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Bruddeln & Brägeln
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Wenn der Schwabe grantig ist, dann bruddelt oder brägelt
er. Das sind zwei vergleichsweise geräuscharme Möglichkeiten, seinen
Unmut anhaltend kundzutun.
Wenn einmal der Zorn in ihm hoch kocht, kann auch der Schwabe
fuchsteufelswild (Hebad me, i vergess me!) und ziemlich laut
werden. Solche Temperamentsausbrüche sind bei ihm zwar nicht auszuschließen,
doch neigt er eher zu verhalteneren, dafür aber umso anhaltenderen Unmutsäußerungen,
etwa zum Bruddeln. Diese Verhaltensweise bevorzugt er, wo kein
unmittelbarer Handlungsbedarf besteht, wenn ihm etwas zwar nicht passt, er
jedoch lautstarken Protest für sinnlos, übertrieben oder inopportun hält.
Dann bruddelt er lieber. Vielleicht brägelt er auch bloß.
Bruddeln tut, wer nicht ganz, sondern nur halb narret ist. Es ist
introvertierter als das Schimpfen, ähnelt dem Schmollen, welches
allerdings auch lautlos zu bewerkstelligen ist. Im Gegensatz dazu ist das
Bruddeln mit verbalen Äußerungen verbunden, die jedoch eher an sich
selbst als an ein Publikum gerichtet sind. Man sagt daher auch 'vor
sich naa bruddle': Die Umwelt soll ruhig mitbekommen, dass man sich über
etwas oder jemanden ärgert, doch liegt es nicht in der Absicht des
Bruddelnden, sich auf Diskussionen über die Gründe seines Unmuts
einzulassen. Er belässt es dabei, ihn kundzutun und schließt diese Äußerung
gerne ab mit dem Satz 'Ha, isch doch au woahr!' Ist er versöhnlich
gestimmt, hängt er noch ein 'Oder?' an.
Brägeln ist eine variable Vorstufe des Bruddelns - variabel deswegen,
weil sie nicht nur dazu dienen kann, ein Nichtgefallen, sondern auch einen
Mangel mitzuteilen: die Unfähigkeit, sich kurz und prägnant auszudrücken.
Die latent melancholische Seite des Schwaben, seine
Sentimentalität und sein verstecktes Selbstmitleid führen dabei die
Zunge. Nichts und niemand kann ihn in dieser Stimmung aufmuntern, er ist
mit Gott und der Welt und besonders mit sich selbst uneins.
Es ist aber nicht nur die Wortwahl entscheidend, ganz wesentlich bestimmt
beim Schwaben auch der Ton die Musik. Was in den Ohren eines 'Reigschmeckten'
schroff oder beleidigend klingt, kann sich für einen Schwaben ganz
anders anhören. Schwäbische Grobheiten sind selten 'so gmoind',
das gilt vor allem, wenn Schwaben sich gegenseitig beschimpfen.
Fremden gegenüber tritt der Schwabe anders auf. Dann ist
er erstens zurückhaltender und zweitens direkter. Er weiß schließlich
aus Erfahrung, dass sein Gegenüber die Feinheiten schwäbischer
Schimpffertigkeit nicht beherrscht und wird ihn daher (mitleidig) schonen
oder gnadenlos anbruddeln.
So hat zum Beispiel 'Du Seggl' einem
Landsmann gegenüber gesagt einen ganz anderen Stellenwert als 'Sie
Seggl' gegenüber einem Nichtschwaben.
Übrigens gilt 'Seggl' (=Seckel) als das meistgebrauchte schwäbische
Schimpfwort überhaupt. Man kennt es in unzähligen Variationen, vom
rabiaten 'Schofsegg' über den derben 'Granadaseggl' bis zum gutmütigen 'Seggalesbegg'.
