Die Geschichte von Baden bis 1853

Der namentliche Ursprung der Markgrafschaft Baden liegt bei einer Burg im Oostal, welche an den warmen Bädern von Baden lag. Diese Burg kam 1091 an die im Breisgau befindliche Seitenlinie der Zähringer, welche Inhaber der Grafschaft Hachberg waren. Durch den Erwerb  der Burg wurde der Markgrafentitel (von Verona), welcher den Zähringern 1061 erworben hatten auf den oberrheinischen Besitz übertragen.

Hermann II. (1073-1130) nannte sich als erster 1112 Markgraf von Baden, nach seiner Burg über den warmen Bädern von Baden (römisch Aquae; heute Baden-Baden, von Baden in Baden).

Die Linie der Markgrafen von Baden teilte sich 1190 in die markgräfliche Linien Baden-Baden (mit der Ortenau um Offenburg) und Hachberg.
Die Güter der 1190 von der Hauptlinie der Markgrafen von Baden (mit der Ortenau um Offenburg) abgespalteten Linie der Markgrafen von Hachberg (Hochberg im Breisgau) und ihrer 1306 gebildeten Nebenlinie Sausenberg wurden durch Bernhard I. (1372-1431) 1415 durch Kauf zurückerworben, wodurch die beiden Linien wieder zusammengefasst wurden.

Bernhard I. ist der eigentliche Begründer des badischen Terriorialstaates: Er organisierte die innere Verwaltung und bildete eine Ämterverfassung. Wichtig für die Festigung der Markgrafschaft war der Erwerb der Hälfte der Herrschaften Lahr und Mahlberg im Jahre 1442, wodurch eine Bindeglied zwischen dem südlichen breisgauischen Teil und dem nördlichen Gebiet um Baden-Baden gewonnen wurde.

Unter Hermann V. wuchs das badische Gebiet weiter an, Hermann V. erbte 1219 Pforzheim und erwarb Durlach und Ettlingen sowie Pfandschaften über Lauffen, Sinsheim und Eppingen. Mit dem Aussterben der Staufer rückte die Familie im heutigen Mittelbaden in deren Stellung ein, die auf Lehensgut des Klosters Weissenburg im Elsass beruhte.

Weiterer Gebietszuwachs und eine straffe Verwaltung machten Baden im 15. Jahrhundert zu einem bedeutenden Staat am Oberrhein, es war drittgrößte weltliche Macht in Schwaben neben den Habsburgern und den württembergischen Grafen. Christoph (1475-1515; gest. 1527) glückte es die Brücke zwischen den Landesteilen durch die Gewinnung der zweiten Hälfte der Herrschaften Lahr und Mahlberg zu verstärken. Eine weitere Festigung des territorialen Bestandes der Markgrafschaft erfolgt durch den Erwerb der im südlichen Breisgau gelegenen Herrschaften Badenweiler, Rötteln und Sausenberg (1503).

Der Jurist Ulrich Zasius (1461-1535) schuf eine moderne Ordnung der inneren Verhältnisse, die der Markgrafschaft weiteren Auftrieb gab.

1515 erhielt Bernhard III. (1515-1536) von Baden die luxemburgischen und sponheimischen Güter, Ernst (1515-1552) die breisgauischen Güter (Hochberg, Sausenberg, Rötteln, Badenweiler, sogar das Markgräflerland). Dazu kamen 1535 aus dem Anteil Philipps Stadt und Schloß Baden, das Gebiet südlich des Fluses Alb, die Herrschaft Beinheim und die Vogtei über Herrenalb und Frauenalb für Bernhard III., sowie Pforzheim, Durlach, Altensteig, Liebenzell und das Gebiet nördlich der Alb für Ernst, so daß sich eine obere Markgrafschaft Baden-Baden und eine untere Markgrafschaft Baden-Durlach (Residenz in Pforzheim, ab 1565 Baden-Durlach, seit 1724 in Karlsruhe) gegenüberstanden.

