Baden-Württemberg: Ein neues Bundesland 

   

 Im April 2002 wurde Baden-Württemberg 50 Jahre alt.

Es ist bis heute das einzige deutsche Bundesland, dessen Bevölkerung an der Wahlurne (mehrfach!) für eine Neugliederung gestimmt hat.

Die Altbadener, die einen Heimatbund Badenerland gründeten, führten auch nach der Bildung des Landes Baden-Württemberg den Kampf um die Wiederherstellung des früheren Landes Baden fort, bis vor das Bundesverfassungsgericht. 
Dieses gestand dem Heimatbund 1956 zu, dass die badische Bevölkerung in einer nochmaligen Volksabstimmung über den Verbleib ihrer Heimat im Bundesland Baden-Württemberg entscheiden dürfe, weil ihr Wille durch 'die Besonderheit der politisch-geschichtlichen Entwicklung', also durch die Trennung des Landes Baden nach 1945, überspielt worden sei.

Doch erst am 7. Juni 1970 kam es zu einer erneuten Volksabstimmung. Das Ergebnis war ein klares Bekenntnis der badischen Bevölkerung für Baden-Württemberg: Bei einer Wahlbeteiligung von 62,5 Prozent votierten 81,9 Prozent für den Verbleib beim Land Baden-Württemberg. (Was zusammengehört, wächst zusammen ?)
Damit war die letzte rechtliche Möglichkeit, den Zusammenschluss rückgängig zu machen, erschöpft.

Die misstrauisch-trotzige Reserve, die die Südbadener zunächst der neuen staatlichen Gemeinsamkeit entgegengebracht hatten, ist längst verschwunden. Gemeinsam haben die Badener und Württemberger einen Spitzenplatz unter den Bundesländern eingenommen. 
Heute sehen sie ihr Land nicht nur als Modell deutscher Möglichkeiten (Theodor Heuss) mit landschaftlicher Vielfalt, kultureller Eigenart, sozialer Stabilität und wirtschaftlichem Erfolg, sondern darüber hinaus als Modell europäischer Möglichkeiten (Lothar Späth), in dem Sprache der wichtigsten Innovatoren unserer Zeit gesprochen wird.

Eines findet man allerdings immer noch nicht
Das spontane Bekenntnis eines Bürgers aus dem Bindestrich-Land 'ich bin ein Baden- Württemberger'. Einen Schwaben, einen Badener, einen Pfälzer oder einen Franken trifft man immer, aber eben selten einen, der sich »Baden-Württemberger« nennt. (I benn au so oiner !)

Landeshauptstadt ist Stuttgart. Im Mai 1954 entschied sich der Landtag für ein Wappen: drei schwarze Löwen mit goldenem Schild, einst Wappen der Staufer, die im Mittelalter Kaiser des Römischen Reichs Deutscher Nation und Herzöge von Schwaben waren. Der goldene Hirsch steht für Württemberg, der Greifvogel für Baden.

Die Gliederung des Südwestens erfolgte in vier Regierungsbezirken Nordbaden, Südbaden, Nordwürttemberg und Südwürttemberg-Hohenzollern. Die ehemals hohenzollerischen Kreise Hechingen und Sigmaringen behielten eine gewisse Sonderstellung. 

Im neuen Land Baden-Württemberg standen Landtag und Regierung vor der Aufgabe, die verschiedenen Teile des Landes zusammenzuführen, die Regierungsverantwortung trugen hauptsächlich die CDU, später auch teilweise zusammen mit SPD (mal weniger) oder FDP (mal mehr). 

Etwa 20 Jahre nach der Entstehung des Landes wagte man sich an eine Gebietsreform. Kaum eine Gemeinde, kaum ein Landkreis und kein Regierungsbezirk blieb davon unberührt. Kleinere Gemeinden schlossen sich größeren an, aber auch große Dörfer und Städte wurden zusammengelegt. 

Ich habe das damals in Schwäbisch Gmünd miterlebt, dem der Kreisstadt-Titel zugunsten von Aalen abgesprochen wurde. Die Volksseele kochte hoch, man plante Aktionen bis hin zu Straßensperren. Aber alles verlief im Sande, der Schwabe hat ein gewachsenes Obrigkeitsdenken und findet sich auch in ungeliebten Situationen zurecht.

Im Fall von Villingen-Schwenningen kam es sogar zur Vereinigung von ehemals badischen und württembergischen Städten (!). Von 3350 Gemeinden blieben noch 1110 übrig. Da manche neuen Gemeinden sich künstlich geschaffene Namen zulegten, drohen alte Ortsnamen aus dem Bewusstsein der weiter entfernt Wohnenden zu verschwinden.

Ort wie Weinstadt oder Albstadt künden von der Gebietsreform, verschwanden doch so alte Namen wie Ebingen, Kernen, Rommelshausen und viele andere mehr. Aber, man hat sich daran gewöhnt.

Schon in den 30er Jahren waren die Amtsbezirke (in Baden Bezirksämter, in Württemberg Oberämter) vergrößert und in Kreise umbenannt worden. Im Jahr 1973 wurden sie fast alle nochmals in der Fläche erweitert und in der Zahl vermindert. Aus 63 alten Landkreisen entstanden 35 neue. Daneben blieben 10 Stadtkreise bestehen

Die Namen der neuen Regierungsbezirke knüpften nicht mehr an die alten Ländernamen an: Sie hießen jetzt Regierungsbezirk Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg und Tübingen

Der ehemals badische Kreis Tauberbischofsheim kam zu Stuttgart und erhielt zusammen mit dem ehemaligen Kreis Bad Mergentheim den Namen Main-Tauber-Kreis. Der Landkreis Überlingen fiel an den Regierungsbezirk Tübingen. 

Umgekehrt wurden die ehemals "württembergischen" Landkreise Calw, Freudenstadt, Horb, Rottweil und Tuttlingen den "badischen" Regierungsbezirken Karlsruhe und Freiburg zugeschlagen. Von Hohenzollern verschwanden damit die letzten Spuren. 

Im Nachgang ist man ja immer schlauer und ich denke, die Gebietsreform war positiv für die Entwicklung des Landes. Trotzdem müssen wir alle im Ländle hart daran arbeiten, unseren Ruf als Musterländle nicht an die Bayern oder die Hessen zu verlieren.

Manchmal weint hier mancher dem Cleverle (im großen) und dem Wüschdafüxle (im kleinen) nach, die beide, nach meiner Meinung, die schwäbische Polarität aus knitz und Witz sehr gut verkörperten. 

Trotzdem, das Leben im Südwesten ist nach wie vor gut, was auch viele Fischköpfe zugeben, wenn auch erst nach einigen Viertele Wein.