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schwabissimo - Die schwäbischen Momente im Netz - Schwaben, schwäbischer Dialekt, Humor und Geschichte(n)

 

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Wenn wir Baden-Württemberger (gibt es uns eigentlich?) liebevoll von unserem 'Ländle' sprechen, stellt sich manch einer im Norden ein kleines Gebiet im Südwesten der Bundesrepublik vor.

Denkste ! oder besser gesagt 'Pfeiffadeckl !'

Tatsächlich ist dieses 1952 geschaffene Bundesland nach Bayern und Niedersachsen der drittgrößte Flächenstaat in Deutschland.

So, eddz wissad dr's.

Es stimmt aber auf keinen Fall, dass alle Baden-Württemberger über die Sprache als Schwaben ('Wir können alles außer Hochdeutsch') definiert werden! Hier leben schließlich auch Badener, Kurpfälzer und Franken, die kein schwäbisches Wort in den Mund nehmen.

Und ratsam erscheint ferner, die fröhlich katholischen Oberschwaben keinesfalls mit den arg evangelischen, württembergischen Schwaben in einen Topf zu stecken!

Schwäbischen, badischen oder alemannischen Dialekt lernt man durch Geburt oder überhaupt nicht. Besucher sollten daher schnell erkennen, dass im Ländle Badener und Württemberger nur gezwungenermaßen zusammenleben. Dann könnten sie nämlich verstehen, dass der Autoaufkleber 's´gibt Badische und Unsymbadische' nicht Ausdruck mangelhafter orthografischer Kenntnisse der Badener ist, sondern ein Signal der latenten  Distanzierung von den schwäbisch schwätzenden Mitbürgern. Siehe dazu auch hier.

Man muss leider zugeben, dass der Ehrentitel 'Musterländle' für ganz Baden- Württemberg nur okkupiert ist, denn der galt einst der mustergültigen Verwaltung des Großherzogtums Baden !

Es stimmt auch, dass sich das Land Baden und seine Bürger zunächst schwer damit taten, dass sie 1952 mit den Ländern Württemberg-Baden und Württemberg- Hohenzollern zwangsfusioniert wurden, auch wenn man das 1970 explizit an der Wahlurne bestätigt hat. Der damalige badische Staatspräsident Leo Wohleb pries die Donau als Vorbild aller Badener, weil sie demonstrativ in den Untergrund versickere, ehe sie bei Immendingen württembergisches Gebiet erreiche und sich unterirdisch in den badischen Hegau durchschlage. 
Aber dafür wurde das Schlimmste aus Sicht der Badener verhindert, nämlich den Namen Schwaben für das neue Bundesland, und außerdem stehen sie jetzt vor dem Bindestrich...

Der mühsame Zusammenschluss vor 50 Jahren hat sich längst wirtschaftlich und finanziell ausgezahlt. Und kulturell haben wir Schwaben einiges bei den Badenern gelernt, so haben es sich die Stuttgarter endlich getraut, Henry Moores 'Liegende' vor die Staatsgalerie zu stellen, nachdem sie die Skulptur jahrelang im Gebüsch hinterm Kunstverein versteckt hatten.

Gemeinsam trägt man schwer am Minderwertigkeitskomplex des Dialekts, weil Schwäbisch oder Badisch angeblich als schwerfällig, leicht debil und sowieso unverständlich gelten. Peinlich wird es sogar den Schwaben, wenn einer ihrer Politiker (zum Beispiel der Teufel, Erwin) im Bundesrat schwätzt. Dafür beruhigt man sich mit der Erkenntnis, dass wir immerhin die Sprache der wichtigsten Innovatoren unserer Zeit sprechen (so meint zumindest Lothar Späth).

So bedächtig ein Schwabe formuliert, so viel Hintersinn und Ironie kann in seinen Worten stecken. Und so skeptisch ist er gegenüber den norddeutschen  Vielschwätzern, denen die Wörter scheinbar ohne Sinn und Verstand aus dem Maul herauspurzeln.