1535 spalteten die Zähringer sich in die ab 1571 rekatholisierte Linie Baden-Baden unter Bernhard III. (1515-1536) und die lutherische Linie Baden-Durlach unter Ernst (1515-1552) mit der Hauptstadt Pforzheim (ab 1565 Baden-Durlach, seit 1724 in Karlsruhe).
Baden-Durlach wurde 1556 evangelisch, Baden-Baden, nach 1555, wurde später aber rekatholisiert. Die Rekatholisierung Badens 1571 durch Philipp II. (1569-1588) veranlasste einen dauerhaften Konflikt mit seinen Vettern in Durlach.

Ernst Friedrich (1577-1604) und Georg Friedrich (1577-1622) von Baden-Durlach besetzten Baden-Baden in Jahre 1594, unter Bestreitung der Ebenbürtigkeit der katholischen Badener, und behielten der Land unter Beistand der badischen Landstände. Der katholische Markgraf Wilhelm (1622-1677) erhielt zwar sein Land zwar 1622 wieder, als Tilly Georg Friedrich (1577-1622) bei Wimpfen schlug, und rekatholisierte es; verlor es aber 1632 erneut an Horn und erhielt es erst durch den Prager Frieden (30. Mai 1635) und dann den Westfälischen Frieden (Friedenstraktat von Münster vom 24. Oktober 1648) 1648 zurück.

Als die Baden-Badische Linie, zu der der Türkensieger Markgraf Ludwig Wilhelm (1677-1707) gehörte, 1771 ausstarb, fiel ihr Besitz an den Markgrafen Karl Friedrich von Baden-Durlach (1738-1811). Die Hauptstadt Badens war seitdem Karlsruhe. Karl Friedrich vereinigte die Markgrafschaft wieder und führte zahlreiche Reformen im Sinne des aufgeklärten Absolutismus durch. Um 1785 umfaßte Baden - das um 1780 mit Argenschwang und einem Teil Weilers auch Mitglied des Kantons Niederrheinstrom des Ritterkreises Rhein war - 3500 Quadratkilometer mit etwa 190.000 Einwohnern.

1796 verlor es seine linksrheinischen Gebiete an Frankreich: Amt Rhodt bei Landau (Baden-Durlach), Herrschaft Beinheim im Unterelsaß, Amt Gräfenstein bei Pirmasens, Herrschaften Hesperingen und Rodemachern in Luxemburg und Teile der Grafschaft Sponheim im Hunsrück). Um 1800 umfaßte Baden ein Gebiet von 27 Quadratmeilen.

Am 15.12.1803 wurde Baden durch Paragraph 5 des Reichsdeputationshauptschlusses zum Kurfürstentum erhoben und durch die rechtsrheinischen Teile der Pfalz (Heidelberg, Mannheim, Ladenburg, Bretten) und die Hochstifte Konstanz, Basel (teilweise), Straßburg (teilweise), Speyer (teilweise), die Hanau-lichtenbergischen bzw. Hessen-darmstädtischen Ämter Lichtenau und Willstädt, die Nassau-usingische Herrschaft Herrschaft Lahr, die Reichsabteien Petershausen, Gengenbach, Odenheim und Salem (ohne Ostrach), die Reichsstädte Offenburg, Pfullendorf, Gengenbach, Biberach (1806 an Württemberg), Zell am Harmersbach, Ueberlingen, Wimpfen (später an Hessen), das Reichstal Harmersbach und die Klöster Schwarzach, Frauenalb, Allerheiligen, Lichtental, Ettenheimmünster, Öhringen und Reichenau sowie kleinere Güter entschädigt, wodurch sich sein Umfang auf 7200 Quadratkilometer mit 445.000 Einwohnern vermehrte.

1804 wurde die Rheinstromkonvention zwischen Frankreich und dem Reich abgeschlossen, dadurch wurde erstmals die Rheinschiffahrt geregelt, die dann bis 1831 gültig war.

