprichwörtlich
charakteristisch für die Schwaben und verleiht allen Wörtern eine
abgeschwächte, oft auch liebevolle Note, z.B. Keendle =
Kindchen, a Kadaschdreefle = eine Katastrophe, a Seggale
= ein etwas zu kurz gekommenes männliches primäres
Geschlechtsorgan. (A Muggaseggale ist dagegen eine sehr kurze
Zeitspanne!)
Mittlerweile kommt auch die Nachsilbe -dse
stark auf, z.B. in Hoggadse = gemütliches Dorffest, Schdriggedse
= Strickzeug, Schleiffadse = Schleifbahn, oder Rennadse
= Volkslauf, nicht zu vergessen gelladse ? = ist es nicht so?.
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