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Die Geschichte von Baden ab 1945
Alle
Kreise, die von der Autobahn Karlsruhe - München durchschnitten wurden
fielen der amerikanischen Besatzungszone zu. Die südlichen Landesteile
waren französischer Besatzungsgewalt unterstellt worden, die nördlichen
Teile amerikanischer Besatzungsgewalt.
Die
Franzosen bildeten im südlichen Teil Südwestdeutschlands zwei neue
Länder: Baden mit der Hauptstadt Freiburg und Württemberg-Hohenzollern
mit der Hauptstadt Tübingen. Für Baden begann nun eine harte
Franzosenzeit. Die Franzosen bauten ganze Fabriken und andere
Industrieanlagen ab, die nicht im Krieg zerstört worden waren. So half
deutsche Technik der französischen Industrie wieder auf die Beine.
Außerdem ließen die Franzosen einen großen Teil der
landwirtschaftlichen Produktion abliefern mit der Begründung, erst mal
müsse die französische Bevölkerung ernährt werden, danach die der
Verlierer.
Die
Amerikaner schlossen bereits im September 1945 Nordwürttemberg und
Nordbaden zu einem Land Württemberg-Baden mit der Hauptstadt
Stuttgart zusammen und zwangen Heinrich Köhler, den Präsidenten der
(nord)badischen Bezirksverwaltung, als stellvertretender
Ministerpräsident in die Stuttgarter Regierung unter Reinhold Maier
einzutreten
Die
Verfassunggebende Landesversammlung Württemberg- Baden nimmt die neue
Landes-Verfassung am 24.10.1946 an.
Aus
den Landtagswahlen in Baden vom 18.Mai 1947 geht die BCSV (CDU) mit der
absoluten Mehrheit von 55,9% als Sieger hervor. Die SPB erreicht 22,4%,
die DP 14,3% und sonstige Parteien 7,4%.
Die
Regierungsbildung erwies sich aber als sehr schwierig: Die französische
Militärregierung hielt viele gesetzgebende und Exekutivrechte auf
wichtigen Gebieten für sich zurück. Leo Wohleb (CDU), jetzt
Minister- und Staatspräsident, bemühte sich um die Bildung einer
Allparteienregierung. Sie scheiterte aber, da BCSV und DP die Kommunisten
ablehnen, die SPD ihrerseits die Kommunisten in die
Regierungsverantwortung einbinden wollen. Als Notlösung wurde daher eine
schwarz-rote Koalition geschlossen. Zwei wichtige Gesetzesvorhaben lagen
vor der Regierung, das Agrarreformgesetz und das Betriebsrätegesetz.
Schon am ersten scheiterte die Regierungskoalition Ende 1947.
1948
zerbrach die Viermächteverantwortung für Deutschland. Gleichzeitig mit
dem Verfassungsauftrag erhielten die Ministerpräsidenten der Länder den
Auftrag, die Ländergrenzen zu überprüfen und Änderungsvorschläge zu
entwickeln.
Im Südwesten bestand Einigkeit unter allen Politikern, die 1945
geschaffenen Ländergrenzen zu beseitigen. Strittig war nur, ob die alten
Länder Baden und Württemberg wiederhergestellt werden sollten, wie vor
allem Südbaden unter Staatspräsident Leo Wohleb und Teile der CDU
forderten, oder ob ein neuer Südweststaat geschaffen werden
sollte. Die Angst vor einer Eingliederung in die französische Zone
führte in Nordbaden von 1948 an zu einer Hinwendung zum Südweststaat.
Zahlreiche Verhandlungsrunden zwischen den drei Regierungen scheiterten.
Schließlich mussten der Bundestag und auch das neu geschaffene
Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entscheiden, bis es am 9. Dezember
1951 zur Volksabstimmung kam. In Nord- und Südwürttemberg sowie in
Nordbaden sprach sich die Mehrheit der Bevölkerung für den
Südweststaat aus. In Südbaden dagegen stimmten die Wähler für die
Wiederherstellung Badens.
Da
sich in Nord- und Südbaden zusammen eine knappe Mehrheit gegen den
Südweststaat ausgesprochen hatte, blieb vor allem für die Unterlegenen
ein schaler Nachgeschmack zurück. (Erst im Juni 1970 stimmten in einer
zweiten Abstimmung, die durch ein Verfassungsgerichtsurteil von 1956
ermöglicht worden war, schließlich über 80 Prozent der badischen
Wähler für den Erhalt Baden-Württembergs, siehe unten.)
