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Alemannen (Schwaben)
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ich Norddeutschland unterwegs bin, höre ich immer wieder die Worte
"Ihr Schwaben da unten in Baden-Württemberg". Ich werde dann nicht müde zu erklären, dass im
'Schwaben- ländle' auch badisch, fränkisch, alemannisch, ja sogar
hochdeutsch sprechende Menschen wohnen und daß hier große
mundartliche Unterschiede bestehen und daß manchmal auch
landsmanschaftliche
Differenzen klaffen, und ...
Aber
mal ganz ehrlich, der alte Streit zwischen 'Unsymbadischen' und
'Sauschwoba' ist genaugenommen totaler Unsinn:
Süd-Württemberger, Süd-Badener und Westbayern (aber auch die
deutschsprachigen Schweizer!) stammen alle von den Alemannen
ab, sie sprechen heute nur verschiedene Dialekte.
Hinweis 1: Suevi nannten uns unsere germanischen und
Alemanni
nannten uns unsere lateinischen Nachbarn und meinten damit den Stamm
der Alemannen.
Hinweis 2: Dass man die in den oben genannten Gebieten gesprochenen
Mundarten mit dem Überbegriff Alemannisch bezeichnet, ist
jedoch noch gar nicht so lange her. Es ist Johann Peter Hebel, der
mit seinen 1803 in erster Auflage erschienenen Allemannischen
Gedichten diese Bezeichnung geprägt hat.
Hebel schreibt das Wort manchmal mit zwei, manchmal mit einem l, also allemannisch neben alemannisch. Heute hat sich die Schreibung
mit einem l durchgesetzt, daneben verwenden aber besonders
Archäologen und Historiker noch die historisch korrektere
Schreibweise alamannisch, Alamannen.
So
gibt es heutzutage also württembergische, badische und bayrische
Alemannen/Schwaben. Der bayerische Regierungsbezirk zwischen Neu-Ulm und
Augsburg heißt ja bis heute noch so. Schmankerl: Bis zum 2.
Weltkrieg gab es im Zollerischen sogar rund 100 Jahre lang
preußische Schwaben, mr glaubds faschd nedd!
Wir Alemannen gehören also alle 'zum selben Verein', nur unser
Dialekt hat
sich auseinander entwickelt. Durch die lange Entwicklung des
Alemannischen und viele natürliche und politische Grenzen
(Schwarzwaldtäler, Berge, Flüsse, Fürstentümer, Staatsgrenzen
usw.) ist das Ergebnis heute eine fast babylonische Sprachverwirrung.
Zwischen dem Dialekt des Stuttgarters und des Berners, des
Straßburgers und des Augsburgers, die alle 'alemannisch' reden, liegen
Welten..
Wer aber um Gottes Willen sind oder waren die Alemannen?
Tacitus,
ein Römer übernimmt und bestätigt in seiner "Germania"
ein Jahrhundert später Cäsars Berichte über die Sueben. Vom
Rhein bis zur Ostsee, die er ein "Mare Suebicum"
nennt, erstreckt sich das suebische Siedlungsgebiet. Den Römern
unterworfene Sueben lebten in der "Civitas Ulpia Sueborum
Nicretium" deren Hauptstadt "Lapodunum" das
heutige Ladenburg bei Mannheim war.
Das
Alemannische hat sich dann aus der Sprache eines größeren
Stammesverbandes entwickelt, zu dem sich gegen Ende des 2.
Jahrhunderts n.Chr. einige germanische Heer- und Wanderhaufen, zum
größten Teil Sueben, in der Maingegend zusammengeschlossen hatten,
die aus ihrer vorigen Heimat an der Elbe abgewandert waren.
Nicht
sicher geklärt ist das Verhältnis der sogenannten Alemannen zu den
eben genannten Sueben denn im frühen Mittelalter werden Alemannen
und Sueben oft synonym gesetzt, z. B.: Suebi id est Alamanni
(Schwaben = Alemannen). Waren das nur verschiedene Namen für die
gleichen Volksgruppen oder haben sie sich später enger
zusammengeschlossen, so dass sie als Einheit gesehen wurden?
Im
Jahre 213 dringt der römische Kaiser Caracalla über den Limes nach
Horden gegen Germanien vor. Bei den griechischen und römischen
Geschichtsschreibern, die darüber berichten, findet sich nun
erstmals die Bezeichnung "gens Alamanorum" (Alamanni) für jene Gruppe von germanischen "Barbaren",
die sich zu dieser Zeit zwischen Main und Limes befand und mit denen Caracalla
einen Bündnisvertrag abschloss.
Der
etymologische Kern dieser Neuschöpfung ist umstritten, es gibt
mehrere Deutungen:
-
Ein Stamm berittener Mannen (analog zu den
Marco-Mannen, den Grenzmenschen), ja selbst rebellierende
Bundesgenossen (=Alarii)
könnten durchaus mit den ersten Alamannen gemeint
sein.