1805 erwarb Baden vom Herzog von Modena/Österreich den größten Teil des Breisgaues, die Ortenau, die Baar mit Villingen, die Stadt Konstanz und die Insel Mainau des Deutschen Ordens mit insgesamt 2530 Quadratkilometern und 160.000 Einwohnern.

Durch den Beitritt zum Rheinbund 1806 wurde es Großherzogtum und erhielt die Fürstentümer Fürstenberg, Leiningen, Salm- Krautheim, die Landgrafschaft Klettgau, die Reichsgrafschaft Bonndorf, das Johanniterpriorat Heitersheim, die südlich des Mains gelegenen Teile der Fürstentümer Wertheim und die eingeschlossenen Güter der Reichsritterschaft. 1806 wurden einige Gebietsänderungen mit Württemberg vereinbart. 1810 erhielt Baden die seit 1805 württembergische Landgrafschaft Nellenburg und die obere Grafschaft Hohenberg gegen Randgebiete im Schwarzwald (an Württemberg) und Amorbach (an Hessen-Darmstadt). Damit umfasste es etwa 15.000 Quadratkilometer mit etwa einer Million Einwohner.

1808 wurde von Siegismund Karl Johann Freiherr von Reitzenstein ein Organisationsbild entworfen, das die Grundlage des modernen, straff gegliederten badischen Teritorrialstaates bildet.

1810 übernahm Baden den Code Napoleon in der Form des Badischen Landrechts. 1811 wird Karl Ludwig Friedrich Großherzog von Baden, da der vorhergehende Großherzog Karl Friedrich gestorben ist.

Am 26.07.1815 tritt Badens dem Deutschen Bund bei und 1817 bestimmt ein Haus- und Familienstatut die Unveränderlichkeit und Unteilbarkeit des Großherzogtums Baden und die Regierungsfolge der Grafen von Hochberg als Markgrafen und Prinzen von Baden.

1818 erhält Baden eine Verfassung (konstitutionelle Monarchie), die von Nebenius verfasst wurde. Zugleich musste es an Bayern das Amt Steinfeld und Teile Leiningens abtreten, erhielt aber von Österreich das Fürstentum von der Leyen.
Im Dezember 1818 stirbt Großherzog Karl, sein Neffe  Ludwig Wilhelm August wird als Ludwig I. Großherzog von Baden.

1819 Staatsrat August von Kotzebue wird durch den Studenten Karl Ludwig Sand aus politischen Gründen ermordet. Im April dieses Jahres wird der erste badische Landtag im Schloss zu Karlsruhe eröffnet.

Das Bistum Konstanz wird 1821 durch den Papst Pius VII. aufgehoben, das neue Landesbistum wird das Erzbistum in Freiburg. Im Oktober des Jahres tritt die Union der lutherischen und der reformierten Kirche zur Evangelisch-Protestantischen Landeskirche Badens in Kraft.
1825 wird in Karlsruhe die heute älteste technische Hochschule Deutschlands, die Polytechnische Schule errichtet.

Mit Großherzog Leopold (1830-1852) gelangten die Markgrafen von Hochberg, die Nachkommen Karl Friedrichs aus seiner zweiten Ehe mit der nicht ebenbürtigen Luise Geyer von Geyersberg (seit 1796 Reichsgräfin von Hochberg) an die Regierung.

Im Jahre 1831 erfolgt die Errichtung der Rheinschiffahrtsakte in Mainz durch die Rheinuferstaaten; der Rhein wird von Basel bis zur Mündung frei befahrbare Wasserstraße und Mannheim Freihafen.
Das Gesetz über Ablösung der Zehnten schafft 1833 die mittelalterlich anmutende Steuer der Bauern ab und 1834 wird die Errichtung von höheren Bürger- und Gewerbeschulen verordnet.

1835 Baden tritt dem preußisch-deutschen Zollverein bei.

1838 wird der Bau einer Eisenbahnstrecke von Mannheim- Heidelberg- Karlsruhe- Rastatt- Offenburg- Dinglingen- Freiburg nach Basel auf Staatskosten beschlossen und diese 1840 feierlich eröffnet.