Am 9. März 1952 fanden die ersten gemeinsamen Wahlen statt. Dabei
erhielt die CDU 50 Sitze, die SPD 38 Sitze, die FDP/DVP 23 Sitze, die
Vertriebenen (BHE) 6 Sitze und die Kommunisten 4 Sitze. Vor allem unter
den CDU-Abgeordneten befanden sich zahlreiche Altbadener, die den neuen
Staat ablehnten.
Zur Überraschung vieler Beobachter bildete Reinhold Maier eine Regierung
aus SPD, FDP/DVP und BHE. Am 25. April 1952 um 12.30 Uhr erklärte er
nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten das neue Bundesland für
gegründet. Die überrumpelte CDU war empört, und die nachfolgenden
Verfassungsberatungen waren von scharfen Gegensätzen zwischen Regierung
und Opposition bestimmt.
Allerdings zwang die unerwartete Oppositionsrolle die altbadischen
CDU-Abgeordneten zur innerparteilichen Geschlossenheit, so dass es nicht
zu einer Spaltung der CDU in Südweststaatsbefürworter und
Südweststaatsgegner kam. Dies trug ganz wesentlich zur Stabilisierung
des neuen Landes bei.
Zunächst aber überwogen die Gegensätze. Die Auseinandersetzungen im
Verfassungsausschuss vor allem in kulturpolitischen Fragen erinnerten
Beobachter gelegentlich an "Catcher-ähnliche Praktiken". Der
Sommer 1953 brachte die Wende. Zunächst schossen russische Panzer den
Volksaufstand in der DDR am 17. Juni nieder, was die demokratischen
Parteien im Westen näher zusammenrücken ließ. Dann weigerte sich die
SPD, die Verfassung gegen die CDU zu verabschieden, und schließlich
brachte die zweite Bundestagswahl 1953 der CDU im Südwesten die absolute
Mehrheit.
Nachdem Alex Möller von der SPD und Gebhard Müller von
der CDU schon vor der Wahl eine landespolitische Zusammenarbeit
vereinbart hatten, trat Reinhold Maier nach der Bundestagswahl zurück.
Die neue Koalition aller Parteien, mit Ausnahme der KPD, unter Führung
von Gebhard Müller einigte sich innerhalb weniger Tage über die
kulturpolitischen Streitfragen. So blieb es in drei von vier
Regierungsbezirken bei der christlichen Gemeinschaftsschule, nur der
Regierungsbezirk Tübingen behielt die Konfessionsschule, das heißt, die
Kinder gingen in konfessionell getrennte Volksschulen. Auch auf den neuen
Landesnamen Baden-Württemberg konnte man sich schließlich
verständigen.
Die Landesverfassung von Baden-Württemberg war, wenn man von der des
Saarlandes absieht, bis zum Tag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990
die jüngste unter den Landesverfassungen der Bundesrepublik. Sie wurde
erst am 11. November 1953, im vierten Jahr der Bundesrepublik, mit 102
Stimmen gegen fünf Nein- Stimmen und sieben Enthaltungen angenommen. Am
19. November 1953, Punkt 9 Uhr, trat sie in Kraft. Aus diesem Anlass fand
im Großen Haus des Württembergischen Staatstheaters ein feierlicher
Staatsakt statt.
Doch
die sogenannte Baden-Frage war damit nicht vom Tisch. Die politischen und
juristischen Scharmützel gingen weiter. Enttäuschte Badener schlossen
sich zum Heimatbund Badenerland zusammen und kämpften weiter für
einen unabhängigen Staat. Nach einer neuerlichen Klage vor dem
Bundesverfassungsgericht gestand ihnen dieses 1956 eine neue Abstimmung
zu, da der Wille der badischen Bevölkerung übergangen worden sei.
Doch
diese Volksbefragung wurde bis ins Jahr 1970 verschleppt. Zu diesem
Zeitpunkt schienen sich viele Badener bereits an den politisch und
wirtschaftlich erfolgreichen Verbund gewöhnt zu haben: Über 80 Prozent
entschieden sich in der Abstimmung für das Verbleiben in
Baden-Württemberg.
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