Dazu schrieb mir am 21.5.2002 Frau Doris Supper:
... Habe eine Bemerkung für die Seite Schimpfen
und bruddeln. Sie schreiben Seggl wäre das meistgebrauchte Schimpfwort
im Schwäbischen.
Dazu möchte ich Ihnen sagen ..es gibt eine Ausnahme, in Pforzheim ist
Seckel kein Schimpfwort, sondern ein Kompliment.
Die Pforzheimer werde auch 'Seckel' genannt..es gibt sogar
eine Bronzefigur auf dem Rathausplatz..der Pforzheimer Seckel..
Warum Seckel ein Kompliment ist...kommt aus der Goldindustrie,,,,wenn
die Goldschmiede (oder Duplemacher) ihr 'Säckel' voll hatten
(voll Geld bzw. Lohn) waren sie angesehene Leute. War es aber nur halbvoll..war
der
Verdienst nicht so gut, deshalb ist 'Halbseggl' ein schlimmes
Schimpfwort
im Gegensatz zu Seggl... ( in Pforzheim)... Ok zugegeben Pforza isch
badisch....
Das schreib ich ihnen aber alles ohne Gewähr....ich habs halt so
mal
gehört...das mit der Bronzefigur stimmt aber,,,die steht da...
Ähnlich variantenreich wird das Wort 'Daggl' (=Dackel)
verwendet. Da gibt es den 'Allmachtsdaggl', den 'Saudaggl', den
'Jenseidsdaggl' und den 'Volldaggl'. Die schlimmste Form der Beschimpfung
aber ist der 'Halbdaggl', das ist einer, bei dem es nicht einmal zum
Daggl reicht.
Zum Thema 'Dackel' habe ich einen Stoßseufzer auf Englisch
gefunden:
In my German class, I'm learning Hochdeustch, but I can't help but pick up a little bit of Swabish here and there. The latest little morsel I've learned is that anything having to do with the word Dackel (daschund, weiner dog) in Swabish is an insult along the lines of stupid, or dumb-ass. "Dackel" alone is not so bad... it just means, as far as I can tell, silly or dumb. But you can add a whole bunch of words to "Dackel' to make it more specifically insulting. For example, you could call someone an "Allmachtsdackel," which means omnipotent daschund. Or ""Saudackel," which means sow daschund. Or "Grasdackel," which translates to grass daschund. And then there's the "Halbdackel." This is the most insulting of the bunch. It means half-daschund, and apparently if you call someone a Halbdackel, you're not referring to the half with the pointy nose and cute floppy ears!
I actually see quite a few people here out walking their daschunds. So I don't quite understand why this harmless little hound plays such a prominent role in Swabish insults. Why is it such a put-down to be called half a weiner dog? Is this breed particularly pea-brained or something? I happen to think that they're kind of cute, but that's just me..
Ja, es ist nicht leicht, uns Schwaben zu verstehen...
Wenn es mal nichts zum bruddeln oder brägeln gibt, dann findet sich
bestimmt etwas, über das man sich 'mokiera' kann. Eines der wenigen Worte
übrigens, bei denen der Schabe ein 'k' spricht. Mokiera kann man sich
über alles, wie der Nachbar immer sein Auto abstellt oder dass Frau
Häberle schon wieder die Kehrwoche nicht gemacht hat, alles über die
Dinge, die einen 'saumässig' ärgern, aber die man leider nicht ändern
kann.
Aus Schwäbisch Gmünd kenne ich auch noch den Ausdruck 'sich
alderiera', im Sinne von sich ereifern. 'Dear soll sich net so alderiera,
sei Frau hodd doch au a ledigs Kend ghett', wäre so ein typischer Satz
...
Zum Glück halten die Brägel, Bruddel und Mokier-Phasen nicht allzu lange vor, der Trübsinn
weicht und der Schwabe beginnt von neuem, lustvoll, kreativ und
wortgewandt zu schimpfen oder zu fluchen.
Heilandzagg, dees miassad dr fei glauba, sonsch werd´e
bös !
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