Trotz 175 Exportmilliarden im Jahr und den 3,4 Milliarden, mit denen die Baden-Württemberger im Finanzausgleich Restdeutschland durchfüttern, klopft uns keiner anerkennend auf die Schulter und lindert damit unseren masochistischen Hang zum 'Sich-Kleinmachen'. Egal, wie gut es sich in Stuttgart, Ulm, Karlsruhe oder Freiburg leben lässt, stets scheinen Städte wie München, Frankfurt oder Hamburg Vorbild-Charakter zu haben.

Der Schwabe heute pendelt zwischen seiner angeboren Skepsis, dem Hang zur Dialektik, seiner Verhocktheit und dem gesunden Erwerbssinn, der Akzeptanz des globalen Denkens und einer steigenden Lust an schönen Dingen:

Man ernährt sich keineswegs nur spartanisch von Spätzle mit Soss'. Baden-Württemberg ist mit 61 Michelin-Sternen für 55 Lokale das gelobte Land aller Feinschmecker, davon die meisten im badischen Landesteil.
Man fährt auch ohne schlechtes Gewissen zweimal im Jahr in Urlaub und nicht grundlos entstehen hier so unterschiedliche Dinge wie Mercedes- Autos, Steiff-Tiere, Boss-Anzüge oder Zwiebelrostbraten.

Man drängt sich nicht auf, und wenn man gedrängt wird, dann versucht man sein Bestes, wenn auch nicht immer mit Fortune gekrönt, wie die Beispiele Kurt-Georg Kiesinger, Erwin Gerstenmaier, Erhard Eppler, Lothar Späth, Fritz Kuhn oder Rezzo Schlauch zeigen.

Ganz wichtig zum verstehen des Musterländles und seiner Eigenarten sind einige wichtige historische Tatsachen: Herzog Christoph führte 1552 in einer Landesverordnung für die altwürttembergischen Gebiete eine neue Erbteilung ein, da ihm die aus dem Recht des Erst- oder Letztgeborenen entstehenden Rechtshändel zuwider waren. Künftig sollten, gemäß dem römischen Erbrecht Vater- und Muttergut unter alle Kinder gleichmäßig geteilt werden.

Das hatte natürlich Vor- und Nachteile: Es gab nun keine Entrechtung und keine Erblosen mehr, aber auf der anderen Seite entstanden vorwiegend kleinbäuerliche Betriebe, die Äcker und Wiesen, Obstgärten und Gemüseländer, Weinberge und Waldstücke umfassten. Diese Strukturen zwangen die Bewohner zu Pünktlichkeit und Vielseitigkeit, zu 'Umschau und Ausschau', weil neben dem Pflug auch der Schraubstock, neben dem Acker die Heimarbeit oder Werkstatt zum Überleben notwendig war.

So wurden die Schwaben wie Max Eyth es ausdrückte 'Menschen hinter Pflug und Schraubstock', wobei der Weg vom Pflug zum Landmaschinenbau, vom Webstuhl zur Spinnerei, vom Wald zur Sägmühle, vom Viehstall zur Gerberei, vom Kornfeld zur Bäckerei, von der winterlichen Bastelarbeit zur Produktion von Präzisionswaagen und Instrumenten vorgezeichnet war. Aus der Werkstatt entstand ein Fabrikle, aus dem Fabrikle eine Fabrik, aus der Fabrik ab und zu ein Weltkonzern. (Auch wenn sich Daimler-Chrysler laut Matthias Kleinert immer noch als größeres mittelständischen Unternehmen ansieht.)

Wenn auch die Flurbereinigungen in den 60er und 70er Jahren aus dem Flickenteppich Landschaft mit unzähligen 'Handtuch'-breiten Äckern und Wiesen wieder größere zusammenhängende landwirtschaftliche Flächen gemacht hat, so kann man die alten, oft landschaftlich bedingten, Strukturen immer noch ganz gut erkennen. 

Und man sieht, fast jedes Dorf ist mit einem oder zwei Industriegebieten umgeben, wo in unzähligen mittelständischen Betrieben Arbeitsplätze geboten werden und viele Produkte von Weltruf entstehen. 

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