-
Zieht man in Betracht was sowohl Caesar wie
auch Tacitus über
die Bedeutung und Wertschätzung der Reiterei bei Sueben
berichten
erscheint ein Zusammenhang mit Ala-Mannen und ihrer häufig
herausgehobenen Reiterei (=röm. ala) als durchaus denkbar.
-
Der Schriftsteller Asinius Quadratus
übersetzt Alemanni als "zusammengewürfeltes
Mischvolk", und die heute allgemein
akzeptierte Deutung dieses Namens geht in dieselbe Richtung:
"Menschen oder Männer insgesamt, im gesamten
genommen".
Die
Alamannen eroberten um das Jahr 260 das Land zwischen Rhein, Bodensee
und Iller von den Römern und nahmen es seit dem späten 5.
Jahrhundert noch über diese Grenzen hinaus in Besitz. Sie werden
dann ohne Unterschied bald als Schwaben, bald als Alamannen
bezeichnet.
Es ist der kaiserlich-theudische Franke Theudebert I.
(534-548) der Alemannen und Schwaben nach 536 unter seiner
Herrschaft vereint und ihnen zugleich höchstes Ansehen im Reich der
Franken verschaffte. Allerdings wurden sie dabei auch bis zur
Unkenntlichkeit vermischt.
Wie
es dann öfter geschah so wurden nun die jeweils nächsten Anrainer
zum Namensgeber auch für dahinter liegende Regionen und Bewohner. Aus
französischer Sicht sind alle Deutschen Alemanni, für die Schweizer
Schwaben und aus italienischem Blickwinkel alle Bewohner Tedesci.
Wer
also zwischen Wien und Mainz siedelte war für die Franken 'Alemanne'
während er von Byzanz her gesehen ein 'Schwabe' blieb. Noch
Paulus Diakonus, ein Chronist der Langobarden und Zeitgenosse des
Großen Karl schrieb von 'Suevien' welches von 'Alemannen'
bewohnt sei. Eine treffendere Beschreibung hat es wohl auch danach
nie mehr gegeben, schwäbisch das Land, Alemannen seine Bewohner.
Am
4. November 1953 tritt in Stuttgart der Landtag zusammen, um zu
entscheiden, wie der aus Baden, Württemberg und dem ehemals
preußischen Landesteil Hohenzollern zu einer Einheit verschmolzene Südweststaat
heißen solle. Drei Vorschläge stehen zur Debatte,
Baden-Württemberg, Württemberg-Baden und 'Alemannien', doch bei vier Enthaltungen stimmt kein einziger für den germanischen
Mythos.
Die Alemannen in Vorarlberg sind seit Mitte der achtziger Jahre
vom Europarat als ethnische Gruppe anerkannt. Dennoch finden sich
auch hier nur wenige, die sich zum Alemannentum bekennen.
Philipp
Rümmele merkte hierzu am 9.2.2002 per eMail an:
Unsere
alemannische Herkunft und unser Dialekt trennt uns mehr oder weniger
schmerzlich vom Rest unserer österreichischen Landsleute und wir
sind auf diesen Unterschied auch sehr stolz, genau so wie auf die
Tugenden, die den Alemannen und daher auch uns Vorarlberger
nachgesagt werden: Sparsamkeit und Fleiß. Auch ich, als Alemanne im
Wiener Exil betone und erkläre überall wo ich darauf angesprochen
werde meine alemannische Herkunft.
Nicht
anders in der Schweiz. Von Basel bis nach Appenzell, von St. Gallen bis nach Chur ist kein Mensch aufzuspüren, der sich frei
zum Alemannentum bekennt. Man ist Schweizer, wenn sein muss auch
Eidgenosse, oder eben Helvetier, die waren vorher da und hatten
klangvollere Namen.
Also,
auch wenn es manchem schwer fällt das zu hören (und ich bestimmt
wieder bitterböse Mail aus dem Freiburger Raum bekomme):
Mitbürger in Baden-Württemberg, die sich als Alemannen, Badener oder
Schwaben fühlen, stammen von ein und demselben Stamm ab, nämlich den
Alemannen.
Schlußwort:
Also, gerne dürfen sich Gelbfiassler und
Sauschwoba, Badenser und Schwobaseckel gegen- seitig aufziehen und sich
für ihren Landesteil stark machen. Aber für die ständigen badischen
Klagegesänge über die 'Schwaben', gemeint natürlich die
Württemberger, fehlt mir über 50 Jahre nach einem politischen Akt
der Vernunft (dazu stehe ich!) jegliches Verständnis.
Anfang Mai war ich als einer der 'schwäbischen' Vertreter für die
TV-Sendung 'Karlsruher Runde' geladen und konnte nur schmuzelnd
staunen, als die 'badischen' Teilnehmer eine alte Baden-Fahne vor sich
hinstellten ...
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