1847 Die Versammlung der Entschiedenen Freunde der Verfassung in Offenburg verkündet mit den Forderungen des Volkes in Baden das erste, geschlossene republikanisch- sozialistische Programm.

Auf die Nachricht von der Pariser Revolution vom 24. Februar 1848 ergreift die Bürgerversammlung von Mannheim die Initiative zur Durchsetzung der demokratischen Forderungen in Baden. Im März wurde landesweit ein Sturm auf die II. Kammer der Landstände in Karlsruhe organisiert. Die Offenburger Volksversammlung mit 20 000 Teilnehmern aus ganz Baden verlangt die Verwirklichung der radikalen Forderungen über die liberale Reformgesetzgebung hinaus.

Struve und Hecker, die Führer der badischen Radikalen, unterliegen in den Abstimmungen des Frankfurter Vorparlaments mit ihrem Aktionsprogramm. Sie beschließen, den außerparlamentarischen Weg der direkten Aktion zur Verwirklichung ihrer Forderungen zu beschreiten. Hecker zog von Konstanz durch Baar und Südschwarzwald bis Kandern zur Errichtung einer deutschen Republik. Badische, hessische und nassauische Regierungstruppen erstürmen das von Republikanern verteidigte Freiburg.

Im April dieses Jahres wird  die aus dem Elsass eingedrungene deutsch-französische Emigrantenlegion unter Georg Herwegh bei Niederdossenbach niedergerungen.

Am 21.09.1848 drangen deutsche Freischärler unter Struve aus der Schweiz ein und riefen die deutsche Republik in Lörrach aus! Drei Tage später unterliegt Struve gegen badische Regierungstruppen im Gefecht von Staufen.

Das Jahr 1848 war nicht nur für Baden ein sehr stürmisches Jahr, es war das Revolutionsjahr überhaupt. Besonders die Zeit vor dem Aufstand, der sog. Vormärz wird in den Geschichtsbüchern sehr Stiefmütterlich behandelt. Dies liegt mitunter auch daran, das hier deutsche Patrioten gegen den Staat mit seiner Unterdrückung aufbegehrten.

1849 übernimmt die badische Regierung die vom Paulskirchenparlament verabschiedete Reichsverfassung. Am gleichen Tag beschließt der republikanische Landesausschuss in Mannheim die Einberufung einer Landes-Volksversammlung nach Offenburg auf den 12./ 13. Mai zur Einleitung von revolutionären Aktionen. Dieser Landeskongress der Volksvereine und die Landes-Volksversammlung in Offenburg geben das Zeichen zur Revolution.

Zur gleichen Zeit findet eine Militärmeuterei in der Bundesfestung Rastatt statt. 2 Tage später flieht der Großherzog Leopold aus Karlsruhe, Baden ist nun in der Hand des Volksaufstandes. Im Juni 1849 beginnt ein Abwehrkampf der badischen Volksarmeen an der Neckarlinie gegen die angreifenden Truppen des Deutschen Bundes.

Im Gefecht von Waghäusel besiegt Prinz Wilhelm von Preußen die Revolutionsarmee und zwingt sie zurück auf die Murglinie. 8 Tage später wird die Revolutionsarmee an der Murglinie besiegt, es werden 5500 Revolutionäre in der Festung Rastatt eingesperrt. Die restliche Revolutionsarmee zieht sich in die Schweiz zurück. Baden wird durch preußische Truppen besetzt. Am 27.07. kapitulieren die letzten Republikaner in Rastatt. Einen Monat später kehrt der Großherzog Leopold nach Karlsruhe zurück.

Es beginnt die Reaktionszeit.

Die Bestellung eines Staatskommissars im Jahre 1853 zur Überwachung bischöflicher Anordnungen, beantwortet die Freiburger Kurie am 15.11. mit dem großen Kirchenbann über den Kommissar und alle kirchlichen Amtsträger, die sich der staatlichen Anordnung fügten; damit offener Ausbruch des Jahrzehnte währenden Kulturkampfes.