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Schwabenalter
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Fast
alle Schwaben, mal abgesehen von den weiblichen, freuen sich auf den 40.
Geburtstag, weil da der Schwabe 'gscheid', also weise und
abgeklärt wird. (Die
weiblichen Schwaben sind es angeblich immer schon ?)
Ich bin
nun schon einiges darüber hinaus, aber warte immer noch auf den
Beginn des Schwabenalters.
Vermutlich gilt für mich der zweite Satz des untenstehendes
Gedichtes ..'der andere nicht in Ewigkeit'.
Nichtsdestotrotz
feiert jeder gestandene Schwabe seinen Vierzigsten in ganz großem
Rahmen und nützt diese Gelegenheit, den bis dato erworbenen oder
ererbten Wohlstand der Allgemeinheit zu zeigen und sich in den Club
der 'gestandenen' Vierziger aufnehmen zu lassen.
Das Schwabenalter ist definiert als der Lebensabschnitt jenseits der 40. Die Begründung lautet, der Schwabe werde mit 40 Jahren
'gescheit', was immer man darunter verstehen mag. Denn wir alle wissen
aus Lebenserfahrung, dass 'klug, intelligent und gescheit' nicht
unbedingt etwas mit einem hohen IQ zu tun haben müssen. 'Gscheit'
kann meiner Meinung nach auch ein Mensch sein, der zwar keine
übermäßigen Geistesgaben, aber dafür sehr viel emotionale
Intelligenz hat.
Man wirft uns Schwaben dank der obigen Definition immer vor, der
Haken sei das Wörtchen 'erst', der Schwabe braucht also geschlagene
40 Jahre, um im Leben einigermaßen Durchblick zu bekommen. Vielleicht
ist das ja so, denn gut Ding will Weile haben, aber dafür werden die
Anderen 'net in Ewigkeit gscheit', weil Dünkel 'Gscheitheit'
ausschließt.
Der Berliner Friedrich Nicolai bescheinigt schon 1781 den Schwaben
einen ganz eigenen Charakterzug: 'Gemächlichkeit, Zufriedenheit und Ruhe sowie eine gewisse Treuherzigkeit und ein unbefangenes Wesen, ... das selbst nichts von Arglist hat und sie bei anderen auch nicht
vermuthet. Dies habe dazu geführt, dass ein Schwabe seinen Vortheil nicht genau wahrnahm. Das aber habe man den Schwaben als Dummheit ausgelegt. Und deswegen bedeute das allgemein bekannte
Sprüchwort, wonach die Schwaben erst im fünfzigsten (!) Jahre klug werden, keine späte Entwicklung der Verstandeskräfte, sondern deren spätere Anwendung im gemeinen Leben.'
Also, ganz klar: Ab seinem 40. (50.?) Geburtstag lässt sich ein
Schwabe nicht länger verarschen, also 'Hugooles mit sich do'. Meistens
ist dieser Geburtstag das erste Mal im Leben, in dem ein Vater seinen
nunmehr 40-jährigen Sohn als gleichwertig, sprich als Erwachsenen,
behandelt .. um ihn dann am nächsten Tag wieder als Kind anzusehen.
Wenn
Sie also auf einen 40. Geburtstag eingeladen werden, schätzen Sie
diese Ehre hoffentlich hoch genug ein und bringen ein 'anschdändiges',
also großes und ansehnliches, Geschenk mit.
In
meiner Heimatstadt Schwäbisch Gmünd werden noch jedes Jahr die im
großen Stil die Altersgenossenfeste gefeiert. Jeweils
derselbe Jahrgang ist in einem Altersgenossen-Verein organisiert und
ab dem 40. Lebensjahr zieht man bei einem runden Geburtstag
(40,50,60,70,80, ..) durch die Stadt und lässt sich von den
Passanten feiern.
Der Tag
beginnt mit feierlichen Böllerschüssen vom Salvator und endet
mit einem großen Ball in der Stadthalle. Jeder Jubilar bekommt
Geschenke von Freunden, Bekannten und den örtlichen Geschäftsleuten.
Es liegt in der Natur des Lebens, dass sich bei jedem runden
Geburtstag immer weniger Teilnehmer finden. So kommt das Füllhorn der
Freunde und Geschäftsleute immer weniger Menschen immer mehr zugute.
Da lohnt es sich schon 80 zu werden ..
A
Schwob wird erschd mit vierzig gescheid,
an andrer ed en Ewigkeit.
A jeder hoffd, des Versle schdemmd,
dass oims no do des Brett weg nemmd,
mo manche vor de Auga hend,
ond vorem Hirn, s ischd grad so mend.
Ma moind, dass no an Schnaggler duad,
an Schugglar dät es grad so guad,
ma horchd ganz gschbannd so en sich nai,
ond iberlegt sich bei ma Wai,
wie schee des wär, wenn ma ganz gscheid,
no gscheider wiea de andre Leid,
em Schwätza, Denka, Handla wär,
no dät ma sich hald ed so schwer.
Mit ällem, was mer macha miessd,
mer äwwl ällas besser wiessd.
No dät merns zeiga, däene Boss,
ond säss no selber auf em Ross,
dät schempfa, schreia, delegiera,
koin Fenger dät mer no mai riehra.
Mr hedd fuer ällas saene Leid,
obs des für ons wohl ao mol geid?
Aber was solls, s ischd bloss an Traum,
weil endra duad sich des wohl kaum.
Dr oinzich Goischd, mo en oin fehrd,
der kommt vom Wai, ond en sich herd
mr a Schdemm, i ischd ed zom Juchzga:
Menschenskind, du gohschd uff Fuffzga!
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